26 Aug 2017

Referendum in Katalonien

Submitted by Redaktion

Den taz-artikel  finde ich lesenswert. Vielleicht habt ihr Zeit u. und Interesse am Thema. Mir persönlich ist der Standpunkt von cup sympathisch.
Ein Beitrag von Jose

dazu die sprecherin der cup ( antikapitalistische linke) die anna gabriel:

"Ich komme aus einer Arbeiterfamilie“, erzählt sie. Ihre Eltern hätten immer ein „großes Klassenbewusstsein“ gehabt. Gewerkschaften, Anarchismus, Kommunismus, das waren Themen in ihrer Familie. „Schon als ich klein war, haben wir sehr viel über Politik geredet. Und immer im Geist, Gerechtigkeit zu suchen.“
Gabriel ist zu dem Schluss gekommen: „Wenn du mehr Rechte für Arbeiterinnen, mehr Kontrolle über die Wirtschaft und mehr Souveränität für das Volk erreichen willst, ist das im Rahmen des spanischen Staats unmöglich.“
Die Abspaltung könne mehr soziale Gerechtigkeit bringen, denn in Katalonien gebe es eine Mehrheit dafür – anders als im restlichen Spanien. Das ist Ga­briels Hoffnung. Für sie ist die katalanische Unabhängigkeit vor allem ein Mittel, um „den Weg zum Sozialismus einzuschlagen“, wie es im Wahlprogramm der CUP heißt."

euch schönes wochenende....

Kommentare

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mittlerweile dort selten, so ein differenziert daherkommenter Text.

Aber ehe ich diese vielen Hinweise und gar Trigger zum Referendum, zur katalonischen Unabhängigkeit diskutieren wollte, vorab ein eher zwischenmenschliches Thema.

"Sie würde Kinder lieber im Kollektiv aufziehen, so dass sie kein Zugehörigkeitsgefühl zu den biologischen Eltern entwickeln."

Vielleicht habe ich es überlesen, aber hat Anna eigene Kinder; so wie ihr ehemaliger Prof?

soweit wie die anna bin ich nicht. haben selber zwei "kinder" und bin nun 30 jahre mit der gleichen frau unserer "kinder" gerne verheiratet. habe das spanische interview gelesen und sie unter freier meinungsäußerung einer relativ jungen, radikalen und emanzipierten frau abgebucht. da bin ich doch mehr für einen gelingenden "familien-anarchismus/kommunismus" in überschaubarer konstellation. und ohne emotionale zuwendung bzw. begegnungen im familären umfeld kann die geistig-empathische entwicklung eines kindes nicht klappen. vor diesem hintergrund halte ich annas forderung nach "bindungsarmut" (kein zugehörigkeitsgefühl zu den leiblichen eltern) für nicht fortschrittlich. dennoch diskreditiert ihre persönliche auffassung von (konservativer) familie nicht das eigentliche anliegen der katalanischen unabhängigkeitsbefürworter.

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ist mir ja beinahe unangenehm, Jose ...

Klar, als Vater zweier Kinder und mittlerweile dreier Enkelkinder, seit Jahrzehnten und über alle ups&downs mit der Frau unserer Kinder verheiratet, so habe ich -und anhaltend- natürlich ein anderes Sein als die Anna Gabriel. Kein besseres, kein richtigeres, aber eben ein anderes.

Und das Sein bestimmt weitgehend das Bewusstsein; wusste schon der olle Marx ...

Ansonsten gebe ich Dir recht, diskreditiert diese, ihre Position zu Familie und Kindern keinesfalls ihr eigentliches Anliegen in Sachen der katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter. Da erkenne ich sehr viel Konsensfähiges. Morgen mehr.

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Google Übersetzung: Biographie

«Er wurde in Sallent geboren und gehört zu einer Bergbaufamilie. Sein Vater wanderte von Minas de Riotinto (Huelva) aus und kam in Sallent an, um in der Mine zu arbeiten, und seine Mutter, die dort geboren wurde, stammt aus einer Bergbaufamilie in Murcia und war Mitglied des PSUC. Ihr Großvater war ein CNT, ebenso wie ihr Urgroßvater. Anna Gabriel und ihr Bruder waren die ersten Unabhängigen der Familie

Nach dem Studium der Sozialpädagogik absolvierte sie das Jurastudium und absolvierte einen Master in Sociolaboral Rights an der Autonomen Universität Barcelona, wo sie Associate Professorin für Rechtsgeschichte ist.
1»

Offensichtlich hat Anna Gabriel (noch) keine Kinder. Ich würde diesen Teil aber nicht zu sehr beachten. Die meisten Eltern wollen ihre Kinder selbst erziehen und im Vorschulalter in den Kindergarten geben. Wenn Gabriel das (noch) anders sieht, ist das ihre persönliche Meinung, die sicher die Mehrheit der Separatisten nicht so will.

Also trennen von persönlichen Belangen und ihrem politischen Programm:

Anna gabriel Sabate

Quelle Twitter Account:

Anna Gabriel Sabaté

@AnnaGaSabate


danke für das schöne obige bildmotiv "lass uns wegfegen" den rajoy, den klerus, das militär etc...aus katalonien. aber die corrida (stierkampf)?...ist zwar politisch korrekt, aber ohne tötung der stiere wäre es aus meiner sicht durchaus tolerabel. mein damaliger lieblingsstierkämpfer (der aufgrund seiner grossen populariät in spanien sich leider von franco vereinnahmen ließ): el cordobes

"Nach einer durch Armut und die Folgen des spanischen Bürgerkrieges geprägten Kindheit und Jugend begann er seine Laufbahn als Torero im Jahr 1959 in Talavera de la Reina als novillero (Jungstierkämpfer)"
https://de.m.wikipedia.org/wiki/El_Cordob%C3%A9s

als matador war el cordobes ein tierquäler...

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Ich kann akzeptieren, daß der Stierkampf eine traditionelle Kultur hat und ist. Allerdings ist mir (wenn schon, denn schon) die portugiesische Variante sinnvoller.

laut presse wollen ca. 70 % der katalanen über diese frage am 1.10. demokratisch abstimmen:

"Quiere que Catalunya sea un Estado independiente con forma de república?" (möchten sie, dass katalonien eine unabhängiger staat im form einer republik sein soll?“).

das ergebnis ist noch offen. entweder wird am 2.10. die katalanische republik ausgerufen oder bei einer abstimmungsniederlage der unabhängigkeitsbewegung kommt es zu neuwahlen...mein gefühl sagt mir, dass ähnlich wie beim brexit eine sehr knappe mehrheit entscheiden wird. in diesem fall die spanienbefürworter...damit ist aber die regionale und progressive politische alternative zur rechten/ neoliberalen zentralregierung nicht vom tisch.

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und würde anstelle von Separatismus weitgehende Autonomie vorziehen.

Insbesondere, wenn es sich um Gebiete, Provinzen, Landesteile, Bundesstaaten etc. handelt, deren dort lebende Menschen bereits seit Jahrzehnten und mehr, weitgehend friedlich zusammenleben, ein mindestens relativer Wohlstand existiert.

Dieser (neue) Separatismus scheint mir das direkte Resultat (man könnte es auch Notwehr nennen) gegenüber einer zentralistisch-neoliberal exekutierten, ausschließlich Wirtschafts- und Kapitalinteressen vertretenden EU, welche auch den einzelnen Staaten (wie eben Spanien) einen immer weitergehenden Zentralismus auferlegt.

Aus rein ökonomischer Sicht eignet sie konsequenter Separatismus eh nur für wirtschaftlich starke Gebiete, aber die größere Gefahr dabei scheint mir, dass sich ideologisch getriebene (Religionen eingeschlossen) Interessen jenseits jeder pragmatischen, säkularen Logik durchsetzen, zumindest andocken.

Wobei das mit den Religionen noch eine besondere Sache ist, auch meine Erfahrungen hierzulande bestätigen. Je weiter oben in der Hierarchie angesiedelt, umso eher vertreten die religiösen Führer zentralistische, systemfromme Interessen, während die einfachen Chargen noch eine gewisse Narrenfreiheit genießen; indirekt und ohne es vielleicht selbst zu bemerken als trojanische Pferde fungieren, Protest und Widerstand kanalisieren; einebenen ...

Es ist natürlich Angelegenheit der Spanier und Katalonen darüber zu entscheiden, ob sie sich gemeinsam organisieren und leben wollen.
Zu wünschen wäre, dass es ohne gewaltsame Auseinandersetzung geklärt wird. Ich vermute aber, dass es anders kommen wird und hoffe, dass ich Unrecht habe.

Ansonsten habe ich die allergrößten Vorbehalte gegen diese ganzen Separatismen. In aller Regel, und auch da sehe ich nicht, dass es in Katalonien anders kommen würde, gibt es der alten Scheiße nur eine neue staatliche Form.
Wenn dass katalanische Regionalparlament vielleicht einen kleinen Einblick in die politischen Präferenzen der dort Lebenden gestattet, dann sehe ich auch nicht, ob da so was wie eine sozialistische Option auch nur gedacht werden kann.

https://de.wikipedia.org/wiki/Parlament_von_Katalonien

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(@Ebertus)

Ich privilegiere kleinste autarke Gemeinden die sich symbiotisch zueinander in Beziehung setzen.

Allerdings haltee ich den wehrhaften Separatismus - sobald er die Eigentumsverhältnisse und damit die Ausbeutung zur Disposition stellt - für einen gangbaren Weg dahin. Was die Selbstbestimmung zurück bringt geht potentiell der Hirarchie 'an den feisten Arsch' an die konservierten Privilegien.

Unter Iren, Basken, Korsen, Katalanen, Ukrainern sind derlei befreierische Absichten zwar unterrepräsentiert, aber immerhin vorhanden und mit dementsprechenden Traditionen verbunden. Die Sicht dieser separatistischen Bewegungen als reinen Nationalismus halte ich für fehlerhaft, bzw. für hierarchische Propaganda.

