2 Jan 2018

(Social)Media 2018

Submitted by ebertus

Es wird spannend im Jahre 2018, was die herkömmlichen und die sogenannten Sozialen Medien betrifft. Kommerz & Propaganda, gar noch zusammen, das wird wohl immer weniger funktionieren.

Das Jahr 2017 hörte schlecht auf für die systemfrommen Medien in toto; und fängt auch 2018 eher schlecht an. Aber solange die Netzneutralität nicht wirklich eingeschränkt ist, sich die Provider der letzen Meile  noch weitgehend zurückhalten, solange noch können alternative Medien jedweder Couleur zumindest versuchen, ein Gegengewicht in Sachen der primär hofberichterstattenden Großmedien nebst derer kleinen, oft lediglich an der Bande hampelnden Jubelpersern zu schaffen.

Das alte Jahr endete nicht wirklich gut für die Großen, wie RTdeutsch  zu berichten weiss, dürfte insbesondere der Spiegel zunehmend von den nicht hintergehbaren ökonomischen Realitäten eingeholt werden. Ob der auf jung geschminkte Ableger namens Bento, wie auch das eher schwach unterwegs seiende Spiegel Daily  das Jahr 2018 überleben werden, das scheint (mir) mehr als fraglich.

Auch Hadmut Danisch macht sich da so seine Gedanken, wobei er eher mit den Öffentlich-Rechtlichen, wahlweise dem genderoptimierten BVerfG ins Gericht geht. Dennoch, zu den Medien mag ich mich -schmunzelnd- dem Hadmut anschließen.

"Meine Empfehlung wäre deshalb, sich mit einem bequemen Sofa und genug Getränken und Knabberkram auszustatten und entspannt der Kollaps-Show zuzusehen. Es wird sicher unterhaltsam, vielleicht auch vergnüglich."

Am 18.01.2018 werden die neuen Quartalszahlen der verbliebenen papiernen Auflagen veröffentlicht. Ich freu' mich d'rauf ...

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Und die großen, die sogenannten Sozialen Medien hatten  drei Monate Zeit, sich auf das nun zum 1. Januar 2018 endgültig in Kraft getretene Netzwerkduchsetzungsgesetz (NetDG) vorzubereiten; Sperrungen und Löschungen von Nutzern und Beiträgen schon mal zu üben. Aktuell, wie man in äußerst umstrittenen (Internet)Medien lesen kann, hat es bei Facebook und Twitter die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch erwischt, bei Google (Youtube) gar einen Menschen mit Migrationshintergrund (soll es geben) ...

Nee, inhaltlich mag ich mich weder mit der Frau Storch, noch mit diesem Serge Menga  gemein machen, hatte das Video von dem er spricht weder gesehen noch gesichert - dieses aktuelle nun schon (gesichert). Denn darum, um diese Frage geht es ja zunehmend, ob die Rechtsprechung in einem Teilbereich gesellschaftlicher Kommunikation privatisiert wird. Sicherheitshalber wurde Beatrix Storch wohl auch offiziell angezeigt, geht damit die nach wie vor existente formale Rechtsprechung ihren Gang.

Meine Meinung, einmal mehr wiederholt ist diejenige: Man sollte sich weniger darüber echauffieren, ob diese Sperrungen und Löschungen in privaten Medien rechtens sind, das Recht auf Meinungsfreiheit verletzen; welchen Inhalt die inkriminierten Worte oder Zeilen auch haben mögen. Niemand hat auch nur das geringste Recht, bei diesen sogenannten Sozialen Medien veröffentlicht zu werden, denn es sind private Unternehmungen, deren primäres Ziel es ist, subtil bis offen Werbung auszurollen und darüber Gewinne im Namen ihrer Besitzer zu machen.

Vielmehr sollte immer wieder auf die Errungenschaften der aufgeklärten Moderne hingewiesen werden, auf die noch weitgehend unabhängige Justiz, auf die Gewaltenteilung an sich, gar auf die Unschuldsvermutung etc. bis zu einem rechtskräftigen Urteil. Das sind doch diese oft und gern beschworenen abendländischen Werte, die uns von den sog. Schurkenstaaten unterscheiden, oder?

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Insofern und wie (oben) bei Hadmut Danisch zitiert, ist Zurücklehnen, ist Beobachten angezeigt, passiver Widerstand sowieso ...

Kommentare

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Hallo Ebertus,

ein frohes neues Jahr allerseits - oder (da wir ja alle bescheiden geworden sind) hoffentlich eines, das etwas weniger unfriedlich ist (auch wenn's nicht so ausschaut).

Habt Ihr eigentlich die folgende Tagung zum Thema Medien und Frieden gesehen? Dem Programm nach sind, nicht nur dank der illustren Namen, gehaltvolle Beiträge zu erwarten.

http://medientagung.ialana.de/programm/

Ich werde jedenfalls da sein - und Maren Müller auch dort treffen können.

Herzliche Grüße,

Anja

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Ialana Tagung
 

Danke und Gruß zurück.

Kassel liegt gerade nicht auf meinem Weg, wollte jedoch am 10. Februar an dieser Konferenz  teilnehmen, ehe es dann am 18.02. für rund zehn Tage nach Italien geht.

Und friedlicher? Ne, sieht wirklich nicht danach aus ...

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Veranstaltung(en)
 

- die Tagung mit Moshe Zuckermann, meine ich.

 

(Und für die Möglichkeit jenseits von definierten Urlaubszeiten jederzeit wegfahren zu können beneide ich Dich natürlich.)

 

Gut jedenfalls, dass wir alle an unserer Stelle und im Rahmen unserer Möglichkeiten am Ball bleiben...)

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«Vielmehr sollte immer wieder auf die Errungenschaften der aufgeklärten Moderne hingewiesen werden, auf die noch weitgehend unabhängige Justiz, auf die Gewaltenteilung an sich, gar auf die Unschuldsvermutung etc. bis zu einem rechtskräftigen Urteil. Das sind doch diese oft und gern beschworenen abendländischen Werte, die uns von den sog. Schurkenstaaten unterscheiden, oder?»

Die Summe aller Werte, die «In diesem unserem Lande» geschöpft werden, machen das BruttoInlandsProdukt BIP aus. Nicht alle Werte werden freiwillig geschöpft.

