22 Sep 2017

Nachtrag zu Ramstein

Submitted by Redaktion

Einige Termiten saßen nach der Ramstein-Demo im Eiscafe zu Miesenbach und lernten dort einen Mitstreiter kennen, der über mehrere Tage an verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen der Demo-Woche teilgenommen hatte. Hier sein Bericht für den Berliner Gesprächskreis der Nachdenkseiten.

Von Bernd Kalweit (mit freundlicher Genehmigung des Autors)

Liebe Nachdenkende,

leider kann ich an diesem Termin nicht teilnehmen, weil ich mich schon für eine andere Veranstaltung eingetragen habe. Ich habe selbst an der Friedenskonferenz in Ramstein teilgenommen, würde darüber auch gerne berichten, aber manchmal widersprechen sich die Dinge. Die Rede von Eugen Drewermann war zweifellos der emotionale Höhepunkt der Friedenskonferenz, die die Teilnehmer mit Energie aufgeladen hat. Bloß jetzt müssen wir in die Niederungen des Alltags zurück und haben uns mit den Mühen der Ebene auseinanderzusetzen. Das Ergebnis der Bundestagswahlen wird wahrscheinlich erst einmal für einen Dämpfer sorgen.


Bisweilen habe ich den Eindruck, dass wir die Trennung zwischen Ost und West nach wie vor erleben. Da ist die aus den Fugen geratene Welt des Eugen Drewermann, die nach Veränderung schreit und die Welt der Angela Merkel, die leicht besorgt zufrieden in die Zukunft taumelt. Das ist ohne schizophren zu werden nicht leicht zu ertragen. Die Inhalte der Reden stehen Euch ja in vollem Umfang zur Verfügung, dass ihr gut darüber diskutieren könnt.


Als Ramstein Teilnehmer kann ich die Sache auch etwas kritisch betrachten. Das muss aber mit anderen Leuten besprochen werden. Die Dichte der Aktionen war etwas zu umfangreich. Zwar muss man nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen, aber auch schon bei der Friedenskonferenz (Internationaler Kongress zu Militärbasen und ihre geostrategische Bedeutung für weltweite Kriege) stand das Programm nicht mit der zur Verfügung gestellten Zeit in Übereinstimmung. Das war zum Teil sehr schade für die Referenten, die gut vorbereitet zur Konferenz kamen und ihre Beiträge nicht oder nicht vollständig halten konnten.


Was mich als Newcomer anbetrifft war ich überrascht, in welchem Umfang Militärische Aktivitäten der Amerikanischen Freunde mit uns als ihren Nato Verbündeten im Großraum um Kaiserslautern stattfinden. Wenn man schwarz sieht könnte man das als Kriegsvorbereitung missverstehen. So werden zum Beispiel Panzer aus dem Wüstenkrieg umgespritzt, um in den Ukraine gerechten Tarnfarben grün schwarz eingesetzt werden zu können. In einer Beratungspause habe ich mit Reiner Rupp gesprochen und nach seiner Einschätzung gefragt. Er war ja schließlich mal im Stab der Nato tätig und kennt zumindest die damaligen Denk- und Verhaltensweisen dieser Strukturen. Er sieht im Moment noch keine unmittelbare Kriegsgefahr, aber Grund zu Sorge besteht schon. Ab kommenden Jahr sollen (auch die Deutschen) Nuklearstreitkräfte modernisiert werden. Das würde atomare Präzisionserstschläge gegen russische strategische Atomanlagen ermöglichen (Enthauptungsstrategie).


Ich denke, da der Sozialismus als Systemalternative vom Tisch ist entfalten sich wieder die ganz normalen imperialen Widersprüche, die dem kapitalistischen System eigen sind. Und die sind offenbar noch schwerer zu kontrollieren als es der globale Systemkampf war.


Am ersten Tag der Friedenskonferenz wurden die Stützpunkte der Amerikaner, speziell natürlich Ramstein und Umgebung - gigantisch - und alles was man darüber weiß, vorgestellt. Die Granden Fee Strieffler und speziell Wolfgang Jung haben mit ihrer exzellenten Detailkenntnis einen interessanten Vortrag gehalten. Man kann nur wünschen, dass sie uns noch eine Weile erhalten bleiben.  Die sowohl internationalen, als auch deutschen rechtlichen Hintergründe für ausländische Militärbasen hat der Vorsitzende der IALANA Deutschland, RA Otto Jäckel, in einem zweiten Vortrag erläutert.  Die Gretchenfrage ist, gibt es eine Option, aus dem Ramstein Vertrag herauszukommen? Natürlich hat das auch eine nicht zu unterschätzende politische Dimension. Die Ansprache von Ann Wright, die aus gegebenem Anlass leider nicht anwesend sein konnte, wurde auf dass Abendprogramm (Vorträge Drewermann, Ganser) als Video Konferenz verschoben.