Mir sind die glaubwürdigen Zirkel 'autonomer Kommunisten' (?) innerhalb der Separatisten wohlbekannt.

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«..., deren dort lebende Menschen bereits seit Jahrzehnten und mehr, weitgehend friedlich zusammenleben, ...»

Das mag seit dem Ende der Franko Faschisten gelten und ist soo lange nicht her. Besonders Katalonien, aber auch das Baskenland hatten unter den Repressionen der Zentralgewalt aus Madrid zu leiden und durften ihre kulturelle Identität nicht leben – bis hin zum zentralen Verbot der regionalen Sprache. Diese Dinge sind bis heute nicht behoben oder befriedet.

Die Schwaben sagen: «Mir kennet elles, bloß kei Deitsch.»

Stell dir vor, den Bayern würde aus Berlin ihr Dialekt verboten; wir hätten in Null Komma Nix eine ordentliche Separatistenbewegung in dieser BananenRepublik Deutschland BRD.

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und genau deshalb habe ich das so geschrieben.

An die spanischen Gegebenheiten und Empfindungen taste ich mich ja erst langsam heran, war lange nicht mehr dort. Aber wenn ich es auch nur irgendwie mit Südtirol vergleiche, diverse Aufenthalte in den letzten zehn Jahren eingeschlossen, dann frage ich mich schon, was der von Hardcore-Separatisten immer mal wieder ins Spiel gebrachte Anschluß an Östereich dem normalen Südtiroler wohl bringen kann.

Vielleicht ist die italienische Zentralgewalt dahingehend zurückhaltender vorgegangen als die spanische ...?

Btw. Spanien:

George Orwells "Mein Katalonien" wird ja nicht nur von mir immer mal erwähnt, ist die dahingehende Desillusionierung Orwells auch ein heute noch (oder wieder) aktuelles Thema, hätte er sein 1984  wahrscheinlich nie ohne diese Erfahrungen schreiben können.

Aktuell lese ich eine Essaysammlung von Orwell, bei der dieser -und etwas mehr aus der zeitlichen Distanz- dann in 1942 einen Rückblick auf seine Erlebnisse in Spanien, seine Schlußfolgerungen daraus vornimmt. Habe diesen Essay mal eingescannt, via OCR in ein .pdf überführt - und in die Termitencloud gestellt, dort geteilt.

Viel Spaß und so manches Déjà vu beim Lesen ...

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Ein Anschluß an Österreich bringt für Südtirol heute nichts mehr. So viel ich weiß hatte die italiensche Regierung anfänglich auch stark nationale Politik betrieben und entsprechen die Separatisten motiviert. Mit Spanien und seinem Bürgerkrieg ist das aber nicht zu vergleichen.

verstehe ich zu gut. darüber bin ich nun hinweg. ich sehe nun mehr vor- als nachteile einer geordneten loslösung kataloniens von spanien, so wie es die angebotenen modalitäten der katalanischen regierung mit der zentralregierung vorsehen. rajoy hat die dialogbereitschaft der unabhängigkeitsbewegung stets vehement abgelehnt und gar als "putsch" gegen die spanische verfassung inkriminiert. die fronten haben sich in der spaltungsfrage nicht im sinne der populismustheoretikerin mouffe in richtung die "besseren argumente sollten zwischen den politischen gegnern (agonistik) überzeugen" entwickelt , sondern nun wird fast fundamentalistisch-konfrontativ reagiert statt dialogisch zu agieren. ich halte ein verbot des referendums für ein undemokratischen akt und befürchtete, dass es zu eskalierenden protesten in katatalonien führen wird; wenn nicht gar zu bürgerkriegsähnlichen tumulten. kurz: im sinne des selbstbestimmungsrechts des souveräns sollten die menschen ihre stimme erheben dürfen. das ergebnis ist zu respektieren.
die motive bzw. die vorteile bei unabhängigkeit kataloniens von spanien hat bernd angedeutet und im taz-artikel hat die cup-anna weitere angeführt. ähnlich auch raul zelik: "Die in Rest-Spanien so oft zu hörende These vom Wohlstandschauvinismus der Minderheiten greift deshalb zu kurz. Auch wenn so mancher Katalane darauf spekuliert, dass seine Region ohne die Transferzahlungen nach Andalusien besser dastehen könnte, geht es bei dem Konflikt nicht in erster Linie ums Geld. Mindestens ebenso wichtig ist der Wunsch nach einer Demokratisierung der Gesellschaft und nach politischen und sozialen Alternativen. Für viele katalanische Linke erscheint die Unabhängigkeit angesichts der Kräfteverhältnisse in Spanien heute einfach als realistischste Option, um mit der autoritären und neoliberalen Politik zu brechen." http://www.raulzelik.net/kritik-literatur-alltag-theorie/432-spaniens-en...

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«Die Abspaltung könne mehr soziale Gerechtigkeit bringen, denn in Katalonien gebe es eine Mehrheit dafür – anders als im restlichen Spanien. Das ist Ga­briels Hoffnung. Für sie ist die katalanische Unabhängigkeit vor allem ein Mittel, um „den Weg zum Sozialismus einzuschlagen“, wie es im Wahlprogramm der CUP heißt."»

Alle Zentralregierungen in Europa leben von ihren Provinzen. Das war schon im antiken Rom so. Die Zerstörung des Tempels in Jerusalem sollte den Willen der Separatisten brechen.

Vor diesem jahrtausende alten Erbe verstehe ich die Separatisten in Europa und die Idee von Ulrike Gureot, eine Republik Europa zu gründen. Die Konstruktion einer zentralistischen EU mit einer Verfassung war 2005 gescheitert. Die Einheitswährung EURO scheitert, wenn sie nicht zu einer bargeldlosen Zweitwährung für alle Staaten in Europa gemacht wird.

Eine zentralistische Republik Europa wird niemand akzeptieren; bleibt also eine Republik der Regionen, die Zentralismus, Nationalismus, Unterdrückung  und Bevormundung überwunden hat, vor alle die Ausbeutung der Provinzen durch die Zentralregionen.

Wenn die CUP ein einseitig sozialistisches Katalonien anstrebt, wird sie scheitern; ein demokratisches Katalonen mit den Prämissen der französischen Revolution ist möglich: Frei Gleich Sozial

sie müsste aufgrund ihrer idee von einer europäischen republik als option zur neoliberalen eu mit der unabhängigkeitsbewegung in katalonien sympathisieren. letzteres weiß ich nicht und zudem habe ich von ihr zu wenig gelesen, um mir eine abschließende meinung zu bilden.

was katalanische republik sein soll oder der cup-sozialismus, darüber wird innerhalb der doch sehr heterogen zusammengesetzen unabhängigkeitsbewegung gestritten werden. die cup ist zwar der radikalste flügel, aber nicht die mehrheit in der bewegung. zudem soll es -wenn es zu einem ja für die unabhängigkeit kataloniens kommt- einen verfassungsgebende versammlung u. prozess geben, über deren politischen leitlinien in einem zweiten Referendum die katalanen abstimmen sollen. an diesem punkt wird es interessant werden, welche parteipolitischen und zivilgesellschaftlichen strömungen ihre vorstellungen von regionaler und polit-ökonomischer ordnung in katalonien durchsetzen werden. ein solch basisdemokratischer durchbruch in spanien wäre schön geschichtsträchtig.

ps: das ganze assoziiere ich ein wenig nostalgisch mit der ausrufung einer linken republik in spanien in den 30igern und besonders mit dem aufstand der asturianischen bergarbeiter gegen die rechte regierung im jahre 1934:

"In mehreren Bergbaustädten in Asturien versammelten sich bewaffnete Gewerkschafter. Der Aufstand begann am Abend des 4. Oktober. Die Bergleute besetzten mehrere Städte, griffen die örtlichen Kaserne der Guardia Civil und Guardia de Asalto an und besetzten diese. Am folgenden Tag machten sich mehrere Kolonnen der Bergleute auf den Weg nach Oviedo, der Provinzhauptstadt. Mit Ausnahme von zwei Kasernen, wo die Kämpfe mit den Regierungstruppen andauerten, war die Stadt ab dem 6. Oktober unter der Kontrolle der Arbeiter."https://de.m.wikipedia.org/wiki/Asturischer_Bergarbeiterstreik_von_1934

nungut, der vergleich hinkt mächtig....mir hat es gefallen!

