11 Sep 2017

Einige beeindruckende Impressionen in Ramstein (2017)

Submitted by fahrwax

Wie immer können die folgenden Bilder & Videos nur einen Ausschnitt aus dem vielfältigen Fundus unserer Wahrnehmungen bei Stopp Ramstein 2017 wiedergeben.

Eine ergreifende Rede von Eugen Drewermann in der Versöhnungskirche Kaiserslautern:

(die Fotos stammen alle von Bernd)

 

Ken Jebsen sprach bei der Auftaktkundgebung vor dem Haus des Bürgers in Ramstein-Miesenbach.

In seiner Rede warb er vor allem für mehr Tolelaranz und Solidarität in der Friedensbewegung. Der Einsatz für den Frieden sollte der kleinste gemeinsame Nenner sein. Nachhaltiger gesellschaftlicher Wandel muss von jedem Einzelnen ausgehen und kann nicht deligiert werden

.

 

 

Und noch eine Zusammenfassung der Reden vom Freitag Abend in der Versöhnungskirche Kaiserslautern:

Die drei Gäste der interessanten Abendveranstaltung, am Freitag den 8. September, sind für ihren Einsatz für den Frieden weltberühmt. Ann Wright, ehemals Colonel der US-Armee, verließ das Militär 2003 auf Grund ihrer Ablehnung des Irak-Kriegs und setzt sich seither für globalen Frieden ein.
Auch der Schweizer Historiker Daniele Ganser wirkt aktiv für den Frieden und spezialisierte sich innerhalb seines Faches auf die Historie der UNO, der NATO, sowie auf die von der westlichen Welt geführten Kriege, die gemäß der UN-Charta völkerrechtswidrig waren und sind.
Der dritte Redner ist Eugen Drewermann – ein deutscher Theologe, Psychologe und Autor, der bereits zahlreiche bekannte Werke zu dem Thema Frieden veröffentlichte.

 

 

Kommentare

vielen herzlichen dank für die impressionen aus erster hand. die sog. leitmedien haben die friedensdemo mehr oder minder totgeschwiegen. wie ich erfahren habe, waren ca. 5000 menschen in ramstein und um die 1200 leute (jung und alt) in der versöhnungkirche kaiserslautern. die "prominierten" redner hätte auch ich gerne live gesehen...hier ein kurzclip mit lafontaine...
https://deutsch.rt.com/kurzclips/57077-ramstein-proteste-gegen-nato-mili...

Bild des Benutzers fahrwax

(wir standen im strömenden Regen vor der überdachten Bühne auf der er sülzte)

Der machte auf leutseelig und beinahe den Anarcho (korrupte Eliten - der militärisch-industrielle-Komplex) - aber beim "verstaatlichen der Rüstungsindustrie" lachte dann doch wieder seine schmutzige Funktionärseele.

war meines wissen allein durch lafontaine in ramstein vertreten. immer hin eine (funktionärs-) stimme gegen den krieg und für den frieden. die anderen waren wohl im rahmen des wahlkampfes mit der verteidigung der parteidemokratie zu sehr beschäftigt. apropos (partei-) demokratie schreibt timo rieg: "Der Glaube, dass wir - als Geschenk Gottes oder der Alliierten - bereits das bestmögliche Demokratiegebilde haben, lässt keinen Raum für Verwunderung über die Hybris vorangegangener Epochen. Wer hingegen ideologisch weniger beschult worden ist, wird eine Feststellung und eine Prognose treffen:

1. Die gesamte bekannte Historie menschlicher Herrschaft ist eine unendliche Geschichte von Gewalt, Willkür und Intrige, Egomanie, Unterdrückung, Rassismus und Versklavung, kurz: vom Kampf für Ungleichheit zum (vermeintlichen) Wohl weniger auf Kosten vieler. Herrschaft eben statt Dienstleistung."

neben dieser lesens- und nachdenkenswerten artikelserie über "wählen ist kein synonym für demokratie" https://www.heise.de/tp/features/Waehlen-ist-kein-Synonym-fuer-Demokrati...
empfehle ich diesen rubrikon-artikel: Wahlkampfschrott. https://www.rubikon.news/artikel/wahlkampfschrott

immerhin betreibt der autor konstruktive kritik, wenn er ankündigt: "In einem Folgebeitrag werde ich mich mit konstruktiven Vorschlägen auseinandersetzen, wie die kaputte neoliberale Parteiendiktatur in ein neues politisches System transformiert werden könnte."