Am zweiten Tag bekamen ausländische Gäste ein Forum. Teilweise haben sie ihre Vorträge auf deutsch vorgetragen, Respekt! Begonnen hat die Japanische Delegation, vertreten durch Ikuko Ueno (Secretary General of Nago City Peace Committee), die über den lokalen Widerstand der Friedensaktivisten bei der Verhinderung der Errichtung der Marinebasis auf Okinawa informierte. Gerade der asiatische Konflikt ist im Kontext der Korea Krise von besonderem Interesse. Im Grunde der Sache geht es um China. Japan droht ähnlich wie Deutschland seine militärische "Neutralität" zu verlieren. Treiber sind in beiden Fällen die Vereinigten Staaten, die aggressive Gegner herbei diskutieren. Das hat Auswirkungen auf den lokalen Diskurs. Eine Anmerkung von mir, in diesem Zusammenhang ist es nicht unproblematisch, wenn Nordkorea seine Raketen über Japanisches Territorium fliegen lässt.
 

Dann hat Hohyun Choi (Vereinte Volkspartei PUP) aus Südkorea auf deutsch über renitenten Widerstand junger Menschen und staatlicher Gewalt bei der Besetzung einer ehemaligen Schule, deren Territorium für ein Militärobjekt benötigt wurde, berichtet.


Hoch interessant war der Vortrag von John Lannon (IAMW) aus Irland, der darüber berichtete, dass der ursprünglich als Zivilflughafen konzipierte überdimensionierte Flughafen von Shannon heimlich zu einen militärischen Drehkreuz für Truppen, aber mittlerweile auch Waffentransporte umfunktioniert wird. Eine Gruppe von Friedensaktivisten beobachtet die Flugaktivitäten in Shannon permanent.
Im weiteren hat Dave Webb (CND) aus Groß Britannien gesprochen und ein Linker aus Estland (auch auf deutsch) ein Statement zu Situation in Estland vorgelesen.


Erfrischend war der Vortrag von Agneta Norberg (Swedish Peace Council), die die Dichte von Stützpunkten und militärischen Aktivitäten insbesondere in Verbindung mit der Satellitenkommunikation in Schweden erläuterte. Militärisch muss man wohl davon ausgehen, dass Schweden nicht neutral, sondern ein geheimes Mitglied der Nato ist. Die Themen der Deutschen Luftwaffenstützpunkte in Büchel und Jagel konnten nur noch angerissen werden. Im Anschluss gab es eine gut halbstündige Podiumsdiskussion mit kurzer Fragerunde mit Claudia Haydt (IMI), Anne Rieger (Bundesausschuss Friedensratschlag) und Reiner Braun.


Dabei wurde auch über Möglichkeiten und Formen der weiteren Arbeit der Friedensbewegung gesprochen. Ein wichtiger Punkt ist die Vernetzung der international stattfindenden Aktivitäten. Der zentrale Punkt ist jedoch die Verbreiterung der Wirksamkeit von Friedensaktivisten, um für diese Themen zunehmend Akzeptanz in der Bevölkerung zu finden. Leider werden die Aktivitäten der Friedensbewegung bisher in den Medien verschwiegen.

Es grüßt Euch freundlich

Kommentare

Bild des Benutzers ebertus

Mit dem Text von Bernd Kalweit mag ich weitgehend konform gehen.

Und was er als sog. Newcomer gerade zur Eifel gelernt hat, welche global positionierten Scweinereien dort durch unsere ziemlich besten US-Freunde unter Billigung jedweder deutschen Regierung stattfinden, das macht mich als beinahe Wahleifeler richtig schmunzelnd.

Klar, das Programm konnte den Spagat zwischen Breite und Tiefe nur schwer adressieren, habe ich bei eigener Teilnahme an derartigen Events oft auch dieses Gefühl. Manches würde ich mir in Vertiefung wünschen, anderes scheint mir vernachlässigbar. Ist aber lediglich meine subjektive Meinung.

"Leider werden die Aktivitäten der Friedensbewegung bisher in den Medien verschwiegen."

Klar, aber umso wichtiger ist es, dass alternative Medien unterstützt werden, ob nun direkt monetär oder durch Teilnahme an den Diskursen und auch in der Funktion von Multiplikatoren. Die Termiten dürfen sich dabei und sehr selbstbewußt wohl ebenfalls als ein kleines Rädchen im alternativen Getriebe betrachten.

Bild des Benutzers fahrwax

Nur wegen der gedanklichen Ordnung (keine Besserwisserei!):

Ramstein = Pfalz (nicht Eifel)

Spangdahlem = Eifel

Bild des Benutzers fahrwax

Denke, wir teilen seine Zusammenfassung:

"Ein wichtiger Punkt ist die Vernetzung der international stattfindenden Aktivitäten. Der zentrale Punkt ist jedoch die Verbreiterung der Wirksamkeit von Friedensaktivisten, um für diese Themen zunehmend Akzeptanz in der Bevölkerung zu finden."