Bild des Benutzers Heinz

Gegen die spanische Zentralregierung muß eigentlich niemand sein; da reicht es, für ein freies Katalonien zu sein. Allerdings sollten die Argumente nicht in der Vergangenheit hängen bleiben, das bindet nur Kräfte. Daß in Katalonien die Bürger*Innen über die Leitlinien der Verfassung selbst abstimmen wollen, gefällt mir als Badener; die Verfassung der Republik Baden von 1919 ist die einzige Verfassung in den deutsche Ländern, über die Bürger*Innen selbst abgestimmt haben.

wird sich spätestens am 1.10. als völlig undifferenziert erweisen. die menschen in spanien/katalonien sind auch in der integrationsfrage, d.h. hinsichtlich des zusammenlebens mit und den erwartungen gegenüber den muslimischen mitbürger*innen, mehr als nur gespalten. der liebe streck sieht und berichtet anlässlich der riesen demo gestern gegen terror in barcelona die sache anders. bleibt im selbstverständlich unbenommen, aber die spannungen zwischen den alteingessesenen und zugewanderten hat sich seit dem jüngsten islamistischen attentat erheblich (in worten und taten) erheblich verschärft. andererseits zeigt die gestrige demo, dass die katalanische bevölkerung stark mobilisierungsfähig und kampfbereit ist. wird wohl der unabhängigkeitsbewegung zum vorteil für ihr anliegen nützen.

kleines, aber interessantes detail hinsichtlich der organisation der gestrigen demo, worauf die katalanische regierung und die linke bürgermeisterin von barcelona (auch auf druck der cup hin) bestanden hat: "Es sollte die Zivilbevölkerung sein, die den Marsch anführen sollte. Feuerwehrleute, Sanitäterinnen, Taxifahrer… alle, die nach den Anschlägen sofort und spontan geholfen haben, trugen das Fronttransparent. Politiker mussten sich weiter hinten einfinden, wie auch der spanische König Felipe und spanische Regierungschef Mariano Rajoy."
https://www.heise.de/tp/news/Barcelona-hat-keine-Angst-3813505.html

schaut euch mal die selbtredenden bilder an. war da auch nicht die rede davon, dass der demonstrationszug nicht von der politischen klasse angeführt werden sollte...

http://www.publico.es/tremending/2017/08/27/atentados-en-catalunya-el-ex...

nun lasse ich euch mal mit der chose in ruhe. es gibt ja auch noch andere wichtige themen. warten wir mal ab, ob es überhaupt zum referendum kommt.

in unserer schule hatten wir auch zwei junge menschen mit muslimischen hintergrund, die sich wie auch immer selbst-/fremdradikalisiert haben. eine schülerin war bei mir im ethikkurs (ist ja ersatzfach für religion). mit geht es vergleichbar wie der spanischen sozialarbeiterin hier, die einen offenen brief zu den attentaten von barcelona und cambrils geschrieben hat. kurz: ich habe nichts mitbekommen bzw. kommen sehen.....

"Kaum in Ripoll angekommen, fing ich mit einer Jugendgruppe an, Kinder aller Altersstufen, die einen passten auf die anderen auf.

"Der Kleinste war ungefähr acht Jahre alt und kam immer an der Hand seines Bruders. Ein wohlerzogener Bruder, schüchtern, liebenswürdig; einer, der gut lernte, ruhig war und der sich in der Schule nie in Schwierigkeiten brachte. Ein Junge, der mir immer aus Beuteln gerösteten Mais anbot oder irgendwelche Süßigkeiten, die er sich kaufte mit dem wenigen Geld, das er hatte. (...) Wir wuchsen zusammen auf und durchlebten Etappen. Ich erinnere mich noch an unsere langen Gespräche im Büro. ,Raquel, ich muss mit dir sprechen…’, dann zogen wir uns zurück und sprachen über die Zukunft. Pilot, Lehrer, Arzt oder Mitarbeiter bei einer NGO wolltet ihr werden. Wie konnte sich das alles in Luft auflösen? Was ist geschehen?

Dies darf nicht bloß eine weitere Geschichte gewesen sein; wir müssen lernen, wir müssen die Welt besser machen (…)

In mir drin bleibt vieles, viele Momentaufnahmen, die ich nie vergessen werde. Said, Moha, Moussa, Youssef, Omar, Younes und jetzt noch Houssin... es ist ein Albtraum, die Liste wird immer länger. Wie kann das sein, Younes? Keiner war so verantwortungsbewusst wie du. Es gibt keine Erklärung für das Unrecht, das ihr begangen habt. Krieg, Zorn und Hass führen nirgendwohin. Niemals, im Namen von niemandem und für nichts. Nicht für Götter, nicht für Fahnen oder eine Religion."
http://www.tagesspiegel.de/politik/terror-in-spanien-offener-brief-an-di...

hat Vorlieben, und dazu gehört wohl auch die katalonische Unabhängigkeit, die in seinen Berichten nicht verborgen bleiben. Und manchmal neigt er durchaus dazu, so wie wir alle, mehr das zu sehen, was er sich wünscht und gut findet als das was real ist. Vermutlich auch in dem von ihnen angesprochenen Beispiel.

Auch mit seiner Einschätzung der Stärke von Podemos lag er - leider- eher falsch.

Aber ich schätze ihn wirklich sehr. Er hat mit seinen detaillierten und kenntnisreichen Berichten über die Jahrzehnte, die ich ihn schon lese, mein Bild von Spanien und den dortigen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen wesentlich geprägt.
Linker Journalismus der besten Sorte.

stimme dir (ist dutzen okay?) sehr zu: "Linker Journalismus der besten Sorte." habe noch zwei leute, die zu spanien auch gutes schreiben. einmal den raul zelik auf seiner website: http://www.raulzelik.net/
und den linksliberalen jairo gomez auf der website "neue debatte": https://neue-debatte.com/2017/07/30/caso-guertel-mariano-rajoy-und-die-k...

mehr von gomez hier eine übersicht: https://neue-debatte.com/author/jairogomez59/

von ihm hat mir dieser sehr persönliche bericht beeindruckt: https://neue-debatte.com/2017/06/28/coming-out-hartz-iv-und-ich/

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Das gilt in gleichem Maße für Deutschland.

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"Es ist eine Tatsache, dass die

 
Revolutionen der Vergangenheit selbst diejenigen überrascht haben, die an ihnen teilnahmen und
die oft aus dem Nichts gekommen zu sein schienen. Frauen, die wegen des Brotpreises auf die
Straße gingen, hätten nie erwartet, dass sie damit einige Monate später den Zar stürzen würden.
Studierende, die in den 60er Jahren in Frankreich dagegen protestierten, wie die Universität
geführt wurde, hätten nie erwartet, Teil einer Millionenbewegung zu werden. Und trotzdem ist
genau das und noch viel mehr in unzähligen Fällen passiert."
 

ralf streckt berichtet heute:

"Wikileaks-Gründer Assange hält das angebliche CIA-Dokument wegen Fehlern für "sehr suspekt" und "modifiziert oder gefälscht", auch der Zeitungsdirektor rudert zurück

Schon kurz nach dem Anschlag auf den Ramblas in Barcelona hatte die Zeitung El Periódico auf seinen Webseiten von einer Warnung gesprochen, die angeblich vom CIA stammen soll, womit die Regionalpolizei "Mossos d'Esquadra" konkret gewarnt worden sei. Die katalanische Regionalregierung hatte schon damals erklärt, das sei unmöglich, da sie keinerlei Kontakt zu Geheimdiensten habe. Denn Informationen von den Diensten erhalten nur die spanischen Sicherheitskräfte.

Längst bekannt ist auch, dass Katalonien nicht einmal Zugang zu Europol-Daten hat und sogar vor den Anschlägen von spanischen Datenbanken abgeschnitten war. Deshalb hatte die Regionalpolizei nicht einmal Informationen darüber, dass der Imam aus Ripoll, der Kopf der Terrorzelle, wegen Drogenhandel vorbestraft war und immer wieder im radikal islamistischen Umfeld aufgetaucht war, weshalb gegen ihn schon ermittelt worden war.

Heute legte die Zeitung nach und erklärte, die angebliche CIA-Warnung stamme vom 25. Mai, dort sei konkret vor einem Anschlag auf den Ramblas in Barcelona gewarnt worden. Der Chef der Zeitung sagt, man habe die Informationen nicht schon vor den Anschlägen veröffentlichen wollen, um keine "unberechtigte Alarmstimmung" zu erzeugen. So rechtfertigt Enric Hernàndez die merkwürdige Vorgehensweise der Zeitung."
https://www.heise.de/tp/news/CIA-Warnung-zu-Anschlaegen-in-Barcelona-gef...

streck schreibt: "Das Gesetz zur Durchführung des Referendums wird aller Voraussicht nach heute im katalanischen Parlament beschlossen". es ist nun mehrheitlich beschlossen worden (allerdings ohne teilnahme der sozialdemokratischen psc und den rechtskonservativen ciudadanos, die die parlamenssitzung unter protest verließen)....schauen wir mal was nun der rajoy und der sog. sozialdemokrat sánchez gemeinsam für schweinereien planen werden (laut el publico wollen sie morgen zusammen kommen).

Entscheidende Stunden in Kataloniens Bruch mit Spanien.https://www.heise.de/tp/features/Entscheidende-Stunden-in-Kataloniens-Br...
Spanien unter Zugzwang?
http://www.deutschlandfunk.de/katalonien-und-die-unabhaengigkeit-spanien...

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Halte uns, halte mich auf dem Laufenden Jose.

Insbesondere, weil meinerseits, über die nächsten Wochen das Interesse und die Möglichkeiten zur Information etwas beschränkt sein könnten.

werner und dir bewegte tage in ramstein und lasst euch nicht "verprügeln".

wie ich im obigen kommentar bereits berichtet habe, ist das referendumgesetz mehr oder minder von den befürwortern im katalanischen parlament beschlossen worden. dazu die tageschau heute: "Elf Stunden dauerte die Debatte im Parlament von Barcelona: Die Opposition aus Konservativen, Sozialisten und Liberalen forderten die separatistische Regionalregierung immer wieder auf, ihr Vorhaben nicht umzusetzen. Doch die Befürworter einer Unabhängigkeit von Spanien haben die Mehrheit im Parlament. Und so verkündete Parlamentspräsidentin Forcadell am späten Abend: "Das Gesetz für ein Unabhängigkeitsreferendum ist mit 72 Stimmen angenommen, 0 Gegenstimmen, 11 Enthaltungen."