bis dahin gehe ich am 24.9. noch (ein letztes?!) mal wählen....https://www.rubikon.news/artikel/wahlkampfschrott

Bild des Benutzers fahrwax

(Bild von Bernd)

 

Ramstein  Protestaktionen 2017 – erste Gedanken und Überlegungen zur Diskussion

Die Ramstein  Proteste vom 03. bis 10.09.2017 waren die bisher größten Aktionen gegen die Air Base in der Geschichte dieses US-amerikanischen Militärstützpunktes und des Widerstandes.

Sie waren eine der großen Aktionen der Friedensbewegung, als Einzelaktion 2017 mit Abstand die größte Friedensaktion in Deutschland. Sie war in der besten Tradition der Friedensbewegung breit, bunt, pluralistisch, vielfältig, solidarisch, internationalistisch sowie antifaschistisch und jung. Geringer vertreten war dieses Mal die „ältere Generation“. Unterschiede und Differenzen wurden offen und solidarisch formuliert.

Diese Aktionen waren und sind weiterhin unabdingbar und notwendig – Die Zeichen der Zeit stehen auf mehr Krieg und Konfrontation:

  • Nicht nur aber zuerst und besonders als Protest gegen die Drohnen – diese völkerrechtswidrigen anonymen Killermaschinen, die jetzt auch von Deutschland angeschafft werden sollen. Sie töten tagtäglich an immer mehr Orten der Welt.
  • Ramstein 2017 war Protest gegen Krieg und Militarismus generell und für die Forderung nach Gerechtigkeit weltweit. Ein lautes Nein zu Atomwaffen und eine eindeutige Ablehnung jeder weiterer Aufrüstung.
  • Es geht auch um einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Wechsel, hin zu ziviler Konfliktbearbeitung. Dies heißt für Europa auch: Frieden in Europa gibt es nur, wenn wir Frieden und Zusammenarbeit mit Russland erreichen und diese Konfrontationspolitik überwinden.
  • Gesellschaftliche Alternativen wurden eingefordert, Kapitalismus als System benannt und kritisiert.
  • So war Ramstein 2017 auch ein Protest gegen die NATO, das größte und teuerste Militärbündnis der Welt und besonders gegen die 2% des BIP fürs Militärische, das die schon Ärmeren noch ärmer und die Rüstungsprofiteure in Politik und Wirtschaft noch reicher werden lässt.
  • Sehnsucht und Willen nach Frieden in einer Welt der Kriege und der ungeheuer anwachsenden Kriegsbedrohungen, die selbst einen Atomkrieg nicht mehr unmöglich scheinen lässt. UN Generalsekretär Guterres vergleicht die Situation mit der „Kuba Krise“ von 1962 – damals stand die Welt am Abgrund. Die Verantwortungslosigkeit, gerade westlicher Politik, ist schwer zu überbieten. Die Herausforderung für die weltweite Friedensbewegung ist immens.

 

Die Vielfalt der Aktionen gegen die Drohnen und die Ramstein Air Base vom 3. bis zum 10.09.2017 war einmalig und beeindruckend. Vielfalt war das Markenzeichen der Proteste gegen die US-Airbase:

  • Friedenscamp mit mehr als 800 Menschen, junge, alte, Familien mit Kindern. Stichworte eines tollen Camps: Solidarische Lebensweise, Kultur, ökologisch, Mülltrennung, vegan, regionale Bioprodukte, viele Diskussionsrunden, nicht nur zu Krieg und Frieden sondern auch u.a. zu Degrowth.