Sicherlich ist auch hier in der Eifel ein riesiger Berg abzutragen, SPANGDAHLEM ist ebenfalls ein, aus Steuermitteln gesponserter, Hort des weltweiten Massenmordes der total verschwiegen und klammheimlich auch vom Boden der BRD aus betrieben wird:

"Auf der Basis arbeiten ungefähr 7000 Amerikaner mit ca. 9000 Familienangehörigen sowie 800 deutsche Angestellte. Hinzu kommen seit 2009 vorübergehend Angehörige der kanadischen Streitkräfte."

Eifel-Air-Base auf Platz eins - Pentagon zeichnet US-Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem aus

 

Pausenlos verdient um die Verbreitung der Abläufe des industriellen Massenmordes macht sich, seit 2004, die LUFTPOST.

Hier nur ein kleiner Auszug der letzten Veröffentlichungen 2017, dort existiert ein riesiges umfassendes Archiv der mörderischen, militaristischen Aktivitäten:

 

LP 155/17 – 22.09.17

Wir veröffentlichen den Vortrag "Air Base Ramstein und das Völkerrecht – Alles erlaubt?", den Rechtsanwalt Otto Jäckel am 08. September 2017 in der Versöhnungskirche in Kaiserslautern im Rahmen des "Internationalen Kongresses zu Militärbasen und ihrer geostrategischen Bedeutung für weltweite Kriege" gehalten hat – mit dem Anschreiben des Autors.

LP 154/17 – 20.09.17

Der Rotationseinsatz der 2. Panzerbrigade der 1. U.S. Infantry Division, welche die derzeit an der Ostgrenze der NATO operierende 3. Panzerbrigade der 4. U.S. Infantry Division ablösen soll, hat in Gdansk mit der Entladung ihrer Fahrzeuge aus einem Transportschiff begonnen.

LP 153/17 – 18.09.17

Soldaten des im bayrischen Vilseck stationierten 2. Cavaly Regiments der U.S. Army erproben in den USA einen stärker bewaffneten Stryker-Schützenpanzer.

LP 152/17 – 17.09.17

Drei Interviews über die von der US Air Base Ramstein ausgehenden Gefahren mit einem freien Mitarbeiter der "Süddeutschen Zeitung", einem Korrespondenten der Zeitung "Neues Deutschland" und einer Mitarbeiterin des englischsprachigen Programms der "Deutschen Welle" und was dabei herauskam: Wir beginnen mit der Deutschen Welle.

LP 151/17 – 15.09.17

Die US-Militärzeitung STARS AND STRIPES hat auch in diesem Jahr vor und nach der Aktionswoche der Kampagne Stopp Air Base Ramstein sehr sachlich über die Proteste berichtet.

LP 150/17 – 14.09.17

Wir veröffentlichen eine Niederschrift der bewegenden Rede, die der Theologe Eugen Drewerman im Rahmen der Aktionswoche der Kampagne Stopp Air Base Ramstein am 08.0917 in der Versöhnungskirche in Kaiserslautern gehalten hat.

LP 149/17 – 13.09.17

16 Info-Tafeln zur US Air Base Ramstein

LP 148/17 – 12.09.17

Wir veröffentlichen die Folien einer beim Internationalen Kongress zu Militärbasen der Kampagne Stopp Air Base Ramstein am 08.09.17 gezeigten Bildschirmpräsentation.

LP 147/17 – 11.09.17

Zwei Bilder von Hochhäusern, die gebrannt haben – das in New York ist am 11.09.2001 in sich zusammengestürzt, das in London ist stehen geblieben.

LP 146/17 – 10.09.17

LUFTPOST-Fotos von der ereignisreichen Aktionswoche der Kampagne Stopp Air Base Ramstein vom 3. bis 10.09.2017

LP 145/17 – 09.09.17

Der bekannte US-Publizist Dr. Paul Craig Roberts beschäftigt sich erneut mit der offiziellen Story über die 9/11-Anschläge und anderen Verschwörungstheorien verschiedener US-Regierungen.

LP 144/17 – 08.09.17

Das neue Medical Center bei Weilerbach soll das Hospital der U.S. Army auf dem Kirchberg bei Landstuhl und die Klinik der U.S. Air Force auf der Air Base Ramstein ersetzen.

LP 143/17 – 06.09.17

Das Team der SATCOM-Station der U.S. Army Europe bei Landstuhl wurde für herausragende Leistungen ausgezeichnet.

LP 142/17 – 04.09.17

Wir laden nochmals zu der Aktionswoche der Kampagne Stopp Air Base Ramstein ein, die vom 03. bis 09. September 2017 stattfindet.

LP 141/17 – 01.09.17

Zum Antikriegstag untersuchen wir die Funktionsfähigkeit des US-Raketenabwehrschildes in Europa und die akute Kriegsgefahr, die davon ausgeht.

LP 140/17 – 30.08.17

Eine auf der US Air Base Ramstein stationierte Spezialeinheit für die Errichtung und den Schutz von Feldflugplätzen trainiert für den Fronteinsatz.

LP 139/17 – 28.08.17