"Beobachter erwarten, dass das spanische Verfassungsgericht das geplante Referendum in Katalonien in Kürze für illegal erklären wird. Die katalanische Regionalregierung hatte jedoch schon mehrmals erklärt, dass sie sich an ein solches Urteil aus Madrid nicht halten will. Man habe schon alles vorbereitet - Stimmzettel, Wahlurnen - und werde die Volksabstimmung starten, am 1. Oktober."
https://www.tagesschau.de/ausland/katalonien-179.html

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Wichtiger, als die Abstimmung und die Wahlurnen, sind die Institutionen. Darum wird eine Regierung der Katalanen zuerst die gesamte Verwaltung durchforsten müssen und vor allem die Geldflüsse nach Spanien kontrollieren.

ich halte zunächst eine demokratische abstimmung auf völkerrechtsmässig legitimierter basis (und durch das selbstbestimmungsrecht der völker ist für mich das referendum legitimiert) zur loslösung von spanien für unabdingbar. nun wird es am 1.10. darauf ankommen, mit welcher eindeutigen stimme die katalanen den demokratischen bruch mit spanien besiegeln werden.
schauen wir mal wie die technische durchführung der abstimmung aussehen wird, wenn rajoy von einem "staatsstreich" schwafelt und mit allen mitteln bekämpfen will. vielleicht sollten internationale wahlbeobachter nach katalonien gesandt werden, damit es zu einer regulären und friedlichen abstimmung in katalonien überhaupt kommen kann. die lage ist extrem spannungsgeladen, da beide seiten auf machtdemonstration und ja auf verhandlungen verzichtet haben (für letzteres meine ich ist nun der zug abgefahren).

leider haben sich auch fortschrittliche kräfte wie podemos (bis auf den antikapitalistischen flügel bei podemos) und die sanchez-psoe auf die seite der pp zentralregierung geschlagen (heute treffen sich sanchez und rajoy). zudem ist gestern bei der parlamentsdebatte das katalanische linke bündnis aus comun, iu,podemos und linksgrünen auseinandergebrochen. für mich wird es unübersichtlicher, was auch unwichtig ist. hauptsache die referendumbewegung behält den überblick und die kontrolle über das geschehen.

zu heinz hinweis über institutionelle und haushälterische vorkehrungen nach positiver abstimmung, die wichtig sind. dazu der streck: Katalonien stellt Übergangsgesetz zur Loslösung von Spanien vor
https://www.heise.de/tp/news/Katalonien-stellt-Uebergangsgesetz-zur-Losl...

wird wohl ein sehr heisser herbst in katalonien werden. rajoy setzt nun auf verstärkte repressionen gegen die unabhängigkeitsbewegung, was keinen wirklich überraschen wird: "Medien hatten in den vergangenen Wochen immer wieder berichtet, die spanische Regierung werde notfalls die Polizei anweisen, Wahllokale zu schließen oder Organisatoren eines Referendums festzunehmen.

Die Regierung in Madrid hätte laut Gesetz auch die Möglichkeit, der Region Katalonien die Autonomie abzuerkennen und die Verwaltung zu übernehmen. Diese Option gilt aber als unwahrscheinlich. Wie erwartet hat Rajoy heute das spanische Verfassungsgericht eingeschaltet und die Richter darum gebeten, das Vorhaben der katalanischen Regionalregierung zu verbieten. Das Gericht dürfte dieser Linie folgen - ein Urteil wird noch im Laufe des Tages erwartet.

Ermittlungen und Anklagen

Die spanische Generalstaatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen gegen die Initiatoren des Referendumsgesetzes in Katalonien in die Wege geleitet. Generalstaatsanwalt Jose Manuel Maza kündigte außerdem an, Anklagen gegen Mitglieder der Regionalregierung vorzubereiten, die das Gesetz unterzeichnet haben. Des Weiteren beauftragte die spanische Justiz die Sicherheitskräfte des Landes, genau zu kontrollieren, ob die katalanische Regierung ein Referendum vorbereitet."
https://www.tagesschau.de/ausland/katalonien-unabhaengigkeit-107.html

und in deutschland und ebenso im rest europa wird die lage in katalonien nicht zu kenntnis genommen....

dazu passend: "PP: Volksabstimmung gilt als Annäherung an "diktatorische und autoritäre Regime"....

https://www.heise.de/tp/features/Gesetz-zum-Unabhaengigkeitsreferendum-f...

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Das ist eine lange Geschichte und kennzeichnet den Obrigkeitsstaat. Die alliierten Staaten hatten 1948 vorgeschlagen, wie Deutschland eine neue Verfassung erhalten soll. Entgegen den Vorschlägen in den Frankfurter Dokumenten gab es KEIN Referendum zum GG. Das sollten insbesondere unsere Kinder und Enkel wissen, um zu verstehen, wie Demokratur in D funktioniert.

hat das spanische verfassungsgericht gestern, dass das referendumgesetz nicht verfassungsgemäss sei und gleichzeitig die durchführung der abstimmung durch gemeindevertreter (alcaldes) und parlamentarier verboten. dessen ungeachtet haben bis spät in die abendstunden die katalanischen gruppen jxsí u. cup die "magna carta" (das übergangsgesetz) beschlossen: mit 71 stimmen wurde die "magna carta" angenommen (10 stimmen dagegen u. keine enthaltung). an der abstimmung haben die parteien c's, psc und pp allerdings nicht teilgenommen.
für interessierte hier einige Inhalte aus dem Übergangsgesetz:
"Vorgesehen ist, dass alle in Katalonien weiter auch ihren spanischen Pass behalten können. Wer Katalane sein will, muss "die spanische Nationalität nicht abgeben", heißt es in Artikel 9. Alle werden Katalanen, die in Katalonien geboren wurden, außer eine Doppelstaatlichkeit wird durch das Heimatland der eingewanderten Eltern verunmöglicht. Wer fünf Jahre in Katalonien gelebt hat oder fünf Jahre dort lebt, hat das Recht auf eine katalanische Staatsangehörigkeit.

Ohne einer Verfassung vorzugreifen, werden die Sprachenrechte gesichert. Um niemanden zu "diskriminieren", werden die katalanische, spanische und die okzitanische Sprache erwähnt, die im Val d'Aran gesprochen wird. Das Tal behält seinen derzeitigen politischen Status, einer möglichen Autonomie, die in der Verfassung verankert werden müsste, wird nicht vorgegriffen.
Katalonien wird weiter die EU-Normen umsetzten und alle neuen EU-Regelungen werden "automatisch" in nationales Recht umgewandelt, denn man geht davon aus, weiter EU-Mitglied zu bleiben.
Zwischenzeitlich, bis die neue Verfassung per Referendum angenommen ist, bleiben die spanischen Gesetze – die nicht im Widerspruch zum Übergangsgesetz stehen - in Kraft, um eine juristisches Chaos zu verhindern. Die spanische Verwaltung wird sofort durch eine katalanische ersetzt..."https://www.heise.de/tp/features/Gesetz-zum-Unabhaengigkeitsreferendum-f...

hier ein spot der cup-fraktion für das referendum. "Der 'Prozess' ist vorbei - jetzt beginnt der Mambo"

https://www.youtube.com/watch?v=ZcaaJ6dGuZs

schauen wir mal wie der tanz auf dem vulkan ausgeht....

wer spanisch kann, dann hier mal einige ausschnitte aus dem übergangsgesetz lesen. el publico hat auszüge veröffentlicht (auf einige habe ich bereits hingewiesen). eins steht fest geschrieben im übergangsgesetz: "constituir Catalunya como República de Derecho, democrática y social." Katalonien soll also eine rechtsstaatliche, demokratische und soziale Republik werden.

http://www.publico.es/politica/ley-fundamental-carta-magna-provisional-r...

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Katalonien schafft mit dem Referendum in der Europäischen Union einen Präzedenzfall, der auf Europa übertragen werden kann. Konkret bedeutet dieser Fall nicht nur Konsequenzen für Spanien, sondern für alle Staaten in Europa. Da sind die Republik Kosovo, vor allem ist da die Republik Krim. Der Status beider Republiken ist völkerrechtlich nicht eindeutig vereinbart.

Vor diesem Hintergrund wird das Verhalten der EU zu verfolgen sein.

über die demokratische rechtmäßigkeit des unabhängigkeitsreferendums in katalonien hier der " UN-Sonderberichterstatter »zur Förderung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung« des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte (UNHCHR), Alfred de Zayas:

"Das Recht der Völker auf freie Bestimmung ist im ersten Artikel des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte [Anm.: Link] sowie im Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte [Anm.: Link] enthalten. Als solches ist das Recht auf freie Bestimmung von besonderer Wichtigkeit, da es den Individuen und den Völkern gestattet, jedes einzelne der in den Menschenrechtsverträgen enthaltenen Rechte in Anspruch zu nehmen. In diesem Sinne werde ich sämtliche Anstrengungen der staatlichen Behörden unterstützen, mit denjenigen in Dialog zu treten, die die freie Bestimmung anstreben und um die Menschenrechte, in Katalonien insbesondere und in Spanien allgemein, zu gewährleisten. In jedem Fall besorgt mich, dass das derzeitige politische Klima in Spanien nicht zu einer Lösung der laufenden Debatte zu führen scheint. Im Geist eines konstruktiven Dialogs über derartige Angelegenheiten möchte ich meine Bereitschaft unterstreichen, die derzeitige Situation im Kontext der Verpflichtungen Spaniens aufgrund der internationalen Menschenrechte zu diskutieren. Alfred de Zayas"
Übersetzung: BBD

Quelle: http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=33733

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Ich mag ein wenig voreingenommen sein, halte aber den "Rechtsweg" grundsätzlich immer für eine Machtfrage.

Justitias Hormonstörungen besorgen zu gern den Machterhalt des Unrechts.

Die Ausübung des 'Recht auf freie Bestimmung' bleibt bei bestehender wirtschaftlicher & politischer Ungleichheit eine nützliche Chimäre der Unterdrückung.

Solange die Macht aus den Gewehrläufen kommt, müssen die Straßen schon verdammt voll werden um ein Gleichgewicht erzielen zu können.

Der Staat Spanien hat sich mit "Antiterrorgesetzen" und militanter Büttelei deftig verbunkert - nicht zuletzt auch mittels francistischer Tradition.

Sich also nicht verarschen lassen, kräftig weiter so: bis zur Autonomie auch der kleinsten Gemeinde.