Hier wurde eine solidarische Friedensbewegung gelebt. Aus dem Camp kamen die meisten Helfer*innen für die Veranstaltungen, die Menschenkette und das Friedensfestival. Die Aktionen wären ohne die Hilfe aus dem Camp nicht denkbar gewesen. Solidarisch war auch das Zusammenleben im Camp, Aktivist*innen tauschten sich aus und haben sich vernetzt. Alle bekräftigten: „Wir kommen wieder!“

  • Internationaler Basenkongress mit weit über 300 Teilnehmenden. Vielfältige pluralistische Diskussion, viele Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede, Klima der Offenheit und der Solidarität, rege Beteiligung von den Teilnehmenden in den Workshops und vielfältige neue Kontakten und Vernetzungen wurden geknüpft.
  • Öffentliche Abendveranstaltung in einer selten gekannten argumentativen aber auch emotionalen Atmosphäre mit mehr als 1.200 Teilnehmer*innen in der Versöhnungskirche und dem vollen Gemeindezentrum.
  • Aktionshöhepunkt war eine geschlossene, Mensch neben Mensch stehende Menschenkette mit 5000 Teilnehmer*innen. Bilder und Videos sprechen eine Sprache und zwar die des Friedens und des Protestes. Beeindruckend war der Ablauf, spannend und vielfältig die Kundgebungen. Diese zeigen die Breite und Vielfalt sowie die Neuen, die gewonnen werden konnten. Das Haar in der Suppe gibt es nicht, weder bei den Zahlen, noch bei den Slogans, erst recht nicht in der Breite der Rednerinnen und Redner. Es war einfach toll, nur der Regen kam zu früh.
  • Das Friedensfestival mit 26 Gigs hatte eine schöne Atmosphäre. Die 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die gekommen waren, genossen den kulturellen Friedensabend und erfreuten sich nicht nur an der Musik. Dieter Hallervorden forderte uns in seinem Video leidenschaftlich auf, sich zu engagieren und denen da oben nicht zu trauen.

 

Was prägte die Aktionen noch?

  • Die vielfältige Bereitschaft ganz vieler vor und währen der Proteste mit anzupacken, zu helfen, sich aktiv persönlich einzubringen. Dank an alle Helferinnen und Helfer, die dies möglich machten! Ohne sie hätte es dieses Ramstein 2017 nicht gegeben. Dieses Engagement zeigt aber auch viele neue, noch ungenutzte Möglichkeiten und Potentiale.
  • Dies gilt auch und besonders für die finanzielle Unterstützung (ob sie schon reicht, wissen wir noch nicht). Kein Großsponsor, sicher keine Regierung oder eine der großen Stiftungen hat dies möglich gemacht. Es waren eine beeindruckende Anzahl von Spenden und eine ungeheure Zahlungsdisziplin bei den Bestellungen. Vielen Dank! Dank auch an die Partei die LINKE und die EL (Europäische Linke) für ihre finanzielle Unterstützung. Dank auch an den Landwirt für die Wiese, an die Gate GmbH für die Unterstützung bei der Veranstaltungstechnik, an den Getränkelieferanten Schnorres und viele andere, die uns unterstützten.
  • Die Internationalität: Gäste aus 14 Ländern beteiligten sich an den Aktionen und Veranstaltungen. Sie hatten einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg. Ihre Beiträge prägten Ramstein 2017 ganz entscheidend mit.
  • Die umfassende Medienberichterstattung. In die ARD haben wir es noch nicht geschafft, aber im SWR Fernsehen und Rundfunk, Agenturen, Zeitungsberichte, Online-Berichte und alternative Medien waren wir präsent. Es wurde viel und durchaus in unserem Sinne berichtet. Nicht zu vergessen die immense Flut von Berichten in den sozialen Medien.
  • Ein tolles Team, eine phantastische Unterstützung von der „Gemeinschaft der Ramsteiner“,  ein aktiver Koordinierungskreis. Das muss Frau und Mann erst einmal alles stemmen. Es ging teilweise auch an die Grenzen der Kraft, aber es entwickelt sich langsam so etwas wie eine Solidargemeinschaft „der Ramstein-Protestierenden“.
  • Die Absage an „Trittbrettfahrer“, die auf dem Rücken einer von viel Sympathie getragenen Kampagne ihr unappetitliches Süppchen kochen wollten. Mit Rechtsradikalen ist kein Frieden zu machen.