  • An erster Stelle stehen die staatlichen Zwangsabgaben zur sozialen Sicherung vieler Arbeitsstellen des Beamtenstaates – praktisch eine unerschöpfliche Quelle des Polit-Personals.
  • An zweiter Stelle stehen die Zweckbetriebe des Staates, von denen etliche versilbert wurden, weiterhin aber eine staatliche Verwaltung betrieben wird, die als Schnittstelle zwischen den Kunden und den neuen Eigentümern fungiert, um die Optik zu schöööönen.
  • An dritter Stelle stehen die privaten Unternehmen, denen erlaubt wird, die sauer verdienten Gewinne in der sozialen Hängmatte von Steuerparadiesen zu deponieren, auf daß sie dort «arbeiten» – Freiheit des Kapitals wird das genannt – Karl Marx läßt grüßen.

Die abendländischen Werte sind also vollständig erfüllt, wenn jeder einzelne Bürger und jede einzelne Bürgerin nebst ihren Kindern frei, demokratisch und gleich an der Kasse abstimmen und damit die sozialen Errungenschaften der Beamtenschaft und ihrer Strippenzieher in den Parlmenten und den Regierungen dieses Vielvölkerstaates BananenRepublik Deutschland BRD tragen.

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Die Werte und ihre Schöpfung
 

- Wird ganz bestimmt spannend und auch ich freu mich schon auf die Auflagen-Veröffentlichung.
 
Euch allen wünsche ich die weiterhin nötige Energie für den Kampf für das, was an Demokratie und Bürgerrechten noch übrig ist, Gesundheit und viel Freude, auch im privaten Bereich.
 
Besonders liebe Grüße an Anja! - Die Konferenzankündigung war hier m. E. schon verlinkt und klingt wirklich vielversprechend! Leider komm ich hier mal wieder nicht weg, wünsche aber gute Ergebnisse. Vielleicht kannst du anschließend berichten? Das würde sicher nicht nur mich freuen.
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Antwort auf Raphaela  zum Kommentar 2018
 

Dein Kommentar kommentiert zwar formal meinen Kommentar, hat aber keinerlei Bezug dazu. Wenn du ganz allgemein den Artikel kommentieren willst, dann tu das bitte auch und kipp deine Grüße nicht irgendwo wie Müll ab. Denn was wie Müll irgendwo abgekippt wird, ist Müll.

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Wen hast du hier eigentlich kommentiert?
 

...den Kommentar (zum Thema "2018") nach ganz unten zu platzieren, wo er m. E. nach der Chronologie hingehört. Sorry.
 
-Trotzdem alles Gute!
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Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Hatte mich bemüht...
 

... den Artikel als letzte kommentieren willst, klick den Button im Artikel an, dann erscheint dein Kommentar ganz ganz unten.

Innerhalb einer Stunde kannst du deine Kommentare auch wieder löschen, dann werden auch alle Kommentare auf deinen Kommentar gelöscht. So kannst du den ganzen Quatsch neu schreiben und korrigieren.

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Wenn du ...
 

Direkt unter dem Blogtext auf "Neuen Kommentar schreiben" klicken, dann wird dieser Kommetar wie auch bisher schon ganz unten angefügt.

Ansonsten "komplett löschen" geht nicht, ändern schon; also auch inhaltlich (fast) leer machen. Komplett löschen würde ja genau diese Problematik aufwerfen, dass dann von dem gelöschten Kommentar abhängige Folgekommentare ebenfalls gelöscht werden. Das sollte eigentlich nicht sein.

Aber der Blogautor kann Kommentare (außer seine eigenen) depublizieren. Dann verschwinden die Folgekommentare nicht, haben ggf. nur keinen inhaltlichen Bezug mehr.

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Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Hatte mich bemüht...
 

Raphaela, wenn die Form mal nicht so stringent der Funktion, sprich dem Inhaltlichen folgt.

Und Inhaltlich, es natürlich auch auf die Form, die Art des Umgangs miteinander sich auswirken wird, dürfte 2018 alles bisher gekannte und erlebte noch in den Schatten stellen. Daher meine ich es schon ernst, was das Zurücklehnen, das sich Verweigern betrifft; wo es eben geht, sinnvoll scheint.

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Nicht so schlimm,
 

haben wir schon ganz andere Threads überlebt.

Ohne jetzt päpstlicher sein zu wollen, ist das hier auch eine Frage der Kenntnis, wie dieser Blog funktioniert. Mehr will ich ja gar nicht vermitteln. Möglicherweise kennt sich Raphaela mit Aussaattagen besser aus, wir haben heute Vollmond.

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar 2018
 

mach ich gerne (Kurzbericht von der Tagung).

 

Ansonsten wünsche ich auch Dir ein produktives neues Jahr (- & den Rosen gutes Wachstum.)

 

Liebe Grüße,

Anja

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Die Werte und ihre Schöpfung
 

hänge dennoch ein ganzes Stück an eben diesen oben angeführten Werten der aufgeklärten Moderne. Und nachdem ich -hier bereits einige Male erwähnt- mich etwas näher und über "1984" hinaus mit dem Werk von George Orwell beschäftige, umso tragischer, aber auch klarer wird dessen Weitsicht, was "Linke" angeht.

Die neuen Linken -um das von Orwell noch nicht so erkannte, nicht so relevante Thema Genderism  ergänzt- diese neuen Linken mutieren nun nach und nach auch hierzulande zu den linken  englischen Intellektuellen nebst deren (groß)medialer Unterstützer, die Orwell damals bereits als Follower der russischen Stalinisten erkannte.

Und deren Dogmatismus, deren real umgesetzten Fundamentalismus des "Die Partei hat immer recht" wird heute lediglich insoweit modifiziert, dass "die Partei" sich als ideologisierte und medial transportierte Summe der Blockparteien versteht.

Zwei plus zwei muß nicht unbedingt vier ergeben (doch wieder 1984) und militärische Vorwärtsverteidigung nennt sich nun humanitäre Intervention. So werden zunehmend viele Begriffe orwellisiert; wahlweise gleich auf den Index gesetzt.

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Bin kein Jurist,
 

Bereits bei der Definition beginnt das Dilemma.