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Erinnert sei an die Exodus und bemerkt sei die aktuelle Ausstellung:

Erinnerungen an die "Exodus"-Affäre

damit meine ich die "linke" stadt barcelona unter der tollen bürgermeisterin ada colau, scheint vor dem hintergrund der (tsunamieartigen) klagewellen und anderen von der postfranquistischen zentralregierung angedrohten existenzbedrohenden repressalien ein wenig ins stocken zu geraten. die ehemalige linksaktivisten colau befürchtet erhebliche risiken bei der umsetzung des referendums, die sowohl die öffentlichen bediensteten in den rathäusern als auch die zivile bevölkerung in barcelona gleichermassen betreffen könnten. deshalb hat sie sich an den präsidenten der "generalitat" in katalonien gewandt, um von ihm auskünfte zu bekommen, welche massnahmen die "generalität" gegen etwaige risikofolgen getroffen hat.http://m.publico.es/politica/2013093/ada-colau-paraliza-la-cesion-de-loc...

zu klarstestellung: die linke bürgermeisterin colau will weiterhin das referendum in barcelona durchführen, hat aber auch fürsorgepflichteten gegenüber ihren mitarbeitern und den einwohnern in barcelona.

zu der tollen frau hier ein guter artikel: Der Spekulantenschreck

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-spekulantenschreck

dazu raul zelik (den ich sehr schätze):

"Die Geschichte der Grünen im Zeitraffer: Ada Colau, die Ex-Hausbesetzerin, Mitgründerin der PAH und Bürgermeisterin von Barcelona, unterwirft sich der spanischen Justiz und stellt keine Wahllokale für das Referendum am 1. Oktober zur Verfügung.
Das alte Lied des Reformismus: Staatsräson und Repräsentation statt Konflikt und Mobilisierung. Hätte ich nicht für möglich gehalten, wie schnell der Opportunismus der Posten alle Bewegungserfahrungen vergessen macht."

ich sehe es nicht so wie der raul zelik, dass sie sich den sog. "sachzwängen" angepasst hat. als bürgermeisterin einer millionenstadt trägt sie schließlich auch verantwortung für die dort arbeitenden und lebenden bürger. ich sehe ihre intervention (siehe oben mein kommentar) eher als taktisches/juristisches manöver, um ihre ermessenspielräume besser ausloten zu können. den "anpassungs- und verratsvorwurf" hat zelik aus meiner sicht zu voreilig getroffen. warten wir doch die nächsten tage erstmal ab....

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Ada Colau steht unter gewaltigem Druck nicht nur wie alle Bürgermeister in Katalonien durch die Drohungen der spanischen Zentralregierung, sondern auch in Katalonien selbst durch ihre angestammten Gegner. Vor diesem Hintergrund halte ich die Kritik von Raul Zelik als nicht nachvollziehbar. Als Politiloge sollte er hinter die vordergründigen Aktionen des Tagesgeschäfts schauen können.

dazu streck heute in telepolis:

"Alle Augen richten sich derzeit auf Barcelona, ob die Bürgermeisterin Ada Colau die Wahllokale zur Verfügung stellt. Dazu wurden längst Falschmeldungen verbreitet. So hatte unter anderem El País am Samstag berichtet, die ehemalige Aktivistin gegen Zwangsräumungen habe sich geweigert, die Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Auf Basis der Falschmeldung der Zeitung, die spanischen Sozialisten nahe steht, berichtete zum Beispiel auch der Deutschlandfunk darüber.

Doch die Meldung ist falsch. Colau hat sich zunächst an die katalanische Regierung gewandt, um Garantien zu fordern, dass auf ihre Beschäftigten nicht auch der spanische Repressionshammer niedergeht."

https://www.heise.de/tp/news/Spanische-Paramilitaers-durchsuchen-katalan...

Wer soll ihr die geben?
Das ist, denke ich, nicht möglich und das Problem, vor dem sie steht, gewaltig.
Sie wird kaum per Dienstanweisung festlegen können, dass die städtischen Bediensteten Aufgaben beim Referendum übernehmen. Stellt man es ihnen frei? Keine Ahnung, was dann passiert.
Spanien wird doch nicht seine Gefängnisse mit kommunalen Bediensteten füllen können.
Oder doch?
Jetzt mal jenseits meiner schon geäußerten Vorbehalte gegen den katalonischen Separatismus. Hast du nicht auch den Eindruck, dass das postfrancistische Spanien zu keinem Kompromiss bereit und in der Lage ist. Sie hätten doch schon vor Jahren im Streit um die Zuweisung von Finanzen, die, so weit ich es weiß, der Region rechtlich zustanden, Entgegenkommen zeigen können.

Weißt du, eine Prognose ist schwer. Aber ich vermute, auch wenn das Referendum nicht verhindert wird und sich eine überzeugende Mehrheit für den Austritt ergibt, wird Madrid erst Recht mit Repression und dann auch unmittelbarer Gewalt reagieren. Ich weiß nicht, ob es dann in Katalonien einen Plan B gibt. Steuerstreik, Streik gegen Institutionen der Zentralmacht, Generalstreik? Wieviele Bürger, die bereit sind in einer Wahlkabine ein Kreuz zu setzen, werden auch bereit sein Gesundheit, Freiheit, Vermögen und unter Umständen das eigene Leben einzusetzen?
Und ist das ein Preis, der für die Unabhängigkeit gezahlt werden sollte?

ob es ein plan b gibt. zumindest ist für eine vorläufige verfassung (magna carta) nach der abstimmung am 1.10 gesorgt. unter anderem werden die zwischenstaatlichen beziehungen zwischen dem spanischen nationalstaat und der neuen katalanischen republik geregelt (darauf habe ich unter übergangsgesetz hingewiesen). ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass der korrupte rajoy nach einer demokratisch und unter internationalen wahlbeobachtern (siehe hier auf englisch https://www.referendum.cat/en/observadors-electorals-internacionals/) durchgeführten abstimmung eine militärische intervention wagen wird. dafür sind die katalanen ähnlich wie die basken ein rebellisches völkchen, die keine auseinandersetzung mit der zentralregierung scheuen (werden) - auch nicht auf der strasse. allein für den morgigen katalanischen feiertag haben sich bis zur stunde 400.000 menschen angekündigt. diese unbeugsame entschlossenheit der katalanen wird "señor" rajoy nolens volens zur kenntnis nehmen müssen...

damit ich nicht mißverstanden werde: ich bin gegen gewaltanwendung auf beiden seiten. aber für einen demokratischen bruch mit dem postfranquistischen regime, so wie es die referendumbewegung transparent gemacht hat. https://www.referendum.cat/en/

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TAZ: Ulrike Guérot: Essay Zukunft der Europäischen Union

Nationalstaaten als Hindernis

Auf den einen Markt, die eine Währung muss die eine Demokratie folgen. Sie muss europäisiert werden, soll das Projekt Europa nicht scheitern.

Das Projekt Europa war zuallererst einmal ein Gegnentwurf zum Real existierenden Sozialismus und ist seit der Züricher Rede von Winston Churchill inhaltlich mehrfach umgestrickt worden. Politiker und sonstige Medienleute vermischen den Begriff Europa gern einmal mit ganz Europa. Solange dies nicht klar formuliert wird, bleibt das Projekt Europa eine Fata Morgana.

Die EU agiert arrogant und regionale Staaten fordern mehr Unabhängigkeit von Brüssel oder von ihren Zentralregierungen; das reicht von der Selbstverwaltung bis zur Autonomie: Ungarn, Polen, Katalanen, Schotten und nicht zu vergessen, die Bayern, Thüringer und Sachsen leben in Freistaaten. Unklar ist allein, was ein eigener Staat oder eine eigene Region selbst organisieren kann. Die bestehenden Staaten Lichtenstein, Monaco, Luxemburg, San Marino, Vatikan und Andorra zeigen praktisch, wie das funktioniert.

Neue Formen mit neuem Inhalt

Eine europäische Demokratie mit einem gemeinsamen Markt, einer gemeinsamen Währung und einer gemeinsamen europäischen Bürgerschaft setzt andere Methoden voraus, als die Nationalstaaten. Insbesondere die fiskalischen und sozialen Verhältnisse sind regional zu regeln und wirksam gegeneinander abzugrenzen. Solange die Nationalstaaten die unterschiedliche Produktivität ihrer Regionan teilweise ausgleichen können, hat der Nationalstaat seine integrale Funktion. Eine Republik oder Konföderation Europa kann diesen Ausgleich aber nicht organisieren. Der Versuch der EU, diese Gleichmacherei via Verordnung durchzusetzen, wie bei der «Krummen Gurke» ist fehlgeschlagen – dieser Versuch hat lediglich die Defizite an Demokratie offen sichtbar gemacht.

Dies würde der Tatsache Rechnung tragen, dass eine Währungsunion de facto schon ein Gesellschaftsvertrag ist, der jetzt nur noch fiskalisch und sozialpolitisch eingebettet werden muss. In einer europäischen Staatsbürgergemeinschaft mag der Begriff der „Nation“ als identitätsstiftender Raum oder für den emotionalen Zusammenhalt noch wichtig sein und seine Bedeutung beibehalten. Als Faktor der normativen Ausgestaltung der europäischen Staatsbürgerrechte wäre die nationale Zugehörigkeit indes unerheblich. Und das wäre das Entscheidende für eine europäische Demokratie. Nein, innerhalb Europas brauchen wir den Nationalstaat nicht mehr!

Leopold Kohr war der Meinung, die EU und der EuroRaum könnten nicht funktionieren, weil die Staaten sehr unterschiedlich groß sind; in den USA funktioniert das alles wunderbar, weil die Bundesstaaten etwa gleich groß sind. Inzwischen wissen wir, daß dies auch in den USA nicht klappt. Der Bund und einige Bundesstaaten sind praktisch pleite.