 

Alles nur gut oder nur Licht? Das kann es gar nicht geben:

  • Ganz sicher nicht – es bleiben inhaltliche Differenzierungen, über die wir weiter reden müssen und die auf verschiedenen Veranstaltungen aufgetreten sind. Diese sind normal, menschlich und ein Zeichen der Vielfalt und Breite. Für uns ist die fortgesetzte permanente Aufarbeitung der deutschen Geschichte, besonders auch des Faschismus  und die Umsetzung der Lehren „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“, unverzichtbarer Teil unserer Friedensarbeit.

Der Umgang mit Differenzen  sollte vielleicht noch mehr vom Ringen nach Gemeinsamkeit und Solidarität geprägt werden.

  • Es scheint, dass wir mit 5000 Teilnehmenden vorerst die Spitze des Eisberges erreicht haben. Dies sind stolze, aber nicht zufriedenstellende Mobilisierungszahlen, um die uns viele dennoch beneiden. Wie wir über diese Zahl bei zukünftigen Aktionen hinauskommen und deutlich mehr werden, eine wirklich breite Bewegung werden, darüber müssen wir alle gemeinsam viel nachdenken und noch mehr dafür tun. Wir werden den Gedanken an eine umfassende Bewegung nicht aufgeben und diese ist bitter nötig.
  • Wir werden weiter an der handwerklichen Qualitätsverbesserung arbeiten. Nicht, dass wir uns hier viel vorzuwerfen hätten, aber an der einen oder anderen Ecke kann es sicher noch besser werden.

 

Was bleibt oder die Nachhaltigkeit des Protestes:

  • Wir haben die Gründung eines internationalen Netzwerkes gegen Militärbasen auf den Weg gebracht.
  • Schon während der Aktionswoche haben sich zwei neue lokale Friedensinitiativen geründet, die vor Ort die Friedensarbeit fortsetzen wollen.
  • Der Gedanke, dass Kultur die Friedensaktivitäten – eigenständig mit Künstlerinnen und Künstlern für den Frieden – mit prägen soll, wird weiter verfolgt. Eine spannende Debatte hat da begonnen.
  • Wir werden noch in  diesem Herbst wieder und erneut für den Frieden auf die Straßen und Plätze ziehen.
  • Wir sind müde, aber auch glücklich und ein wenig stolz, die Aktionen erfolgreich gestemmt zu haben.

 

Das wichtigste zum Schluss:

  • Wie es weiter geht mit der Kampagne entscheidet sich in den vielfältigen Organisationen und Initiativen, die diese Kampagne unterstützen – heißen sie nun Stopp Air Base Ramstein Kampagne oder anders. Wichtig ist allein, dass die Aktivitäten zu einer weiteren Delegitimierung der Air Base und des Militarismus führen.
  • Die Ramstein Proteste werden 2018 weitergehen: Wie und wann, was wieder, was neu, was ganz anders machen, bedarf einer intensiven Diskussion. Kontinuität und Veränderungen sollten diese – wie immer bei der Ramstein Kampagne – partizipative und ergebnisoffene Diskussionen prägen und zu einer gemeinsamen Entscheidungsfindung führen.

Wir möchten mit diesen Gedanken und Überlegungen, eine intensive Diskussion zur Ausweitung der Ramstein Proteste 2017 anregen, um auch damit zu einer weiteren Stärkung der Friedensbewegung beizutragen.

Malte Albrecht, Andrea Beck, Reiner Braun, Laura Jäckel, Kristine Karch, Pascal Luig, Nele Schuldt, Amela Skiljan, Lucas Wirl

Ramstein  Protestaktionen 2017 – erste Gedanken und Überlegungen zur Diskussion

Die Ramstein  Proteste vom 03. bis 10.09.2017 waren die bisher größten Aktionen gegen die Air Base in der Geschichte dieses US-amerikanischen Militärstützpunktes und des Widerstandes.

Sie waren eine der großen Aktionen der Friedensbewegung, als Einzelaktion 2017 mit Abstand die größte Friedensaktion in Deutschland. Sie war in der besten Tradition der Friedensbewegung breit, bunt, pluralistisch, vielfältig, solidarisch, internationalistisch sowie antifaschistisch und jung. Geringer vertreten war dieses Mal die „ältere Generation“. Unterschiede und Differenzen wurden offen und solidarisch formuliert.