Werte haben eine doppelte Bedeutung. Dieser Hintersinn bleibt stets erhalten. Einmal als abzählbare Dinge, über die man durchaus feilschen kann. Zum Anderen als unveräußerliche Rechte. Naturgegeben sind beide nicht. Also bleibt es bei den vereinbarten Rechten, die wir als menschliche Qualitäten unveräußerlich festgesetzt haben. Das sind aber keine Werte, über die wir feilschen können. Schon gar nicht sind das Werte, über die wir das Polit-Personal befinden lassen dürfen.

Nimm als Beispiel die Soziale Marktwirtschaft, die rudimentär zu Beginn der BRD entwickelt worden war. Inzwischen haben die Politiker diese Soziale Marktwirtschaft ausgeplündert und konterkariert, faktisch abgeschafft, weil eine kleine Mehrheit genau diese Politiker gewählt hatte und nicht wußte, was sie tut.

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..für den technischen Hinweis: Werd versuchen, mir die Vorgehensweise zu merken!

"Orwell" ist ein sehr gutes Stichwort zur Einordnung verschiedener Entwicklungen. Der Kampf um die Rückeroberung der Definitionen ist noch nicht beendet, sondern immer noch mühsam. - Die Gegenseite verwendet ja entsprechend große Ressourcen (Finanzmittel und wissenschaftliches Personal) auf NLP und psychologische Kriegführung. Dennoch bin ich recht optimistisch: Die Reaktion der Rezipientenmehrheit auf den versuchten regime-change im Iran z. B. ist wesentlich kritischer als noch zu Beginn der Anti-Syrien-Kampagne. Die Menschen lernen erfreulicherweise zu großen Teilen doch dazu. Gegen die Wahrheit helfen eben mittelfristig auch die raffiniertesten NLP-Programme nicht. 

OT: Danke, Anja, dir auch ein gutes und erfreuliches Jahr!                                                                                                                                      - Hier ist noch was, das dir vielleicht auch gefällt (muß dabei  jedenfalls öfter an deine Krypta-Erzählung denken): 

https://www.youtube.com/watch?v=TWdSi0Xw4u0

2017 war ein Jahr mit wichtigen und guten Entwicklungen auf der geopolitischen Ebene. Deutschland hinkt immer ein großes Stück hinterher, aber auch hier schimmert ein bißchen Morgenlicht durch den Dunst. 

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Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Danke
 

https://twitter.com/damonmacwilson?lang=de

" We're seeking the world's best talent, motivated to change the world for the better, to invest in their success. If you are 35 or under, and believe in @AtlanticCouncil mission of working together to secure the future apply here"

Die "Weltverbesserer" geben noch nicht auf. Das ist eine ihrer Websites: http://www.millenniumfellowship.org

Darauf zeigen sie stolz eine der bösartigsten Frauen der Welt, Madeleine Albright. 

In Deutschland haben sie noch ein dichtes Netz in den Parteien, vor allem bei den Olivgrünen und inform der Antideutschen leider auch bei der PdL. Darum bleibt es wichtig, ihre gehirn-einwickelnden Sprachumdeutungen Orwellscher Art und die Ecken, in denen sich diese giftigen Spinnen herumtreiben, mit  dem starken Licht der Wahrheit auszuleuchten. 

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Danke
 

Gregorianik mag ich - habe ich, als weiblicher Tenor, auch selbst gesungen.

Passt übrigens hervorragend zu harter Rockmusik (im Wechsel & in Montage).

 

Liebe Grüße,

Anja

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beklagt die aufmerksamkeitsheischende Trollerei der AfD-Damen - und hängt sich gleich selber ran ...

Seriös natürlich, und mit dieser, weiter unten geäußerten Vermutung dürfte er recht haben:

"Hätte ein Staatsanwalt über die beiden Troll-Tweets der AfD-Damen entschieden, hätte er sie sicherlich stehen lassen."

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Der Fall "Storch" zieht unabhängig von den sogenannten Sozialen Medien noch weitere Kreise. Zum Schmunzeln ...

Nicht nur dass die Kölner Polizei gegen Storch und nun wohl auch gegen Weidel Anzeige wegen des Verdachts auf Volksverhetzung gestellt hat, so wurde eben diese Exekutive nun ihrerseits von einem Rechtsantwalt  angezeigt;

weil es hierzulande ebenfalls strafbar ist, "Menschen unbegründet der Strafverfolgung zuzuführen"

Irgendwie erinnert mich das an meine kleine Sammlung zum "Failed State Berlin". Daraus dieser Tagesspiegel-Link.

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Ha, ha, der Berger Jens
 

Was wir in der Schule über die Gewaltenteilung lernen ist die Fatamorgana einer Gewaltenteilung.

Die drei staatlichen Gewalten in der «föderalen» Bananen Republik Deutschland BRD sind:

  1. Die Parteienoligarchie
  2. Der Fraktionszwang
  3. Die Wirtschaftsinteressen

Diesen nachgeordnet sind:

  1. Legislative
  2. Exekutive
  3. Judikative

Die Exekutive wird traditionell von den Parteivorständen besetzt und so schließt sich der Kreis. Die Judikative ist ausschließlich als Verfassungsgericht ein Staatsorgan. Die ordentlichen Gerichte sind Exekutive, hängen also am Tropf der Staatsregierungen. Die Richter sind als sogenannte Freie Richter dem Gesetz verpflichtet und werkeln vorwiegend im Hintergrung. Spektakulär ist das alles nicht, rangiert darum noch nach der Kultur, mit der man (Politiker) wenigstens noch renomieren kann: «Arm aber sexy.»

So what?

Antwort auf Heinz  zum Kommentar Die Ditte Gewalt
 

Letztendlich fühlen sich sich wohl alle dem "Staatswohl" verpflichtet.
Man interpretiert es nur anders und ist an die Zwänge, an den "Logos" der jeweiligen Vorstellungswelt gebunden.

Ohne eine erhebliche Neuinterpretierung der Wirklichkeit kann es meines Erachtens keinen bewussten Weg zu einer "besseren Welt" geben.
Denn die materiellen Voraussetzungen sind eindeutig gegeben.

Hätte die Parteienoligarchie keine Zwänge, gäbe es auch keinen Fraktionszwang.
Und die Wirtschaftsinteressen spiegeln im wesentlichen nur das extrem beschränkte Blickfeld von Plus-Machern wider.

Würde aber deren Vorstellungswelt vom einem erheblichen Teil des wahlberechtigten Volkes nicht geteilt, könnten sich solche Sichtweisen auch nicht durchsetzen bzw. müssten erheblich an Überzeugungskraft verlieren.