Eine Republik / Konföderation Europa wird darum weiterhin Methoden entwickeln müssen, die den Bürgern Freizügigkeit und Bürgerrechte in Europa gewährleistet – in ganz Europa. Solange die Produktivität noch sehr unterschiedlich ist, sind die regionalen Belange des Fiskus, der Wirtschaft und des Sozialen zu gewährleisten – der Kultur sowieso.

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......von ungezügelten Kapitalien und deren Anforderungen an ein "schneller-höher-weiter".

Die Reisefreiheit von Individuen findet ihr Ende dort, wo sie die Rendite verhindert.

Die menschliche Freiheit der Entscheidung ist die größte Gefahr für diese "Reisefreiheit der Kapitalien".

Wie willste Mensch schröpfen, wenn du ihm eine Wahl lässt - ihn nicht mit Angeboten umstellst 'die er nicht ablehnen kann', eben denen der umfassenden Schutzgelderpressung der institutionalisierten, internaltionalistischen Gilde der Raubritter?

Bei nüchterner Betrachtung hat Mensch, zu seiner Menschwerdung schon immer nur eine "Wahl":

jetzt heisst es mambo zu tanzen...der katalanische 9/11

"dass der 11. September ein trauriges Datum ist, weiß man in Katalonien seit 300 Jahren. Es war der Tag, an dem Barcelona kapitulierte, nach monatelanger Belagerung durch kastilische und französische Truppen. Damit endete der spanische Erbfolgekrieg, und damit verlor Katalonien, im Mittelalter noch Zentrum eines mediterranen Imperiums, die letzten Reste an staatlicher Eigenständigkeit."

https://www.welt.de/kultur/article132051602/Rajoys-Sturheit-treibt-Katal...

der weiterhin optimistische streck:" Mehr als eine Million Menschen haben deutlich gemacht, dass sie gegen alle Repression am 1. Oktober über ihre Unabhängigkeit abstimmen werden...

zu ada colau: "Fake-News von El País

Wenn ausgerechnet El País nun anklagt, dass die katalanische Regierung die Katalanen "bedrohe, betrüge und belüge", ist mehr als dreist. Gerade musste El País zurückrudern, weil die Zeitung die Leser und die halbe Welt belogen hat. Denn ihre Meldung, dass Barcelona die Teilnahme am Referendum verweigert habe, war nichts anderes als eine Fake-News der größten spanischen Zeitung, die immer stärker ihr früheres Renommée einbüßt.

Ohne eine Gegendarstellung zu bringen, titelte die Zeitung, die den Sozialdemokraten nahe steht, während der gestrigen Diada mit einem Zitat der Bürgermeisterin Ada Colau. Die erklärte unzweideutig: "Wir werden alles tun, damit die Bevölkerung am 1. Oktober abstimmen kann." Eigentlich hat die ehemalige Anführerin der Empörten-Bewegung ihre Position nicht geändert.

Sie hat das immer vertreten, aber von der Regionalregierung "Garantien" gefordert, dass nicht auch die Beschäftigten ihrer Institution kriminalisiert werden. Auch sie hatte die Bevölkerung in Katalonien zur Teilnahme an den Demonstrationen aufgerufen, da Katalonien das Recht habe zu entscheiden und gehört werden müsse. Sie ist im Gespräch mit der katalanischen Regierung und es zeichnet sich eine Lösung ab, damit auch die 1,6 Millionen Katalanen der 7,5 Millionen Hauptstadt-Bewohner am 1. Oktober abstimmen können. Vermutlich werden Freiwillige, die sich zu Tausenden einschreiben, um das Referendum durchführen zu können, die Abstimmung in den üblichen Wahllokalen oder anderen Räumen der Stadt garantieren, aber keine Beamten und Angestellten."
https://www.heise.de/tp/features/Katalonien-hat-auch-keine-Angst-vor-Spa...

Bild des Benutzers Heinz

 



Spiegel Online Interview: 

Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien "Rajoy hat jede Kompromisslösung blockiert"

«Kraus: Eine konstruktive Lösung wäre aus meiner Sicht denkbar, wenn sich die Europäische Union in Form eines Schiedsrichters vermittelnd einschaltet und Spanien und Katalonien so an einen Gesprächstisch bringt. Dann wäre vielleicht ein Dialog über Lösungen möglich - die reichen von mehr Fiskalautonomie bis zu einem Referendum. Aber die EU ist selbst gerade nicht in bester Verfassung und ich sehe keine große Bereitschaft, hier die Initiative zu ergreifen.»

Die Formulierung: «Aber die EU ist selbst gerade nicht in bester Verfassung und ich sehe keine große Bereitschaft, hier die Initiative zu ergreifen,» ist stark untertrieben. Die EU ist gar nicht in der Lage und auch nicht bereit hier vermittelnd zu moderieren:

  1. Die EU selbst hat Problemfälle an der Backe, die zur Zeit nicht lösbar sind, ohne eine grundlegende andere Politik für Europa zu entwickeln – Brexit, Schottland, Kosovo, Ukraine und Krim.
  2. Die EU besteht aus der Kommission, dem Parlament und dem Ministerrat. Das Parlament ist ein Zahnloser PapierTiger, die Kommission kann ohne den Ministerrat gar nichts tun.
  3. Die gesamte Konstruktion der EU steht zur Zeit unter Kritik und ist zu reformieren.

Da wird sich die EU nicht auch noch einen weiteren Konflikt durchs Knie schießen wollen.

heisst die hörsendung im wdr: "Als 1989 der Eiserne Vorhang fiel, feierte ganz Europa den Sieg von Freiheit und Demokratie. Jetzt blickt man erstaunt auf einzelne europäische Staaten, wo Grundrechte plötzlich eingeschränkt sind und demokratische Prinzipien in Frage gestellt werden." http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/tiefenblick/download-europa-demo...

auch mit raul zelik gibt es im rahmen der obigen reihe einen hörbeitrag , der am 17.09. gesendet wird:

Katalonien - raus aus Spanien? (3/4) - 17.09.2017

http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/tiefenblick/download-europa-demo...

Bild des Benutzers Heinz

Von den nationalen Zentralregierungen werden sie als Separatisten beschimpft, tatsächlich emanzipieren sich die Regionen gegen Bevormundung. Wo beide sich an einen Tisch setzen und gemeinsam eine Lösung finden, funktionieren Selbstverwaltung und der gemeinsame Staat als Bündnis weiter. Andernfalls zerfallen die Staaten.

Wikipedia: Liste derzeitiger Sezessionsbestrebungen in Europa

Ebenfalls lesenswert, der Freitag: «Ein Feld für eine Welt»

Gegen katalonischen Separatismus zu argumentieren ist angesichts der Unapetitlichkeit der postfrancistischen spanischen Zentrale besonders schwer. Und im Chor derer, die sich für die Unabhängigkeit der Region einsetzen, sind tatsächlich viele Stimmen zu vernehmen, die einen emanzipatorischen Anspruch deutlich werden lassen. Nur nebenbei: Ich fürchte deren tatsächliche Stärke wird zur Zeit durch uns überschätzt. Ähnlich wie in der Nelkenrevolution dereinst in Portugal.
Wissen Sie, ich bin kein "Linker" in diesem neumodischen Verständnis des Begriffs als Verteter für alles Gute und Schöne, welches bei Bedarf auf Facebook frei definiert und lautstark verkündet wird. Ich bin, so altmodisch es daherkommen mag, Marxist und als solcher fest davon überzeugt, dass menschliche Gesellschaft durch die Art, wie sie sich reproduziert, konstituiert wird, dass sich dies "hinter dem Rücken der Produzenten, von diesen unverstanden" durchsetzt und eine Aufhebung dieser Knechtung unter als geradzu "natürliche" verstandene Zwänge nur denkbar ist, wenn dies verstanden wird.
Weniger veschwubbelt ausgedrückt: Ich nenne es noch immer Kapitalismus.
Und da selbst die gewaltigen Katastrophen den letzten Jahrhunderts und die nahenden zeigen, dass dieses Verständnis nicht größer wurde, wird es wohl nie passieren. Ich glaube, das es nicht möglich ist, die Funktion menschlicher Gesellschaft durch das Lesen der Zeitung zu ergründen. So wenig, wie man Gravitation durch Blicke in der Sternenhimmel versteht.

Wenn dem aber so ist, wie ich es beschreibe, wird man feststellen, wie man es immer an anderen Stellen erfuhr, dass diese Separationen die alte Scheiße in einem neuen nationalen Gewand fortführen werden.
Da meine 2000 Zeichen hier enden, kann ich die These Robert Kurzˋ vom Weltbürgerkrieg nicht mehr argumentieren. Zuehmend habe ich ein Gefühl davon, wie Recht er hatte. Alle fallen übereiander her. Jeder gegen jeden....

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trägt durchaus eine gewisse Ambivalenz in sich.

Während der Alte oft durch ethnischen Nationalismus, wahlweise die Religion(en) getrieben war, so kommt der Neue ganz ohne diese folkloristischen Elemente aus. Und das Grundübel, welches man mit Kapitalismus und Neoimperialismus beschreiben kann, das gerät sogar bei manchen (neuen) Linken mittlerweile aus dem Blick.

Wäre interessant zu verstehen, was die neue, systemfromme, antiseparatistische, EU-konforme Linke hierzulande von der separatistischen Linken in Katalonien unterscheidet; oder was sie eint. Beiden dürfte das emanzpatorische, mehr noch das anarchistische Element vollkommen fremd sein.

Globalen Neoliberalismus dagegen, die Zerschlagung alles Solidarischen, alles Kollektiven wird man bestenfalls reparieren wollen.

