7 Jul 2017

Mit harten Bandagen

Submitted by ebertus

Der auch von mir -des Lokalkolorits wegen- immer mal angesteuerte "RheinNeckerBlog" muss um seine Existenz fürchten. Aber der Chef von's Janze hat wohl nichts gelernt; rein garnichts ...

Na klar, Solidarität mit den Kleinen ist oft wesentlich, deren schlußendliche Existenzsicherung. Insbesondere bei der im Umbruch stehenden Medienbranche kloppen sich -wenngleich noch recht dezent- mittlerweile auch die Großen untereinander; bevorzugt jedoch geraten die Kleinen, die Underdogs ins Visier der mit offensichtlich noch  genug Kapital ausgestattenen Platzherren.

Aktuell berichtet der Blog-Chef  von einer Auseinandersetzung mit dem Mannheimer Morgen (MM), die bei einer Niederlage vor dem Oberlandersgericht in Karlsruhe das Ende des Blogs bedeuten könnte. So wie ich es verstehe, hat der redaktionell verantwortliche Hardy Prothmann gegenüber dem MM eine Tatsachenbehauptung aufgestellt -man lese gern selbst die verschiedenen Links- für deren Richtigkeit er nun Beweise liefern muss.

Ok, auch wenn mir der Hintergrund des konkreten Streitfalles nicht im Detail geläufig ist, so gibt es meinerseits dennoch gewisse (Lese)Erfahrungen nebst unbeantwortet gebliebener Mail mit eben diesem Chef des Blog, dessen Art zu formulieren, gar zu provozieren. Zum Auftakt lese man den hier verlinkten Text; lasse dieses Klagelied auf hohem Niveau auf sich einwirken - welch ein branchentypisch toller Hecht der Hardy Prothmann doch ist. Genau diese Art eben -so wollte mir immer mal scheinen- Kritik und Kritiker abzubügeln, eine oft sehr persönliche Meinung als die Blattlinie darzustellen.

Und dann schreibt der Autor noch ganz entrüstet, dass er natürlich keine Rechnung (kompletter Quatsch) mit dem Mannheimer Morgen offen hätte; ist wohl eben seine Art von Journalismus; da kann er garnix für. Mir ist diese, seine Art zu formulieren immer mal negativ aufgefallen, erst kürzlich und einmal mehr, als Prothmann über viele, viele Beiträge hinweg sich den Xavier Naidoo und dessen Söhne zur Brust nahm. Der Reichsbürger-Säusler Naidoo ist ein Problem schreibt Prothmann, wobei das "Problem" weniger eine Tatsachenbehauptung, denn eine von der journalistischen Meinungsfreiheit gedeckte Meinung darstellt. "Reichsbürger" hat dagegen schon eine etwas andere Qualität, wenngleich auch dieser gern und in der Regel diffamierend eingesetzte Begriff bislang keinerlei formalrechtlich definierte Relevanz besitzt, dem Hardy Prothmann daher eine Klage durch Naidoo erspart bleiben dürfte.

Als Banause in Sachen Kunst und Kultur musste ich jedoch über den Begriff vom "Säusler" dann wirklich schmunzeln, scheint mir das nun eine sehr persönliche, sehr subjektive, alle dahingehend objektiven Tatsachen negierende Meinung des Blog-Chef zu sein. Einer wie Naidoo, der Konzertarenen fast beliebiger Große füllt, der Millionen an Tonträgern verkauft, mit dessen Namen sich auch seine Heimatstadt Mannheim gern verbindet, sich andere kulturpolitisch relevante Events ebenso gern schmücken;

der darf sich vom Qualitätsjournalisten Prothmann als Säusler attributieren lassen. Skurril, aber natürlich durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Ja, ich fühle mich in Sachen einer künstlerischen Bewertung weitgehend unschuldig; ganz im Gegensatz zu einem mir nahestehenden Familienmitglied. So war und ist die Musik von Naidoo nicht wirklich mein Ding. Der Sänger -und dann noch mit Migrationshintergrund- kam erst via Jürgen Todenhöfer als Unterstützer eines Naidoo-Songs auf meinen gesellschaftspolitischen Radarschirm, passte überhaupt nicht in die sonst gebetsmühlenhaft verbreiteten Attribute der Guten.

Kommentare

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dieser doch sehr aktuelle Artikel in der taz.

Die Überschrift vom "Schreiben unter Todenhöfer" widerlegt der Artikel gleich selbst; nimmt doch der neue Herausgeber bislang kaum Einfluss; wird dieses "kaum" im Verlauf des Textes nicht weiter konkretisiert.

Stattdessen kommen die üblichen Versatzstücke in Sachen neurechter Anschlußfähigkeit. Alles nicht strafbar, bemerkt der dahingehend schon beinahe hilflos dahinschreibende taz-Autor. Ergo und wie oben im Blog erwähnt, kloppen sich die Großen der Branche bislang noch sehr dezent, darf zweite Reihe dagegen schon mehr mit Dreck schmeißen.

Gerade die olivgrüne taz, der transatlantisch eingenordete runner-up in Sachen Russland-Phobie ...

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der Chef von's Janze ...

Jetzt will er sogar noch Kohle sehen, für sein oben verlinktes Klagelied. Wenn man aktuell den ersten Link ansteuert, dann ist dieser Text nun hinter dem Paywall verschwunden; soll 39 cent kosten. Nicht die Welt, dennoch zum Schmunzeln ...

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Der RheinNeckarBlog war vor Gericht weitgehend erfolgreich, kann weiter existieren.

Und wie eingangs des Blog hier geschrieben, ist die Solidarität mit den Kleinen ein Teil derer Existenzsicherung. Insofern bleibt mir nur die Hoffnung, dass Hardy Prothmann in Zukunft etwas zurückhaltender formuliert, den Sachinhalten Vorzug gegenüber plakativen Äußerungen oder gar eigener Befindlichkeit gibt.

Denn es dürfte vollkommen klar sein, dass die nach wie vor Großen auch weiterhin auf jede (vermeintliche) Schwäche der neuen, kleinen Konkurrenten mit Härte reagieren, ihr eigenes Geschäftsmodell insgesamt bedroht ist.