Mir ist keine plausible Erklärung der Finanzkrise vor einem (knappen) Jahrzehnt bekannt. Das "Übliche" kenne ich, aber das beschreibt sie nur unzureichend.

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Antwort auf Ludwig   zum Kommentar Formal stimmt die Fatamorgana
 

Aus rein akademischer, betriebs- wie volkswirtschaftlicher Sicht ist es "das Übliche", was uns da großmedial präsentiert wird. Die wissen in Anbetracht jedweder fehlender Therie absolut nichts - und deren Aufgabe ist es lediglich, den Schaden optisch zu begrenzen, einzuhegen im Sinne der Herrschaft, der (noch) davon profitierenden.

Ich lese dazu gern Ernst Wolff, scheint der mir sehr nahe d'ran an dem, was den Eisberg unter Wasser  ausmacht.

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Antwort auf Ludwig   zum Kommentar Formal stimmt die Fatamorgana
 

Bei einem Staat  steht der Zweck in der Präambel
In der ersten stand die Wiedervereinigung und in der zweiten steht:

« ... als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, ...» Joschka durfte keine Steine mehr werfen, aber Bomben auf Serbien.

Sicher ist das eigentliche Problem eine Mehrheit von Leuten, die an die ver- oder be-nebelten Fatamorganas glauben und mit der Geschlechtsreife ihr geistiges Wachtum abgeschlossen haben (siehe die aktuelle Debatte «me too» in den USA und jetzt auch in DE). Gefragt ist kein aufgeklärter Bürger, sondern ein Konsument, der allen Müll schluckt.

Das ist nur zu minimieren, wenn der Einfluß der nützlichen Idioten in Politik und Medien minimiert wird.

An welchen Gängelbändern wird die Mehrheit gehalten?

  • Arbeitsplatz mit weiter sinkendem Kündigungsschutz.
  • Mindestlohn als normativer Schrittmacher für Lohnverhandlungen.
  • Sozialversicherung.
  • Finale Sozialhilfe (Hartz4).
  • Steuer (Umverteilung von unten nach oben).
  • Steuerflucht in die Schurkenstaaten wird erleichtert.

Meiner Meinung nach kann der politische Einfluß nur mit einem allgemeinen Grundeinkommen minimiert werden, weil dann viele Entscheidungen an den Einzelnen übertragen werden und damit auch die Verantwortung für diese Entscheidungen.

Finanzkrise?

Die USA hatten bereits ein hohes Defizit im Außenhandel und führte Krieg, brauchten also sehr viel frisches Kapital. Meine Trivialthese ist, daß die Zinsen sehr gering waren und die Versprechen der Renditen hoch. Traditionell besteht aber ein enger Zusammenhang zwischen Zins und Rendite. Wer den Ratingagenturen (blind) glaubte, also dem Mainstream, und sein Risiko nicht selbst berechnete hatte die Arschkarte und auf diese Weise floß sehr viel Kapital in die USA und «arbeitete» dort. Meiner Meinung nach war das der Hintergrund und Auslöser der Finanzkrise – also vorsätzlich getürkt. Die technischen Details verschleiern das eher; Greenspan hatte dann ja auch seinen Job aufgegeben, weil er sich so «vertan» hatte.

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Dazu gibt´s einen Blog von Don Alphonso:

http://blogs.faz.net/deus/2018/01/03/der-private-hass-hinter-dem-niedernetzen-von-alice-weidel-4803

und einen Text bei Welt.de, der das Tohuwabohu beschreibt, denn es schon nach wenigen Tagen ausgelöst hat:

http://blogs.faz.net/deus/2018/01/03/der-private-hass-hinter-dem-niedern...

Der Fisch stinkt vom Kopf her. Das sind u. a. die, die solche Gesetze machen und denen das Grundgesetz sowie die Gewaltenteilung sonstwo vorbeigehen.

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Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Netzdurchsetzungsgesetz
 

im realen Leben wohl der FAZ-Redakteur Rainer Meyer, mit dem gehe ich oft -nicht immer- konform. Insbesondere seine nicht selten hintergründige und ironische Art einer über Nebensätze daherkommenden Deutlichmachung von Zusammenhängen (er scheint da jeweils voll im Bilde) mag ich sehr.

Klar, dieser Sperr- und Löschzauber ist ein Fest für AfD & Co. - dürfte sich im Laufe des Jahres noch steigern.

Zu Deinem doppelten Post bzw. Link meine ich, dass dieser hier gemeint ist, oder?

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... genau den meinte ich (sorry):

https://www.welt.de/kultur/article172179137/NetzDG-Wie-ein-gut-gemeintes...

Zum Thema "konform gehen": Mit wem tut man das schon immer oder 100% ? - Das schaffen Piet und ich nicht mal nach inzwischen 30 Jahren Ehe (bzw. bald 34 Jahren Beziehung) und wäre es so, wären wir wohl nicht mehr zusammen, weil´s dann wahrscheinlich langweilig wäre ;-)

Ich mag auch Don Alphonsos Forum, weil kaum was gelöscht wird und es munter querbeet zugeht. Davon gibt´s, abgesehen von den Termiten, sonst nicht allzuviele. Beobachten (ohne mitzuschreiben) tue ich einige, dabei sind auch interessante Entwicklungen zu entdecken: Die versprengten Linksliberalen scheinen sich z. B. bei ZON zu konzentrieren seit sie sogar bei taz und Freitag (früher undenkbar) von anderen Leserkommentaristen öfter Kontra kriegen. Dafür haben sie bei Focus und Welt nahezu aufgegeben (dort ging es noch bis vor einiger Zeit recht gemischt zu). - Sind natürlich immer nur Stichproben, bemerkenswert fand ich aber schon, daß die gesellschaftliche Polarisierung so weit geht.

Dann gibt´s noch ein paar kleinere linke, aber globalisten-feindliche und regierungskritische, wo die Moderation eine schwierige Gratwanderung hinlegt: Man will dort weiterhin nichts "Rechtes", löscht also jede Art von Islam-Kritik (die früher mal emanzipatorisch und links war) raus, muß aber vieles andere "Rechte" stehenlassen, weil es der eigenen Linie entspricht.