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Mit der Bezeichnung: «Ich bin ein Marxist,» sagst du genau so viel aus, wie: «Ich bin ein Linker.» Auch bei den Marxisten gibt es sehr viele verschiedene Strömungen. Eine klassenlose Gesellschaft streben viele an.

Josef Wolgo sagte einmal: «Wir haben nur noch zwei Klassen, die Arbeiter und Bauern als die werktätige Klasse und die Intelligenzia. Die Klasse der Bürger haben wir überwunden.» Offensichtlich zählte der sich zur Intelligezia und berufen, die Arbeiter und Bauern zu drangsalieren – und Andersdenkende in den Gulag zu schicken.

Eine klassenlose Gesellschaft ist nicht gleich, sondern der Einzelne hat unterschiedliche Funktion. Diese Funktion ist in jeder Gesellschaft gebraucht, damit die Gesellschaft funktioniert. Das kann eine anarchistische Gesellschaft sein, oder eine demokratische. Fakt ist: «Mit größer werdender Struktur nimmt die Herrschaft zu.» Der Separatismus ist darum der Versuch sich von der großen Struktur zu emanzipieren und selbst (überschaubarer) zu organisieren. Dafür brauche ich keinen Ismus. Wenn du einen Ismus brauchst, wie wäre es mit: «AntiGroßIsmus.»

Zweifelsfrei reduziert der ungebremste Kapitalismus die Kaufkraft der Gesellschaft und zockt sie ab für eigennützige Ziele – da kennt die Gier keine Grenzen. Aufgabe der politischen und sozialen Gesellschaft ist darum, diesen Bestrebungen der kapitalistischen Gier wirksame Rahmenbedingungen zu setzen, damit der Kapitalist nicht den Ast absägt, auf dem er sitzt. Das bedeutet, seine Funktion als Organisator wird in einer Gesellschaft gebraucht, muß aber kanalisiert werden.

Der Buddha sagte: «Wenn du die Wahl hast zwischen verschiedenen Wegen, wähle den mittleren.» Ich bin darum kritischer Rationalist und will alle Talente einer Gesellschaft und niemanden ausschließen; aber im Dienste der Gesellschaft.

Nee, ich sage schon, und dass in der gebotenen Kürze, die die 2000 Zeichen gebieten, was ich zunehmend sogar richtig gut finde, da es zur Konzentration zwingt, etwas mehr. Ich darf mich selbst zitieren?

" ...fest davon überzeugt, dass menschliche Gesellschaft durch die Art, wie sie sich reproduziert, konstituiert wird, dass sich dies "hinter dem Rücken der Produzenten, von diesen unverstanden" durchsetzt und eine Aufhebung dieser Knechtung unter als geradzu "natürliche" verstandene Zwänge nur denkbar ist, wenn dies verstanden wird."

Ja, mit Klassen und Klassenkampf und so war auch mal was. Das ist aber nicht mein Thema und wird es bis auf weiteres auch nicht mehr sein.

Bild des Benutzers Heinz

Offensichtlich ist es üblich, diese Zitate im Original zu zitieren und offensichtlich sind sich die Zitierer darin einig, daß diese Zitate auch überhaupt nicht übersetzt werden dürfen, damit die Mehrheit sie unter gar keinen Umständen versteht.

Das Zitat, so kurz es ist, hat einen FleschWert von 9

muss ich zugeben, dass ich Ihre Antwort nicht mal andeutungsweise verstehe.
Sorry

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Hegel und Marx haben sehr unverständlich geschrieben, das war damals vor 200 Jahren offensichtlich so üblich. Hegel kommt regelmäßig auf enen Lesbarkeitsindex zwischen 20 und 30.

Testen Sie Ihren Text!

Lesbarkeitsindex

Es gibt verschiedene Indizes, um einen Text zu bewerten. Auf unseren Schulen lernen wir, uns von den «Unteren Schichten» durch Sprache und Schrift abzusetzen und bekommen dafür gute Noten. Dumm ist nur, daß wir uns damit in Klassen bewegen, die durch Sprache und Schrift einen großen Teil der Gesellschaft einfach ausschließen – und wir merken das nicht einmal.

 

Ich habe aber nicht an Klassen oder Schichten sonder an Sie geschrieben.
Das ist mir jetzt einfach zu weit hergeholt.
Schönes Wochenende noch

Bild des Benutzers Heinz

Offensichtlich verwechselst du mich mit einem linken Syntaxakrobaten. Auch ein rechter Schachtelsatzkonstrukteur will ich nicht sein. Beides führt in die Irre. Eher trifft ein rationaler Kritiker zu.

ist in so fern ausgeschlossen, da ich mir keine Gedanken darüber machte, wer oder was Sie sind.

Nur ist mir Ihr Anliegen noch immer nicht klar geworden. Wollten Sie zum Ausdruck bringen, dass Sie den umstrittenen Satz nicht verstanden haben? Das hätte man kürzer haben können. War es Ihnen ein Anliegen, das fehlende Verständnis zu erlangen? Dann können wir das gemeinsam gern diskutieren. Mit mir ohne jeden Vorbehalt.

Wollten Sie zum Ausdruck bringen, dass es Ihnen die Mühe nicht wert erscheint? Akzeptiert, wenngleich das auch kürzer zu haben ist.

Wenn Sie lediglich verkünden wollten, was Sie sind und nicht sind - ok, das haben Sie nun getan und jeder, den es interessiert, weiß es jetzt.

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Das erschließt sich aber vorwiegend im persönlichen Gespräch.

Nur so interessehalber.........

habe aber auch keine berührungsängste gegenüber kommunisten/sozialisten. im gegenteil: mit ihnen teile ich als irgenwie erratischer "linker" viele gemeinsamkeiten. insofern sollten "wir" mehr darüber nachdenken, wo es im politisch-ökonomischen kampf um bessere lebens-natur-verhältnisse einen verbindenden minimalkonsens gibt, um solidarisch als vielfältige linke bewegung die herrschenden klassen und ihre lautsprecher im parlamt zu schlagen. ich würde es mir sehr wünschen - und zwar trotz meiner bisher gemachten negativen erfahrungen mit dogmatischen linken gruppierungen.

vielleicht hast du im gegensatz zu mir im zusammenhang mit dem seperatismus recht, wenn du schreibst: "diese Separationen die alte Scheiße in einem neuen nationalen Gewand fortführen werden." im grunde genommen wissen wir es beide nicht. es mag naiv klingen, aber ich würde mir ein linkes projekt in katalonien wünschen (mit der antikapitalistische cup und katalanischen podemos). zumindest sollten die bürger in katalonien darüber volksdemokratisch abstimmen dürfen.

auf diesen artikel habe ich an anderer stelle hingewiesen, aber er passt auch zu dem von mir gesagten bzw. zu unserem kurzen austausch hier. Immanuel Wallerstein: Das Dilemma der radikalen Linken.
https://www.rubikon.news/artikel/das-dilemma-der-radikalen-linken

zu robert kurz habe ich keine meinung, da ich von ihm bisher nichts gelesen habe. glaube aber, dass einige der autoren in "streifzügen" im sinne von kurz schreiben und argumentieren. zumindest finde ich diese seite für mich lesenswert, wenn ich auch nicht immer alles wirklich verstehe.

Hallo Jose,

deine Beobachtung zu den Streifzügen ist sehr zutreffend. Franz Schandl, Petra Ziegler und habe ich im im Kontext der der Krisis-Gruppe von Kurz kennengelernt. Aber dieser Zusammenhang hat sich schon vor Jahren aufgeteilt, zerstritten und atomisiert.
Irgend wie auch beispielhaft. Wir erträumen uns eine solidarische Welt und schaffen es nicht mal unter uns par Hanseln Streit solidarisch auszutragen.

Selbstverständlich bin ich auch für dafür, dass die Abstimmung stattfindet und dass die Katalanen selbst entscheiden können. Das ist vollkommen unabhängig von meinen Erwartungen, was bei einer erfolgreichen Separation geschehen würde. Und noch mehr wünschte ich mir, dass mein im Laufe der letzten Jahre ständig gewachsener Pessimismus sich heftig blamiert.
Es ist nun nicht so, dass sich meine Aktivitäten in dieser Zeit auf das Schreiben besserwisserischer Posts beschränkt hätte. Mag sein, dass alles, was man gedacht und geglaubt hat, falsch war. Vielleicht wissen die, die jetzt wirklich politisch aktiv sind, es besser, haben mehr Mut und die besseren Ideen. Vielleicht sind das die katalanischen Aktivisten Gemeinsam mit allen anderen spanischen fände ich noch besser.
Und dann wäre es ziemlich egal, was ich glaube. Und wie sehr wünschte ich mir, Unrecht zu haben....

Gruß Robert

"Wir erträumen uns eine solidarische Welt und schaffen es nicht mal unter uns par Hanseln Streit solidarisch auszutragen." ob es nur den eitelkeiten, führungssucht oder anderen menschlichen charakterschwächen geschuldet ist, dass weiß ich nicht. wie auch in diesem fall fehlt es an gelebter (nicht nur predigender) solidarität. ach was, da reicht schon anstand und fürsorge.

"Krieg in den eigenen Reihen
Monty Schädel ist einer der bekanntesten deutschen Friedensaktivisten. Nun hat sein Pazifistenverband ihm gekündigt – nach einem Herzinfarkt."http://www.taz.de/Arbeitnehmerrecht-beim-Friedensverband/!5443173/

ich finde nicht die abschliessenden worte....

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Dieses Trauerspiel geht mir seit 40 Jahren auf den Keks - dabei sind wir alle daran beteiligt.

Wie kommen wir aus dieser unwürdigen - allein dem status quo dienenden - Nummer endlich heraus?

