13 Dez 2017

Der konterrevolutionäre Frühschoppen

Submitted by hadie

MarcWenn Sonntags der "ARD-Presseclub" ausfällt, veranstaltet "Phoenix" seinen "Internationalen Frühschoppen". Vorigen Sonntag orakelte man über die deutsche Kanzlerinnendämmerung und Europa. Brüssel-Korrespondent Ralph Sina meinte eine weltweite Flüchtlings-Revolution zu erkennen. Und Revolutionen hätten es an sich, dass sie Gegenrevolutionen erzeugen. Da helfe es wenig, eine Mehrheit der Ungarn, Polen und Tschechen als Rassisten oder gar "Nazis" zu brandmarken.


 

Sina bezieht sich dabei auf den Sammelband "Die Flüchtlings-Revolution", herausgegeben von Marc Engelhardt. Die 28 Autoren des Buches sind Mitglieder eines Netzwerks freier deutschsprachiger Auslands-Korrespondenten in mehr als 160 Ländern dieser Erde. Diese "Weltreporter" sind hoch geschmeidige Texter, die ihren möglichen Auftraggebern jeden Wunsch von den Augen ablesen. Trotzdem haben sie mit ihrer "Flüchtlings-Revolution" einen ganz eigenen Ansatz gefunden. Ausgehend von den Umbrüchen von 1989, als dogmatischen Linken ihr revolutionäres Subjekt (der klassenbewusste Fabrikarbeiter) abhanden kam, beschreiben sie nun die Ankunft eines neuen revolutionären Subjekts: des Flüchtlings als solchem in den globalisierten westlichen Metropolen. Als prekarisierte Auslandsreporter sind sie ganz nah dran an den Roma, echten und falschen Syriern, Libanesen, Phillipinos, den Rohinga, Mexikanern, Libanesen, Kenianern, Jeminiten, Klimaflüchtlingen aus der Südsee, Binnenmigranten in China ...

Der Genosse Soros kommt in diesen Geschichten nicht vor, als Beschreibung des "revolutionären Überbaus" reichen die Verlautbarungen der UN-Agentur für Migration IOM mit ihrem "Global Compact for Migration". Einem breiteren Publikum bekannt wurde diese Organisation wohl erst durch die Entscheidung von Präsident Donald Trump, die US-Delegation aus den zur Zeit laufenden Verhandlungen über den “Global Compact on Migration” zurückzuziehen, weil "dieser die Absicht verfolge, die Masseneinwanderung in wohlhabende Länder voranzubringen und zwar unabhängig von den nationalen Gesetzen und den Ansichten der Wähler dieser Länder".

Verdienstvoll am Sammelband der "Weltreporter" ist ihr objektiver Blick auf die sehr unterschiedlichen Akteure der "Flüchtlings-Revolution", ohne den geneigten Leser gesinnungsmäßig zu bearbeiten: Es ist Revolution, da ist es auch ok, konterrevolutionär zu sein, besonders als aufstiegswilliger Kleinbürger in prekären Verhältnissen. "Der deutsche Sommer 2015 bekommt seine Normalität zurück und es wird klar, dass auch andere Länder hier Schwierigkeiten haben." schreibt eine Rezensentin auf Amazon.

Die Flüchtlingsrevolution: Wie die neue Völkerwanderung die ganze Welt verändert. hat 352 Seiten, ist 2016 im Pantheon-Verlag München erschienen und kostet 17.00 €, eBook 14,00 €.

http://weltreporter.net/

https://www.iom.int/global-compact-migration

Kommentare

Bild des Benutzers ebertus

weil doch morgen wohl der EU-Flüchtlingsgipfel stattfindet.

Im vornehmen Diplomatensprech werden die Unbotmäßigen mit Sicherheit nicht gleich als "Nazis" oder Rassisten beschimpft, wenngleich der Pole namens Donald Tusk via dem Tagesspiegel  schon mal entsprechend negativ konnotiert wird.

Meine Meinung -und durch die Entwicklung in Syrien noch bestätigt- sieht das was hierzulande und auch EU-weit umgesetzt wird, als den Kampf in pontemkinschen Dörfern; weil jedwede Ursachenforschung und Bekämpfung verweigert wird;

sehr bewußt zelebriert, transatlantisch-staatsräsonal eingebettet, bellizistisch-olivgrün eingemeindet.

Ansonsten müsste man sich doch (beispielsweise) umgehend mit Syrien, den dortigen, wenngleich ungeliebten Offiziellen ins Benehmen setzen, massive Aufbauhilfe eben dort leisten und die Menschen dann, unter diesen Bedingungen, unter dieser Perspektive zurück führen - außerdem jede weltweite Vorwärtsverteidigung sofort zu beenden.

Stattdessen wurde gerade im Bundestag beschlossen, unsere globalen Wirtschaftsinteressen weiterhin mit Feuer und Schwert zu verteidigen.

