17 Okt 2016

Queers for Israel ...?

Submitted by ebertus

Aus der Jungle World: "Am vergangenen Wochenende fand in Berlin die Tagung »Queers and feminists against antisemitism« statt, die sich gegen Antisemitismus in der queer-feministischen Szene richtete. "

Die Jungle World macht in der Überschrift dann "Queers for Israel" daraus, ganz ohne Fragezeichen und fragt einleitend gleich nach dem (von ihr) wohl gnadenlos entlarvten "Israelhass in Teilen der queeren Szene". Also das Übliche, die bewußte Vermischung von queeren, feministischen, antisemitischen Positionen mit der Kritik an dem Agieren Israels, der Ausprägung von neokolonialem, neoimperialem Zionismus - the Israeli Way ...

Kann man machen, das Übliche eben, diesen antideutschen, pinkgewaschenen Bellizismus pro Israel auszeichnend.

Was anschließend eben dort bei Jungle World folgt, das darf man lesen, darüber kann man schmunzeln; das war es dann jedoch schon. Von Judith Butler bis Jasbir Puar, von Critical Whiteness über BDS bis zur israelischen Variante von Pinkwashing ist alles dabei, was zwar wenig mit Antisemitismus -außer vielleicht einem strukturellen, einem sekundären, tertiären, gar quadrofonen (gibt's das/den schon?) zu tun hat,

viel dagegen mit der Einhegung eben Israels.

Wo jedoch, aus globaler Perspektive, in Israel lediglich rund die Hälfte der Menschen jüdischen Glaubens lebt, zunehmender Antisemitismus gemäß der Intention dieser Veranstaltung wohl eher ein Thema der Diaspora ist; insbesondere Deutschlands, auch in Frankreich, in England und gar den USA virulent ist, oder?

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Nicht zu vergessen Norwegen, wo bereits während der Beschneidungsdebatte eher seriöse, kritische Stellungnahmen diesen von den jüdischen Berufsoffiziellen hierzulande ausgerufenen Next Holocaust konterkarrierten.

Und nun dieses Video!


Manche meinen, es wäre vom National Theatre of Norway nicht authorisiert, augenzwinkernd (officially funded) jedoch wohl schon. Es geht in dem Video darum, dass sich das norwegische Staatstheater von einer (ehemaligen) Kooperation mit dem israelischen Staatstheater Habima distanziert.

"Habima breaks international law when they perform in illegal Jewish settlements in the occupied Palestinian territories"

Ok, die israelische Antwort via der Jerusalem Post war zu erwarten: Alles Nazis dort in Norwegen, von Goebbels bis Riefenstahl ...


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Queers for Israel ...?

Feministin im Feindesland

Antisemiten auch in Norwegen

Kommentare

Denn letztendlich geht's darum ja im Unterbau der vielen wirren ideologischen Konstruktionen, die in Deutschland im anti-deutschen Milieu zu finden sind, die aber woanders aber nicht minder wild ins Kraut schießen.

Da ich aber auch gelegentlich auf internationalen Plattformen auf Englisch blogge, bekomme ich gleichfalls mit, wie unglaublich mächtig dort tatsächlich wieder anti-semitische Konspirations=Mythen von der Machart der "Protokolle der Weisen von Zion" gedeihen, oft verbunden mit heftigen Holocaustleugnungen. (Zur Ehrenrettung der deutschen Blogger auf diesen Seiten muss man jedoch sagen, dass sie zu denen gehören, die am heftigsten widersprechen.)

Dem stehen dann gelegentlich panslawistische Heroen gegenüber, die überall germanische Gene (unter deren Träger sie aber auch gleichermaßen großzügig Angelsachsen, Skandinavier, aber auch Franzosen und Italiener zählen, keineswegs primär oder erst recht ausschließlich Deutsche) im Sprung an die Kehle der slawischen Brüdergemeinschaft wittern, die sie daraufhin mal wieder zerschmettern müsse.

Der Irrationalismus in bester Gefolgschaft eines heroisch aufgeladenen Bellizismus feiert wieder kräftige Urstände. Analyse wird durch wilde ideologische Konstruktionen verdrängt, auf deren Grundlage die Kriegstreiber wieder prima die Messer wetzen können. Demagogie und Diffamierungswut gedeihen quer über alle sozialen, nationalen, religiösen und ethnischen Milieus.

In Zeiten des Strukturzerfalls wird unbarmherzig klar, wie sehr das Sein das Bewusstsein bestimmt und wie hauchdünn, trotz aller ideologiekritischen Diskussionen langer Jahrzehnte, der Firniss der Aufklärung doch ist.

Und es wird einem doch ein wenig bang zumute...

Bild des Benutzers ebertus

da wende ich mich, da wendet es mich mit Grausen ...

Und es gibt im englischsprachigen Raum mit Sicherheit Blogs und BloggerInnen, die derart unterwegs sind, wie Du das schreibts. Hätte jetzt beinahe spontan die englische EDL genannt, soll die jedoch wohl eher israelfreundlich sein.

Für mich und keinesfalls elitär gemeint sind derartige Foren dann ein no go, würde hier auch nicht auf die Idee kommen, bei PI-News oder Compact zu schreiben. Neben Haaretz bilden das israelische Blog +972mag und das amerikanische Mondoweiss primär die Quellen meiner Information zur Nahostthematik.

Welchen quantitativen Impact sog. Hate-Sites haben, ob nun deutsch, englisch oder anderssprachig, das kann und mag ich nicht beurteilen. Sehr deutlich ist mir jedoch, dass über die Konstruktion einer in der Regel unterstellten assoziativen Nähe der notwendige seriöse Diskurs oft diffamiert wird. Über die Nachdenkseiten und deren mit Sicherheit hohe Relevanz im Netz, darüber schreiben die Großmedien nichts. Artikel zu Kopp & Co. und jedweder (rechte) Hatespeech dagegen wird breit vermeldet, als das Netz verkauft.

Der regierungsamtlich, großmedial aufgeladene Bellizismus nach außen findet bei dieser selektiven Entlarvung des/der Bösen nach innen seine Entsprechung. Der Rest ist Lückenpresse ...