Garantiert nicht durch wechselseitiges, persönliches beleidigt sein.........

ich meine diese annahme bzw wunschdenken von dir:" Vielleicht wissen die, die jetzt wirklich politisch aktiv sind, es besser, haben mehr Mut und die besseren Ideen. Vielleicht sind das die katalanischen Aktivisten Gemeinsam mit allen anderen spanischen fände ich noch besser." letzteres passiert hundertausenfach nun tag für tag in spanien/katalonien statt. in katalonien läuft gerade ein demokratischer aufstand ab und "die" d-linke verpennt diese einmalige gelegenheit mit breitet solidarität an der seite der aufständischen für soziale und basisdemokratische rechte sowohl hier als dort zu kämpfen...man muss ja nicht gerade internationale brigaden nach katalonien schicken....

beste grüsse

jose

erklären sich zum referendum in katalonien wie folgt: "Am 1. Oktober stimmen wir für die Republik und für den politischen Bruch, um uns den Vorgaben des Staats zu widersetzen und um der katalanischen Rechten zu sagen, dass unsere Zukunft nur das Volk entscheiden wird, weit entfernt von ihrer Taktiererei und Interessen. Am 1. Oktober müssen wir einen neuen politischen und gesellschaftlichen Zyklus des Bruchs konsolidieren, der mit den Kundgebungen des 15M (Bewegung spanischen »Empörten«) begann und der den Zerfall und die Unrechtmäßigkeit eines Regimes offengelegt hat, das nicht einmal mehr seine demokratische Fassade aufrechterhält. Wir können verschiedene Horizonte anstreben. Wir können Föderalisten, Konföderalisten oder Befürworter der Unabhängigkeit sein. Das gemeinsame Ziel der Katalanischen Republik eröffnet unserem Volk die verschiedensten Möglichkeiten. Und es kann auch der Beginn eines republikanischen Prozesses im Rest der Völker des spanischen Staats sein. Dies ist nicht der Zeitpunkt, auf die andere Seite zu schauen. Dies ist der Augenblick des Kampfes für den politischen Bruch.

Pedro Luna und Miguel Ángel Parra

Quelle: Comunistes de Catalunya / Übersetzung; RedGlobe
https://www.redglobe.de/europa/spanien/9706-ein-referendum-fuer-den-bruc...

und zwar von reiner wandler: "Egal wie man zur Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien steht: Was hier geschieht, hat nichts mit der vom konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy proklamierten Verteidigung der Verfassung samt ihrer demokratischen Freiheiten zu tun. Die Politik Rajoys und seiner durch und durch korrupten Partido Popular ähnelt vielmehr einen Konzept von Spanien, wie es bereits die Diktatur unter General Franco hatte. Dass er dabei auch von den Sozialisten unterstützt wird, ist mehr als traurig."

"Dies sollte auch eine Warnung an die Politiker in Brüssel sein. Es geht nicht – wie die EU-Kommission immer wieder erklärt – um einen rein inneren Konflikt Spaniens. Es geht um fundamentale demokratische Rechte."
http://www.taz.de/Kommentar-Kampf-um-Katalonien/!5444813/

wirklich sehr guter beitrag, den "man" entspannt anhören kann (ca. 28 minuten). sein manuskript kann auf dieser seite heruntergeladen werden.:http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/tiefenblick/download-europa-demo...

zudem geht zelik zwar nur kurz auf die idee des "libertären munzipalismus" ein, der in barcelona und anderen "linken" kommunen versucht wird zu "leben", aber hier mehr zu dieser idee von "rebellischen städten":

Vive la commune!https://www.akweb.de/ak_s/ak616/31.htm

nun viel vergnügen:(der direkte link zum hören.)

http://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/podcast/weltweit/fsk0/147/1474461/w...

btw: "aktuell" via facebook von raul zelik :

"Die Guardia Civil ist heute morgen ohne Durchsuchungsbefehl in die Redaktionen mehrerer katalanischen Zeitungen (Punt Avui, Vilaweb, NacioDigital, Llibertat.cat, ElNacional) eingedrungen und hat Personalien festgestellt.
Gleichzeitig mobilisieren die linken, föderalistischen Comunes von Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau seit heute ebenfalls für das Referendum. Gemeinsam mit dem liberalen Ministerpräsident Carles Puigdemont hat Ada Colau an diesem Morgen 700 Bürgermeister/innen in Barcelona empfangen.
Colau: "Es geht nicht um die Unabhängigkeit, es geht um demokratische Grundrechte."

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Es kriselt an allen Ecken und Kanten, aber das soll gefälligst (unter dem kapitalistischen Leichentuch?) verborgen bleiben.

Die zentralistischen Anliegen und ihre Büttelei marschieren (weltweit) gegen jeden Versuch die Selbstbestimmung zurück zu erobern.

heute geht offiziell der wahlkampf für das referendum in katalonien los. der weg dorthin wird steinig und schwer werden: "Die Regierung ging gegen die Website für das Referendum vor und droht, den Strom am 1. Oktober abzudrehen".https://www.heise.de/tp/features/Erkennen-die-USA-ein-unabhaengiges-Kata...
interessanter finde ich den hinweis von streck, dass die usa-administration nicht nur mit dem referendum sympathisiert, vielmehr eine "Katalonische Republik" anerkennen werde: "Die US-Administration stellt praktisch sogar eine Anerkennung eines unabhängigen Kataloniens in Aussicht. So erklärte die Sprecherin des State Department zwar, man werde sich in die inneren Vorgänge "nicht einmischen", aber dann kam der Satz, der in Madrid wie eine Bombe eingeschlagen ist. Heather Nauert fügte an, dass man nach dem Referendum "mit jeder Regierung oder Institution, die daraus entsteht, zusammenarbeiten wird".

Das ist extrem starker Tobak für Madrid, was sich an verschiedenen Reaktionen oder vor allem an den Nicht-Reaktionen ablesen lässt. So fand man auf den Seiten der großen Zeitung El País, die sich bisher in der Frage auch schon mit Fake News einen Namen gemacht hat, bis am späten Nachmittag noch keine Erwähnung. Auch die konservative El Mundo hat offensichtlich massive Verdauungsprobleme. Dort herrscht ebenso Funkstille wie in der rechtsradikalen ABC und sogar im Newswire der deutlich linken eldiario.es wird das nicht erwähnt."https://www.heise.de/tp/features/Erkennen-die-USA-ein-unabhaengiges-Kata...

das wertedemokratische europa schweigt sich immer noch aus...

raul zelik: "Der spanische Staat – und damit sind nicht nur die regierende Partido Popular, sondern sämtliche Institutionen des Verfassungsstaates gemeint – hat mit der Verhaftung von 13 Mitgliedern der katalanischen Regierung am Mittwoch faktisch den Ausnahmezustand verhängt. Mit aller Macht will er verhindern, dass die katalanische Gesellschaft am 1. Oktober über die Unabhängigkeit abstimmt.

Doch die Reaktion der Bevölkerung zeigt, dass es längst nicht mehr um die Frage Spanien oder Katalonien geht. Zehntausende strömten spontan vor den von der Guardia Civil durchsuchten Ministerien zusammen und verhinderten, dass die Verhafteten abtransportiert werden konnten. Die Proteste trugen Züge einer demokratischen Revolution."

Anarchistische Freunde twitterten denn auch: »Menschen in Europa – unterstützt die katalanische Revolution.« Die Nationalfahnen mögen irritieren, aber was in Katalonien stattfindet, ist ein echter Massenaufstand. Ziviler Ungehorsam, Demokratie und Antifaschismus – das sind die Parolen der Stunde in Barcelona."

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1064339.ein-demokratischer-mass...

ergänzend der beircht von streck: Spanische Paramilitärs stürmen katalanische Ministerien...

https://www.heise.de/tp/features/Spanische-Paramilitaers-stuermen-katala...

posting von zelik via facebook: "Der katalanische Ministerpräsident Carles Puigdemont erklärt gerade in der Pressekonferenz (nach der Verhaftung von 13 Regierungsmitgliedern): "Spanien hat die rote Linie überschritten ... Die Autonomie ist faktisch suspendiert, und der Ausnahmezustand verhängt." //
Vor den Ministerien sind so viele Leute, dass die spanische Polizei nach der Durchsuchung nicht wieder rauskann. Die Leute rufen: "Ohne Knarren seid ihr nichts." Auch die föderalistische Linke (Catalunya En Comú) ruft dazu auf, sich an der friedlichen Blockade der gestürmten Ministerien zu beteiligen.//
Währenddessen ist auch in Madrid ein Regierungsmitglied (Rosa Rodriguez, Directora General de la Generalitat) verhaftet worden. 12 weitere in Barcelona, darunter auch die rechte Hand von Wirtschaftsminister Junqueras von der sozialdemokratischen ERC (Esquerra Republicana). //

warum die katalanischen linken für die loslösung von spanien sind. raul zeliks meinung - die ich teile- hier: "Der katalanische Anarcho-Witz der Stunde: »Gehst du wählen am 1. Oktober?« - »Klar, aus Prinzip.« - »Du sagst doch immer, Wahlen wären verboten, wenn sie was ändern würden?« - »Eben.« Tatsächlich wird das vom katalanischen Parlament anberaumte, aber von Madrid verbotene Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober von der Mehrheit der radikalen Linken in der Region aktiv unterstützt. Die antikapitalistische CUP, die die sozialliberale Autonomieregierung von Ministerpräsident Puigdemont toleriert, hatte das Referendum vor einigen Monaten durchgesetzt. Aber auch Podem, die (trotzkistisch dominierte) katalanische Sektion von Podemos, und (mit Ausnahme von Ada Colaus Bündnis in Barcelona) auch die meisten linken kommunalen Listen, die seit 2015 die Bürgermeister_innen in den meisten Städten um Barcelona stellen, organisieren das Referendum mit.

Um diese Position zu begreifen, muss man drei Dinge wissen." http://www.akweb.de/ak_s/ak630/33.htm