Bild des Benutzers hadie

Wobei zu den Fluchtursachen auch der “Global Compact on Migration” der UN gehört, die NGO-Schlepperorganisationen und eine regressive Linke:

Es ist offensichtlich, dass die Linke ein grosses Problem hat: Ihre Solidarität unterliegt einem ideologischen Kalkül. Denn eine Minderheit erhält nur dann die Aufmerksamkeit und den Zuspruch der Linken, wenn sie den «richtigen Unterdrücker» hat, nämlich die politische Rechte oder den «westlichen Imperialismus». Dass es eine Minderheit gibt, die andere Minderheiten unterdrückt, nämlich muslimische säkulare Reformer, Feministinnen, Ex-Muslime oder LGBT-Muslime, wird ignoriert oder in Kauf genommen. Der Grund dafür mag in der sozialistischen Idee an und für sich liegen, die das Kollektiv höher wertet als das Individuum und seine freiheitlichen Rechte.

https://www.nzz.ch/meinung/eine-minderheit-ohne-solidaritaet-ld.1334289

Bild des Benutzers ebertus

sehe ich nicht so, denn wo realer Bedarf ist, da entwickelt sich ein Angebot.

Ansonsten ja, und nicht nur "Die Linke" ist davon betroffen, wenn ideologische Folien nicht auf die Wirklichkeit passen. Linke, gar muslimische Islamkritiker ebenso wie rechte Schwule (darunter gar Frauien) dürfte es nach dieser reinen Lehre eigentlich nicht geben.

Ähnliches gilt für Menschen mit sog. Migrationshintergrund, welche sich gegen eine verstärkte Zuwanderung aussprechen. Das ist im ideologisch gefestigten, großmedial verbreiteten Korsett ebenfalls nicht vorgesehen.

Dennoch, und ohne substantielle Hilfe vorort, jenseits von militärischer Repression und/oder neokolonialer Ausplünderung werden wir  die Mauern immer höher ziehen müssen, dürfte das auch nur für einen sehr begrenzten Zeitraum helfen.

Genau das - Mauern hoch - versucht die EU in ihrer Verzweifelung; mit immer neuen, menschenverachtenden Deals.

Bild des Benutzers ebertus

Merkel sagt Militär-Truppe der Sahel-Staaten „massive Unterstützung“ zu.

schreiben die DWN. Also genau das, was schon in Syrien nicht mehr funktionierte; weil der IS, der sog. islamische Terror in toto, im Wesentlichen unter Schirmherrschaft der USA einen wesentlichen Bestandteil des transatlantischen Nation-Building darstellt, daher nicht wirklich, nicht ernsthaft bekämpft werden wollte.

Vielleicht mal das russische Militär bitten, den Job zu übernehmen ... Ist möglicherweise auch wesentlich preiswerter, als das, was Merkel & Co. nun dort in der Sahel-Zone an die Despoten und Warlords ausschütten wollen.

Bild des Benutzers Raphaela

...doch leider auch zu den letzten Gabriel- et al Aussagen von "größerer, internationaler Verantwortung".

Bin aber ziemlich sicher, daß die Widerstandsachse, die inzwischen auch mehr Verbündete und Kooperationspartner in Afrika hat, den globalistischen "Super-EU"-Ambitionen bezüglich Nord- und Zentralafrikas genauso in die Suppe spucken wird wie den globalistischen US-Ambitionen in der Region.

Das nächste Land, aus dem die Globalisten rausfliegen, wird m. E. Libyen sein. 

Bild des Benutzers ebertus

diese Empfehlung:

"Ich möchte Ihnen eher die Empfehlung aussprechen, in Ihr Land zurückgehen, da der Krieg beendet ist und Sie dort dringend benötigt werden, um es wieder aufzubauen."

Das hat in einem formalen Schreiben nichts zu suchen, könnte man als übergriffig bezeichnen.

Was jedoch und jenseits der Entgleisung eines verantwortlichen Mitarbeiters dieses potentiellen Arbeitgebers durchaus zu der legitimen, hochpolitischen Frage führt, wie die Außenpolitik Deutschlands gegenüber Syrien denn zukünftig sich darstellen sollte. Genau darüber schweigen auch unsere Qualitätsmedien sehr beflissen.

Die sog. Moderaten Rebellen habe es offensichtlich nicht geschafft, Assad zu stürzen, müssen -wie der BBC kürzlich berichtete- nun sogar die letzten versprengten Einheiten des IS von deren Paten, sprich: den USA in Sicherheit gebracht werden. Deutschland, als faktischer Vasall eben dieser USA äußert sich offiziell nicht zu dem Zustand, den Abläufen, den Perspektiven dort in Syrien.

Wäre also Grund genug, diese Absage  für sehr grundsätzliche Fragestellungen zu nutzen.

Bild des Benutzers Raphaela

...schuldet Syrien Reparationen, stoppt aber nicht mal die Sanktionen. Das ist mehr als übergriffig.

Bild des Benutzers hadie

"Inzwischen ist die soziale Frage auf weiten Gebieten unseres Planeten gelöst worden. Die klassenlose Gesellschaft hat sie so entwickelt, daß sie eher zu einem Teil der Außenpolitik geworden ist. Natürlich heißt das nicht, daß damit die Fragen überhaupt verschwinden, wie man im ersten Eifer glaubte — es treten vielmehr andere und noch brennendere auf."

aus Ernst Jünger: Der Waldgang

Bild des Benutzers Raphaela

Ein lustiges Überschriften-Potpourri?

Bild des Benutzers ebertus

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar ???

Muss noch etwas feingetuned werden .....

Bild des Benutzers ebertus

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar ???
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Einfach unter die gestrichelte Linie klicken und den Kommentar schreiben wie immer!