Ein Beispiel für so einen Balance-Akt ist Propagandaschau. Interessant, ob so eine Forumspolitik dauerhaft beizubehalten ist ohne das Forum durch abnehmende Klick- bzw. Teilnehmerzahlen zu marginalisieren. Schwierig in einer Zeit, wo frühere Linke zu offenen Globalisten-Unterstützern geworden sind und andere sich immer mehr rechten Positionen annähern, die wiederum zunehmend von Ex-Linken mitbestimmt werden. - Auch das bleibt spannend.

Wenn wir und dieses Land die aktuelle Politik irgendwie überleben, werden wir m. E. ganz neue politische Blöcke und/oder Koalitionen sehen. 

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Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Richtig
 

"werden wir m. E. ganz neue politische Blöcke und/oder Koalitionen sehen."

Das ganze Leben, jegliche zwischenmenschliche Beziehung ist Querfront, ginge ja garnicht anders, ohne Zombie oder Marionette zu sein; wenn ich bedenke, welche hehren Eigenschaften man als Eltern seinen Kindern gern wünscht:

Selbstbewußt, selbstständig, eigenverantwortlich, zivilcouragiert, zu Reflektion und Hinterfragung fähig usw.

Stattdessen wird heute das Laufen in der Herde von den politisch-großmedialen Kanzeln herab eingefordert, augenzwinckernd und nicht wenig bigott gar vorgelebt. Abweichungen von dieser neuen, politisch korrekten Linie werden umgehend sanktioniert, wenngleich der nächste Baum, die nächste Laterne, die nächste Wand vorerst gegen eine ökonomische und gesellschaftliche Ächtung ausgetauscht ist.

Dabei haben gerade wir (Linke, Aufgeklärte, Säkulare) uns noch bis in die 90er über diese bigotte "politische Korrektheit" gerade der US-Amerikaner amüsiert; während heute allein schon der Begriff auf dem Index steht, dessen Verwendung sofort als neurechts  entlarvt wird.

Moderne Zeiten eben ...

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Positive Querfronten
 

ich hatte gestern einen langen Post an Michaela hierauf geschrieben - weil ich diese ganze identitäre Definition von politischer Herkunft fatal und fürchterlich depolitisiert finde (das ist doch ein fetischisierter Diskurs - genau so geht man der neoliberal konditionierenden Meinungsmache auf den Leim, die nämlich die politisch-ökonomische Wirklichkeit ausblendet: Ich wünschte langsam, als jemand, die den ganzen kalten Krieg über von GO-Linken als "bürgerliche Linke" beschimpft wurde (witzigerweise haben aber von diesen Leuten viele ihrerseits inzwischen eine weltanschauliche 180-Grad-Wendung hingelegt), dass die Leute wieder ein wenig politische Ökonomie zu analysieren lernen - gaanz trocken schul-marxistisch.)

 

Aber heute morgen sehe ich, dass mein Post futsch ist - warum auch immer. Hatte gestern ganz regulär auf "Speichern" geklickt und den Speichervorgang abgewartet. Weiß der Henker, wo der Post gelandet ist. Ärgerlich: Ich hatte nämlich, finde ich, alles wesentliche gut erklärt.

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Hallo Ebertus,
 

Hallo Alphabetta,

Du schreibst, dass Du den Speichervorgang abgewartet hat, und ist der Post (Kommentar oder Beitrag) dann auch erschienen?

Kann weder im Speicher noch bei den Unveröffentlichten etwas finden. Und Logdateien laufen hier ganz bewußt nicht mit.

Wird wahrscheinlich ein Netzproblem gewesen sein, daher längere Texte immer mal lokal abspeichern.

Gruß, Bernd

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Auch nichts im Cache
 

Denn ich habe eigentlich keine Zeit mehr, das noch einmal so ausführlich zu erklären.

Die identitäre Schiene, auf die die gesamte disorientierte Klientel, die nach den von Eric Eribon beschriebenen Mechanismen jetzt ihr Heil bei neoliberalen Neurechten sucht, reinfällt (und die Tendenzen sehe ich auch bei Raphaela) ist deshalb fatal, weil sie so tut, als entscheide sich Politik primär sich daran, welche identitären Etiketten sich Leute anheften.

Das ist aber kontraproduktiv - ob das die identitäre antideutsche Pseudolinke tut oder die jetzt aufgeregt nationalistisch sich definierenden Leute. Denn beide Haltungen bestätigen die neoliberale Logik des Brachialkapitalismus als "alternativlos", wie er sich selbst gerne sieht. Fakt ist aber, erstens, dass Nationalismus wie Globalismus Produkte des gleichen politisch-ökonomischen Prozesses sind - und es den Widerspruch zwischen "Globalismus" und "Nationalismus" einfach faktisch nicht gibt - solange jemand auf kapitalistischer Basis in seinem Denken verhaften bleibt. Die sogenannten "Globalisten" sind ebenso nationalistisch wie die national argumentierende Rechte zwangsläufig globalistisch ist, weil die Krise des globalen Kapitalismus längst soweit ist, dass in dem fragilen Gesamtsystem einzelne Spieler ihre relative Stabilität - wie wir sehen - durch kriegerische Zerlegung aller potenziellen Konkurrenten noch ein wenig aufrechterhalten wollen. Dafür müssen sie aber zwangsläufig auch nationalistisch sein, da militärische Handlungssubjekte für westliches Kapital nun einmal nationalstaatlich organisiert ist. Die EU ist da auch nichts anderes als die Verlängerung des nationalstaatlich durchgesetzten Interesse vor allem des deutschen Kapitals.

AfD, Pegida und Merkelianismus (mitsamt seines bourgois-grünen Schwanzes) verhalten sich also in etwa so antagonistisch zueinander wie eine Krankheit und ihre Symptome. Merkels & Konsortens Nationalismus ist einfach nur Standortpatriotismus. Weidels Globalismus einfach nur der Stolz auf 'deutsche Unternehmenskultur' (die von der muskulären Durchsetzung ihrer Rohstoff- und Absatzbedürfnisse nicht zu trennen ist.) Deshalb ist die AfD auch für die Erhöhung des Wehretats auf 2%.

