21 Nov 2017

Betteln, Containern, Flaschensammeln mit Gewerbeanmeldung

Submitted by fahrwax

"Zuweilen muss man selbst als professioneller Beobachter sozialpolitischer Irrungen und Wirrungen schlucken. Beispielsweise bei so einer Meldung: »Weil eine Mitarbeiterin des Jobcenters einen Hartz-IV-Empfänger beim Betteln beobachtet hatte, wurde dem Mann ein großer Teil seiner Bezüge gestrichen. Das Betteln ist laut Jobcenter als Beruf oder Selbstständigkeit zu bewerten.« Das kann man diesem Artikel entnehmen: Jobcenter kürzt bettelndem Mann Hartz IV. Da kommt man schon ins Grübeln: Betteln als Beruf oder Selbständigkeit? Gibt es da auch Ausbildungsgänge? Kann man eine geförderte Umschulung machen? Kann man - natürlich nach Vorlage eines Businessplans - eine Existenzgründungsförderung beantragen? Nun mag der eine oder andere an dieser Stelle einwerfen - bitte nicht übertreiben. Dieser Blog soll doch kein Ableger des kafkaesken Schreibens werden. Nun denn, schauen wir uns den Fall einmal genauer an."

Weiterlesen dorten:

 

Seitdem wetteifern im Metier der sozialökonomischen Halsabschneiderei die Ideologien der »Chancengleichheit« und des reaktionären (ursprünglich adeligen) Elitedünkels, des Staatskonservatismus und der Wirtschaftsfreiheit miteinander, welche Doktrin die übleren Charaktere und die schlimmeren Folgen hervorbringt; dieser edle Wettstreit dürfte unentschieden stehen.“


Robert Kurz Schwarzbuch Kapitalismus (Die Geburt des Weltmarkts aus dem Geist des Absolutismus)

Kommentare

Das Nutzbiobotobjekt der Arge erhält das Eiserne Blockwartkreuz am Bande, vom Bundespräsidenten persönlich überreicht!
Dieses verschlagene, clevere Bettelsubjekt sollte man als Mahnung für andere öffentlich an den Pranger ketten!

Unsere Gesellschaft muss endlich begreifen, dass der gewöhnliche Nutzmensch nur eine Lebensaufgabe hat, nämlich den erhabenen Eliten dienstbar, umfänglich, dienstbar zu sein!

Die Blockwartkeuzträgerin ist hier als leuchtendes Beispiel ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass bald doch wieder vernünftige und zukunftsfähige Biobots in großer Zahl, das Lebensklima der privilegierten Menschen zu verbessern wissen.

Nun, der Gesetzgeber sollte hier noch wesentlich ausgeprägtere Anreiz und Sanktionsmechanismen implementieren.
Anreize für die motivierten, guten Dienstbots - so wie das Blockwartkreuz, in der höchsten Stufe mit Eichenlaub am Bande in Goldimitat -, Sanktionen für destruktive Elemente, wie Hungerkäfige, in denen man diese Überflussobjekte an Kirchtürmen aufhängt und den Krähen zum Fraße überlässt.
Bettler müssen sich unter diese Käfige platzieren, so dass der Leichensaft auf ihre unwürdigen Häupter tropft.

Oh, wie furchtbar doch die Menschen im Müßiggang sich laben und dabei noch Anflüge von Renitenz den guten Bürgern das Leben erschweren.

Aber die Zeiten ändern sich, Gott sei dank!

Im Übrigen gibt es für jede Meldung einen Meldebonuspunkt, also Augen auf, jeder ist gefordert, auf das endlich wieder Ordnung herrsche!

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Betteln verboten? – In Göttingen gab man stattdessen das Schnüffeln auf!

http://hinter-den-schlagzeilen.de/betteln-verboten-in-goettingen-gab-man-stattdessen-das-schnueffeln-auf

Never change a runing system:

 

Altbewährte Seilschaften sind virulent

 

Weitergehende Ansinnen kommen aus Mäulern mit dem "C" im Wappen:

 

"Fußfesseln für Arbeitslose: irrwitzig, aber logisch

Was hat es mit der Forderung des hessischen Justizministers Christean Wagner (CDU) nach Fußfesseln für Arbeitslose auf sich? Ende April 2005 verbreitete er die Idee, auch therapierten Suchtkranken und Langzeitarbeitslosen als wohlwollende „Hilfe zur Selbsthilfe“ elektronische Fußfesseln zu verpassen."

http://www.streifzuege.org/2017/fetisch-arbeit

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"Die Frage, ob durch Betteln erlangte Gelder auf ALG II angerechnet werden sollten, ist nicht trivial - sie betrifft auch die Frage, wo überhaupt die Erwerbstätigkeit beginnt

..........

Vielmehr muss ALG II als das betrachtet werden, als das es von Anfang an gedacht war: ein System, dass der Wirtschaft möglichst viele zu niedrigen Löhnen bzw. Gehältern arbeitende Personen zuführte, die durch die Zumutbarkeitsregelungen und Sanktionsmöglichkeiten keine Wahl haben als sich dem zu fügen. Ein System, das den Menschen auf seine Arbeitskraft als "Wert" reduziert und ihn durch ein nicht zuletzt auch überbordend bürokratisches und stümperhaft gestaltetes Regelungwerk in eine kafkaeske Welt versetzt, in der er sich zunehmend hilflos fühlen und Fatalismus als einzige Lösung sehen soll.

Die groteske Reduktion des Begriffes der Arbeit auf eine Erwerbserzielungsabsicht liefert stetes Futter für diese Entmenschlichung, da die tägliche Arbeit, die dem Überleben gewidmet ist, hierbei nicht einmal berücksichtigt wird. Stattdessen wird so getan, als würde derjenige, der keine Erwerbserzielungsabsichten hat, quasi im Dauerschlaf sein, als würde er nicht auch tagtäglich schon durch die ganz normalen Zwänge des Lebens damit beschäftigt sein, nicht nur für Essen und Trinken, eine Unterkunft und Bekleidung zu sorgen, sondern auch für benötigte Ruhephasen, soziale Kontakte (egal in welchem Ausmaß und in welcher Form) et cetera.

Der Mensch ohne Erwerbstätigkeit, so wird auch durch die vielen Kampagnen diesbezüglich klar, ist sozusagen der kostenverursachende Golem, der erst durch die Erwerbstätigkeit zum Leben erweckt wird, welche ihm den Sinn des Lebens gibt. Dass bis auf die Partei "Die Linke" keine der Parteien das heiße Eisen ALG II anfasst, sondern höchstens ab und an durch kosmetische Maßnahmen die Situation etwas verhübscht, spricht Bände. ALG II ist daher nicht nur in Einzelfällen als kritikwürdig anzusehen, das gesamte ALG II-System ist es und muss als solches auch thematisiert werden. (Alexander und Bettina Hammer)

https://www.heise.de/tp/features/Arbeitslosengeld-II-und-die-Bettelarbeit-3899867.html?seite=2