Diese Aktionen waren und sind weiterhin unabdingbar und notwendig – Die Zeichen der Zeit stehen auf mehr Krieg und Konfrontation:

  • Nicht nur aber zuerst und besonders als Protest gegen die Drohnen – diese völkerrechtswidrigen anonymen Killermaschinen, die jetzt auch von Deutschland angeschafft werden sollen. Sie töten tagtäglich an immer mehr Orten der Welt.
  • Ramstein 2017 war Protest gegen Krieg und Militarismus generell und für die Forderung nach Gerechtigkeit weltweit. Ein lautes Nein zu Atomwaffen und eine eindeutige Ablehnung jeder weiterer Aufrüstung.
  • Es geht auch um einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Wechsel, hin zu ziviler Konfliktbearbeitung. Dies heißt für Europa auch: Frieden in Europa gibt es nur, wenn wir Frieden und Zusammenarbeit mit Russland erreichen und diese Konfrontationspolitik überwinden.
  • Gesellschaftliche Alternativen wurden eingefordert, Kapitalismus als System benannt und kritisiert.
  • So war Ramstein 2017 auch ein Protest gegen die NATO, das größte und teuerste Militärbündnis der Welt und besonders gegen die 2% des BIP fürs Militärische, das die schon Ärmeren noch ärmer und die Rüstungsprofiteure in Politik und Wirtschaft noch reicher werden lässt.
  • Sehnsucht und Willen nach Frieden in einer Welt der Kriege und der ungeheuer anwachsenden Kriegsbedrohungen, die selbst einen Atomkrieg nicht mehr unmöglich scheinen lässt. UN Generalsekretär Guterres vergleicht die Situation mit der „Kuba Krise“ von 1962 – damals stand die Welt am Abgrund. Die Verantwortungslosigkeit, gerade westlicher Politik, ist schwer zu überbieten. Die Herausforderung für die weltweite Friedensbewegung ist immens.

 

Die Vielfalt der Aktionen gegen die Drohnen und die Ramstein Air Base vom 3. bis zum 10.09.2017 war einmalig und beeindruckend. Vielfalt war das Markenzeichen der Proteste gegen die US-Airbase:

  • Friedenscamp mit mehr als 800 Menschen, junge, alte, Familien mit Kindern. Stichworte eines tollen Camps: Solidarische Lebensweise, Kultur, ökologisch, Mülltrennung, vegan, regionale Bioprodukte, viele Diskussionsrunden, nicht nur zu Krieg und Frieden sondern auch u.a. zu Degrowth.

Hier wurde eine solidarische Friedensbewegung gelebt. Aus dem Camp kamen die meisten Helfer*innen für die Veranstaltungen, die Menschenkette und das Friedensfestival. Die Aktionen wären ohne die Hilfe aus dem Camp nicht denkbar gewesen. Solidarisch war auch das Zusammenleben im Camp, Aktivist*innen tauschten sich aus und haben sich vernetzt. Alle bekräftigten: „Wir kommen wieder!“

  • Internationaler Basenkongress mit weit über 300 Teilnehmenden. Vielfältige pluralistische Diskussion, viele Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede, Klima der Offenheit und der Solidarität, rege Beteiligung von den Teilnehmenden in den Workshops und vielfältige neue Kontakten und Vernetzungen wurden geknüpft.
  • Öffentliche Abendveranstaltung in einer selten gekannten argumentativen aber auch emotionalen Atmosphäre mit mehr als 1.200 Teilnehmer*innen in der Versöhnungskirche und dem vollen Gemeindezentrum.
  • Aktionshöhepunkt war eine geschlossene, Mensch neben Mensch stehende Menschenkette mit 5000 Teilnehmer*innen. Bilder und Videos sprechen eine Sprache und zwar die des Friedens und des Protestes. Beeindruckend war der Ablauf, spannend und vielfältig die Kundgebungen. Diese zeigen die Breite und Vielfalt sowie die Neuen, die gewonnen werden konnten. Das Haar in der Suppe gibt es nicht, weder bei den Zahlen, noch bei den Slogans, erst recht nicht in der Breite der Rednerinnen und Redner. Es war einfach toll, nur der Regen kam zu früh.
  • Das Friedensfestival mit 26 Gigs hatte eine schöne Atmosphäre. Die 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die gekommen waren, genossen den kulturellen Friedensabend und erfreuten sich nicht nur an der Musik. Dieter Hallervorden forderte uns in seinem Video leidenschaftlich auf, sich zu engagieren und denen da oben nicht zu trauen.