Dass aber die Krisendynamik des globalen Kapitalismus, der alle seinen natinalstaatlich organisierten Säulen miteinschließt, auf einen riesigen Crash hinausläuft, ist aber einfach objektiv gegeben. Dieser Crash kann in einer unkontrollierten Kriegsdynamik zum großen kriegerischen und in einer Konfliktspirale dann sogar nuklearem Showdown eskalieren - dann wäre dies das Ende der Menschheit. Oder er kann zu einem Weltwirtschaftscrash werden, gegen den die Krise von 1929 nur ein zartes Hüsterchen war. Dann wird es gleichfalls dramatisch, weil angesichts des im Vergleich zu damals drastisch geschrumpften Subsistenzvermögens der viel stärker urbanisierten Menschen heute sich dann Leute wirklich wegen Nahrungsresten an die Gurgel gehen werden.

Der identitäre Diskurs ist also eine Verdummungsstrategie, ein divide-et-impera-Spiel, nicht weil - wie auch der poltisch wenig relfektionsfähige KenFm meint - es keinen "Unterschied mehr zwischen rechts und links" gäbe (was vollständiger Blödsinn ist: nur sind dies eben keine identitären Klassifikationen, sondern verschiedene analytische Zugriffe zum Verständnis von Politik), sondern weil es eine objektive politisch-ökonomische Krise gibt. Wer sie wahrnimmt, sieht, dass der Kaptialismus gerade sich gerade in gigantischem Ausmaß selbst zerstört - aber alles andere mit ihm eben gleich mit. Die faktische Fragmentierung von Produktionsprozessen durch die Globalisierung ist so weit fortgeschritten, dass in dem Moment, wo er zusammenbricht, auch die Versorgungsketten der Ernährung und Erhaltung eines Großteils der Menschheit kollabieren. Es ist nicht mehr damit getan, dass die Arbeiter die Fabriken übernehmen - egal wie gerne man Herwegh-Nostalgik anschalten möchte.

Und natürlich ist das Dilemma nur international zu lösen. Denn es mag ja in noch relativ stabilen Zeiten, wie Raphaela den Anschein hat, die Familie einem näher scheinen als die Nachbarn, die aber einem näher als das nächste Dorf ect., aber wenn ernsthaft gehungert wird, schlägt der Bruder der Schwester im Zweifelsfall den Schädel ein. Und kein Teil dieser Welt wird sich ohne Gegenwehr ins kollektive Verhungern zwängen lassen (bevor der Mangel die Menschen physisch zur Apathie verdammt.) Wenn sich dazu abermillionen Afrikaner endgültig verdammt sehen, die bei ihren europäischen Nachbarn noch voll Vorratskammern vermuten, werden sie zu Berserkern und werden die "Festung Europa" mit einem Furor stürmen, den keine EU-Armee mehr aufhalten wird. Wenn global nicht mehr nur 60 Millionen, sondern Milliarden auf Wanderschaft sind, ist dies schlichtweg technisch nicht mehr möglich - da kann man sich noch so sehr in Ressentiments steigern.

Was ist also los? Man merkt an dem Unwillen unserer Funktionäre in Berlin, überhaupt eine Regierung zu bilden, dass vielen von ihnen das Ausmaß der Krise, zumindest dämmert. Poltisch handeln kann keiner von denen mehr wirklich - ergo läuft die schmierenkomödiantische PR und laufen auch die Thinktank- und Militärmaschinerie, die einmal auf Spur gesetzt wurden, stumpf so weiter. Die völkische wie die genderistisch-grün-bourgoise Schreiklientel laufen als Cheer Leaders der politischen Eskalation hinterher und feuern sie an., was das Dümmste ist, was man machen kann.

Werners romantisch-revolutionäre Begeisterung für alternative Modellprojekte ist da schon konstruktiver, aber bleibt auch - mit Verlaub - naiv. Einen Krebspatienten heilt man nicht mehr mit Fußpilzpflaster. 

Es hilf gar nichts, wenn wir nicht in einer noch vergleichsweise stabilen Ecke des drohend knarzenden Weltgerüsts (nämlich Deutschland) laut und vernehmlich die Botschaft durchsetzen: Das derzeitige globalkapitalistische Modell funktioniert nicht mehr, ist auch durch Krieg und Militär nicht mehr zu retten, sondern wir können nur noch uns Menschen dadurch retten, dass wir es global zurückbauen und gleichzeitig, mit vereinten Kräften, verhindern, dass irgendein Teil der Welt in komplette Agonie fällt. Und dann gilt es in vernetzten Trial and Error-Verfahren - in internationaler Kooperation - eine stabile und nachhaltige multizentrische Ökonomie aufzubauen, die auch ökologisch nachhaltig ist.

Dafür braucht es ein gemeinsames lautes NEIN gegenüber dem jetzigen Konfrontationsmodus, verbunden mit dem Eingeständnis, dass es aller vereinten Kräfte bedarf, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Und das kann nur SOLIDARISCH funktionieren: national wie global. Nicht weil solidarische Identitätsetiketten schicker sind als irgendwelche anderen: sondern weil es faktisch nur so gehen kann.

Der ganze identitäre Mist ist per se eine Konfrontationslogik. Eine solche kann sich nur muskulär durchsetzen. Ein auf Muskularität basierendes Verständnis aber hilft nur denen, die durch Verfügung von Kapital und militärischer Macht über hegemoniale Eskalationsdominanz verfügen. Wenn dir eine Kanone gegenübersteht, nützt es dir wenig, den Revolver zu zücken. In den 30ern glaubten die Kommunisten, Revolution predigen zu können, ohne über die notwendigen Reserven zu verfügen. Das ging nur bei dem schwachen zaristischen Establishment auf - unter hohem Blutvergießen. An anderen Stellen, an denen es wankte, behauptete sich das Kapital im zweifelsfall mit Hife des Faschismus. Heute werden wir paralysiert durch ein umfassend vermachtetes Kommunikationssystem, das jeder bedient und aufrechterhält, der identitär argumentiert.

Aber alle diese identitären Facetten halten das globale kapitalistische Gesamtintegral intakt, damit aber eine Maschine in Gang, die sich selbst und uns alle aufzufressen droht wie die Maschine den Komandanten in Kafkas Strafkolonie. Es sind alles nur unterschiedliche Designs für diese Logik:

https://www.youtube.com/watch?v=-flKGPW9QCw

 

Diese ganzen Scheingefechte sind kontraproduktiv, falsch, stützen das Falsche. Marx und Rosa Luxemburgs "Die Akkumulation des Kapitalis" zu lesen hilft verstehen, aber schon Kurzs rein negative Dialektik ist für die Tonne. Wir sind etwas, können uns nicht verneinen. Aber wir müssen begreifen, dass Existenz nur noch als solidarische möglich ist oder wir uns gleich begraben können.

 

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Schade.
 

Seit der Erfindung der «Querfront zwischen Linken und Rechten» in den 1920er Jahren wird der Frontverlauf zwischen Oben und Unten, zwischen den Reichen und den Armen vermieden; das ist also eine Vermeidungsstrategie. Meiner Meinung nach beginnt eine Debatte zur Lösung der Probleme erst, wenn die Dinge beim realen Namen genannt werden.

Bereits vor über 12 Jahren stand in einer Broschüre des BMWi etwas über die Folgen des Internets:

«Da Internet schafft soziale Probleme,
oder eine andere Gesellschaft.»

Daß wir mit dem Internet keine funktionierenden Grenzen mehr haben, hatte bereits vorher Bill Clinton festgestellt. Ebenfalls unwirksam ist die keyneanische Wirtschaftspolitik in einem vereinten Euroraum ohne gemeinsame Wirtschaftspolitik. Mit den existierenden politischen Verhältnissen in Europa ist ein Ende auch nicht in Sicht. Die Wirtschaftsliberalen können also lustig weiter machen und die Wertschöpfung der Mehrheit abschöpfen, um sie in die soziale Hängematte in Schurkenstaaten zu stapeln.

Antwort auf Heinz  zum Kommentar Wo geht's hier zur Front?
 

von Schleichers Putschversuch fand im Oktober 1932 statt. Mit ihm verbindet sich der Begriff "Querfront".

 

Zudem gab es den Fehlgriff der "Sozialfaschisten"-These seitens der Kommunisten und der umgekehrte Vorwurf der SPD, damit hätten die Kommunisten den Nazis die Machtergreifung erleichtert, aber die zunächst ohne die Vokabel "Querfront" auskommende Formel "Die Extremisten von rechts und links haben gleichermaßen die Weimarer Republik zerstört" war das Mantra der Adenauer Ära, in der damit verschleiert werden sollte, dass wieder alte Nazis an Schalthebeln saßen.

Denn zunächst waren auch im Westen sozialistische Neigungen so hoch, dass nicht nur die KPD beachtliche Ergebnisse einfuhr, sondern sogar die CDU in ihr Ahlener Programm die Möglichkeit der Vergesellschaftung von Produktionsmitteln schreiben musste. Den Antikommunismus musste man auch den Nichtnazisten unter den Westdeutschen erst einprügeln.

Wer aber als Linker HISTORISCH FALSCH von "Querfront" redet und damit eine unterstellte Kollaboration von vermeintlich Linken mit Rechten meint (- wobei eigentlich?), verbreitet das revisionistische Geschichtsnarrativ der Adenauer- und McCarthy-Ära. Großartig!

Ich finde es aber bemerkenswert, dass ich oben den Versuch starte, von einer Scheindebatte zur Wirklichkeit zu schreiten, mache - und keiner reagiert darauf, sondern selbst Antworten zeigen ausschließlich, dass der Inhalt meines Posts gar nicht zur Kenntnis genommen wurde. Denn die Neoliberalen können OBJEKTIV nicht "so weiterwurschteln", weil die Megamaschine rasant im höchsten Krisenmodus entweder auf die eine oder die andere Art von CRASH zurast: unwiderbringlich - es sei denn, dieser CRASH wird durch ein lautes STOPP von unten aufgehalten. Ich gebe zu: Es sieht momentan nicht so aus.

 

Wer aber nur darüber diskutieren will, ob er dabei Kanonenfutter der einen oder der anderen Geschmackssorte sein will, der verplempert nur Zeit, die er für Widerstand sinnvoller verwendet hätte. Denn ein politisches Kriterium ist nicht die Etikettierung der eigenen Selbstwahrnehmung, sondern die Wirkung der eigenen Handlungslogik auf die objektiv gegebenen politisch-ökonomischen Verhältnisse.

 

Wo es zur Front geht? Jede existierende Friedensdemo ist eine, der eigene Stadtrat, der Landtag, die täglichen Protestbriefe, die man nach Berlin schicken kann, jedes Gespräch mit Bekannten, Kollegen, Nachbarn: Erzeugung einer kritischen Protestmasche, so gewaltig wie möglich, ist das Primäre, alles andere hilft uns nicht weiter.

Bild des Benutzers Heinz

Schleichers Querfront war die praktische Anwendung. Das bedingt natürlich die theoretische Entwicklung vorher. Anders herum geht schlicht und einfach nicht. Bereits die Zustimmung zu den Kriegsanleihen durch die SPD war querfrontig zuviel.

Ich betrachte die Debatte um «links/rechts» als Scheindebatte, die nicht Roß und Reiter nennt, diese also vermeidet und nur meint. Dieses Spiel über die Bande mit Ersatzbegriffen, die inzwischen mit beliebig vielen Inhalten abgefüttert ist, führt meiner Meinung nach zu nichts, darum bevorzuge ich die realen Begriffe reich/arm, nazional/international oder oben/unten.

In der Bewertung der kommenden Krise stimmen wir überein – und keiner wagt die zu stoppen.

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gehört zum Repertoire neuzeitlicher Instrumentalisierung (gab es zwar schon länger), aber dafür sind die Neuen Medien (die unsozialen Netzwerke) besonders geeignet. Etikettierungen mit unzeitgemäßen Begriffen ad personam (oder von Gruppierungen) sowie der unkontrollierbaren Verbreitung, entzieht sich einer rationalen offenen Gesellschaft, die gerade Positionen außerhalb der sogenannten Mitte aushalten sollte, die nicht dem allgemeinen Konsens entsprechen.

Es waren doch gerade die 68er, die mit subversiven Aktionen gegen die verkrusteten Institutionen vorgegangen sind und das alte Establishment zur Auseinandersetzung herausgefordert hatte: also die diskursive Auseinandersetzung damals unzeitgemäßer Themen.