 

Was prägte die Aktionen noch?

  • Die vielfältige Bereitschaft ganz vieler vor und währen der Proteste mit anzupacken, zu helfen, sich aktiv persönlich einzubringen. Dank an alle Helferinnen und Helfer, die dies möglich machten! Ohne sie hätte es dieses Ramstein 2017 nicht gegeben. Dieses Engagement zeigt aber auch viele neue, noch ungenutzte Möglichkeiten und Potentiale.
  • Dies gilt auch und besonders für die finanzielle Unterstützung (ob sie schon reicht, wissen wir noch nicht). Kein Großsponsor, sicher keine Regierung oder eine der großen Stiftungen hat dies möglich gemacht. Es waren eine beeindruckende Anzahl von Spenden und eine ungeheure Zahlungsdisziplin bei den Bestellungen. Vielen Dank! Dank auch an die Partei die LINKE und die EL (Europäische Linke) für ihre finanzielle Unterstützung. Dank auch an den Landwirt für die Wiese, an die Gate GmbH für die Unterstützung bei der Veranstaltungstechnik, an den Getränkelieferanten Schnorres und viele andere, die uns unterstützten.
  • Die Internationalität: Gäste aus 14 Ländern beteiligten sich an den Aktionen und Veranstaltungen. Sie hatten einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg. Ihre Beiträge prägten Ramstein 2017 ganz entscheidend mit.
  • Die umfassende Medienberichterstattung. In die ARD haben wir es noch nicht geschafft, aber im SWR Fernsehen und Rundfunk, Agenturen, Zeitungsberichte, Online-Berichte und alternative Medien waren wir präsent. Es wurde viel und durchaus in unserem Sinne berichtet. Nicht zu vergessen die immense Flut von Berichten in den sozialen Medien.
  • Ein tolles Team, eine phantastische Unterstützung von der „Gemeinschaft der Ramsteiner“,  ein aktiver Koordinierungskreis. Das muss Frau und Mann erst einmal alles stemmen. Es ging teilweise auch an die Grenzen der Kraft, aber es entwickelt sich langsam so etwas wie eine Solidargemeinschaft „der Ramstein-Protestierenden“.
  • Die Absage an „Trittbrettfahrer“, die auf dem Rücken einer von viel Sympathie getragenen Kampagne ihr unappetitliches Süppchen kochen wollten. Mit Rechtsradikalen ist kein Frieden zu machen.

 

Alles nur gut oder nur Licht? Das kann es gar nicht geben:

  • Ganz sicher nicht – es bleiben inhaltliche Differenzierungen, über die wir weiter reden müssen und die auf verschiedenen Veranstaltungen aufgetreten sind. Diese sind normal, menschlich und ein Zeichen der Vielfalt und Breite. Für uns ist die fortgesetzte permanente Aufarbeitung der deutschen Geschichte, besonders auch des Faschismus  und die Umsetzung der Lehren „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“, unverzichtbarer Teil unserer Friedensarbeit.

Der Umgang mit Differenzen  sollte vielleicht noch mehr vom Ringen nach Gemeinsamkeit und Solidarität geprägt werden.

  • Es scheint, dass wir mit 5000 Teilnehmenden vorerst die Spitze des Eisberges erreicht haben. Dies sind stolze, aber nicht zufriedenstellende Mobilisierungszahlen, um die uns viele dennoch beneiden. Wie wir über diese Zahl bei zukünftigen Aktionen hinauskommen und deutlich mehr werden, eine wirklich breite Bewegung werden, darüber müssen wir alle gemeinsam viel nachdenken und noch mehr dafür tun. Wir werden den Gedanken an eine umfassende Bewegung nicht aufgeben und diese ist bitter nötig.
  • Wir werden weiter an der handwerklichen Qualitätsverbesserung arbeiten. Nicht, dass wir uns hier viel vorzuwerfen hätten, aber an der einen oder anderen Ecke kann es sicher noch besser werden.

 

Was bleibt oder die Nachhaltigkeit des Protestes:

  • Wir haben die Gründung eines internationalen Netzwerkes gegen Militärbasen auf den Weg gebracht.
  • Schon während der Aktionswoche haben sich zwei neue lokale Friedensinitiativen geründet, die vor Ort die Friedensarbeit fortsetzen wollen.
  • Der Gedanke, dass Kultur die Friedensaktivitäten – eigenständig mit Künstlerinnen und Künstlern für den Frieden – mit prägen soll, wird weiter verfolgt. Eine spannende Debatte hat da begonnen.
  • Wir werden noch in  diesem Herbst wieder und erneut für den Frieden auf die Straßen und Plätze ziehen.
  • Wir sind müde, aber auch glücklich und ein wenig stolz, die Aktionen erfolgreich gestemmt zu haben.

 

Das wichtigste zum Schluss:

  • Wie es weiter geht mit der Kampagne entscheidet sich in den vielfältigen Organisationen und Initiativen, die diese Kampagne unterstützen – heißen sie nun Stopp Air Base Ramstein Kampagne oder anders. Wichtig ist allein, dass die Aktivitäten zu einer weiteren Delegitimierung der Air Base und des Militarismus führen.
  • Die Ramstein Proteste werden 2018 weitergehen: Wie und wann, was wieder, was neu, was ganz anders machen, bedarf einer intensiven Diskussion. Kontinuität und Veränderungen sollten diese – wie immer bei der Ramstein Kampagne – partizipative und ergebnisoffene Diskussionen prägen und zu einer gemeinsamen Entscheidungsfindung führen.

Wir möchten mit diesen Gedanken und Überlegungen, eine intensive Diskussion zur Ausweitung der Ramstein Proteste 2017 anregen, um auch damit zu einer weiteren Stärkung der Friedensbewegung beizutragen.

Malte Albrecht, Andrea Beck, Reiner Braun, Laura Jäckel, Kristine Karch, Pascal Luig, Nele Schuldt, Amela Skiljan, Lucas Wirl

1: "Wir sind müde, aber auch glücklich und ein wenig stolz, die Aktionen erfolgreich gestemmt zu haben."

2. "Der Umgang mit Differenzen sollte vielleicht noch mehr vom Ringen nach Gemeinsamkeit und Solidarität geprägt werden."

3. "Die Ramstein Proteste werden 2018 weitergehen: Wie und wann, was wieder, was neu, was ganz anders machen, bedarf einer intensiven Diskussion. Kontinuität und Veränderungen sollten diese – wie immer bei der Ramstein Kampagne – partizipative und ergebnisoffene Diskussionen prägen und zu einer gemeinsamen Entscheidungsfindung führen."

insofern hat immanuel wallerstein recht, wenn er für eine radikale linke politik (nachfolgende beispiele sind von mir: für frieden; raus aus der nato, schritte zum bruch mit dem kapitalismus etc...) plädiert, die auf gesellschaftliche veränderungen abzielt, die aber allein auf der strasse nicht durchsetzbar sind.

dazu wallenstein: "Ist es deshalb hoffnungslos, sich heutzutage für ein radikal linkes Programm einzusetzen? Überhaupt nicht! Wir erleben gegenwärtig den Übergang von einem sterbenden kapitalistischen System zu einem noch zu wählenden neuen System. Die heutigen Anstrengungen der radikalen Linken haben mittelfristig Auswirkungen auf das Nachfolgesystem. Die gegenwärtig stattfindende Debatte über zukünftige Vorgehensweisen ist im Wesentlichen eine Debatte über kurzfristige Wirkungen. Aber was wir auf kurze Sicht tun, wird mittelfristige Auswirkungen haben, selbst wenn kurzfristig nicht allzu viel erreicht wird.

Die sinnvollste Vorgehensweise wird wohl die gleichzeitige Verfolgung beider Strategien sein, also sich einerseits zur Wahl zu stellen und andererseits um die Straße zu kämpfen,.."
https://www.rubikon.news/artikel/das-dilemma-der-radikalen-linken