Und was machen nun diese im System angekommenen satten Altlinken, sie haben ihr altes Ziel mehr oder weniger vergessen (die Klassengesellschaft) und stellen Themen in den Vordergrund, die zwar ein "gutes Gefühl" vermitteln, aber mit ihren Fortschritten dabei dem Kapital äußerst nützlich sind. Denn das hat schon längst die geforderten Freiheitselemente und emanzipativen Teile in sein System eingebaut und somit ist:

"Denn die Neoliberalen können OBJEKTIV nicht "so weiterwurschteln", weil die Megamaschine rasant im höchsten Krisenmodus entweder auf die eine oder die andere Art von CRASH zurast: unwiderbringlich - es sei denn, dieser CRASH wird durch ein lautes STOPP von unten aufgehalten. Ich gebe zu: Es sieht momentan nicht so aus."

das System noch lange nicht am Ende, denn es ist viel elastischer als es trotz der krisenhaften Erscheinungen den Anschein hat (Krisen sind ein Merkmal dieses Systems, siehe u.a. Schumpeter) und zudem, was der noch wichtigere Faktor ist, es versteht es ausgezeichnet, den Menschen das Bewusstsein so zu verändern, das diese mit ihrer Lebensweise das System unterstützen (verteidigen). Als einfaches Beispiel möge billig, billig dienen, wo durch einheitliche Verhaltensweisen die Monopolisierung unterstützt wird und "Brot und Spiele" als Mittel der alten Römer das Volk ruhig zu halten, heute mit viel subtileren Mitteln gelingt.

Und wenn ich dann die Techniker Krankenkasse anschreibe, hinsichtlich der sich abzeichnenden neuen bedrohlichen, selbst überwachten und "noch" freiwillig zur Verfügung gestellten eigenen Gesundheitsdaten, (um damit vielleicht Vergünstigungen zu erhalten), die anfangs noch freiwillig sind und später zum Muss wird, da dann zur Senkung der Gesundheitskosten ein Selbstmonitoring zur absehbaren Verpflichtung werden wird, ja wenn es dann zu einem Gespräch mit dem Vorstandsbüro kommt und man die sich daraus entstehenden systemischen Zwänge mehr oder weniger sicher absehen kann, dann mag das in diesem Gespräch hoffentlich ein wenig Wirkung zeigen.

Aber das sind alles nur nadelstichartige Aktionen, der die zwingende Breite fehlt. Und die sehe ich trotz der AfD im Bundestag (diesen unorganisierten Bodensatz hatten wir vorher schon) in absehbarer Zukunft nicht, zumal (was ich des Öfteren geschrieben hatte) intellektuelle Linke eines besonders auszeichnet: Rechthaberei und Zerlegung der eigenen Bewegungen.

Den letzten Absatz "Wo es zur Front geht (...)" würde ich unterstreichen wollen. Nur, dafür bedarf es auf den anderen Seiten zumindest noch den Rest von einem kritischen Geist (zumindest die Bereitschaft), um Gespräche überhaupt noch führen zu wollen. Wobei das äußerst Mühsam sein kann, wenn der Abstand des Wissens zum Problem sehr groß ist und man nicht als Besserwisser rüberkommen will, denn die mag keiner!

Antwort auf pleifel  zum Kommentar Diskussionsunfähig machen
 

Deine Einschätzung, sie könnten ewig so weiterwurschteln, halte ich sehr von einzig deutschen Verhältnissen geprägt - und von daher täuschend, weil wir künstlich eine Abwesenheit von Krise vorgegaukelt bekommen, die woanders völlig ungeschminkt dasteht.

Die Kriegsaufrüstung zeigt aber doch, dass sie eskalieren wollen, weil das Fundament so marode ist, dass ein Sturm reicht.

Von andern Menschen bekomme ich andere Signale: Ich höre von Irakern, dass der Irak stirbt, von Syrern Syrien (trotz des russischen Stabilisierungsversuchs - es wird ja alles getan, dass das Land wirtschaftlich nicht auf die Füße kommt - und seit den EU-Sanktionen sank dort das Realeinkommen von Familien von 1250 auf 250 Euro. Ein Ende der Blockade ist nicht in Sicht. Das Gleiche höre ich von: Lybien, Afghanen, Moldawiern, Griechen, Serben, Bosniern, Mazedoniern, Albanern, Bulgare ect. Von vielen afrikanischen Ländern braucht man gar nicht reden.

Parallel mit dem durch Krieg beförderten Staatenzerfall steigt die sinnlose kriegerische Eskalation - und siehst Du, obwohl sie nur destruktive Resultate bringt, da irgendein Einlenken? Im Gegenteil doch: Alleine die CDU/CSU will den Bundeshaushalt Deutschlands gegen eine Bevölkerung, die das nicht will, auf 70 Milliarden hochfahren - 20% des Bundeshaushalts.

Ändern derzeit Zeitungen ihren Konfrontationsdiskurs, obwohl sie sich sehenden Auges seit 2014 in die Pleite schreiben? Parteien? Ändert sich die SPD, weil sie droht, unter die 18% zu fallen? Nach 150 Jahren? Andere sozialdemokratische Parteien in Europa haben bereits die 5%-Hürde unterschritten. Die französischen Sozialisten sind bei 6%. Wie kann es denn um Gesellschaften bestellt sein, deren Institutionen derart selbstzerstörerisch und dennoch unkorrigierbar sind?

Wir haben noch ein künstliches Hoch des Finazmarkts, der allein durch Zentralbankspritzen aufrechterhalten wird, während diese Politik bereits droht, Negativzinsen erheben zu müssen. Dann aber ist Schicht im Schacht. Denn dann gibt es einen Banken-Run. Realiter ist der Finanzmarkt ein Kadaver. Wie lange kann das gutgehen?

Es wird gegen China im Pazifik hochgerüstet, Nordkorea droht als Proxykrieg. Gleichfalls gegen Russland. Am Iran wird gerüttelt, wenn der implodiert oder explodiert - dann kocht der Nahe Osten endgültig über. Was ist mit der tief gespaltenen Türkei, sobald Erdogan stirbt und seine Nachfolger nicht mehr das moralische Gewicht haben, dass sie für viele Bürger den sozialen Aufstieg verkörpern. Meinen kurdischen und kemalistischen Schülern geht schon bei dem Gedanken der Hintern auf Grundeis.

Wir sind umgeben von Pulverfässern, Pleifel. Trauen wir uns tatsächlich, darauf noch ein Pfeifchen zu rauchen?

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Lieber Pleifel,
 

wenn es denn eine Friedenpfeife ist. :-)

Das Pseudovermögen (virtuelle Werte, die nicht den Produktionsmitteln und ihrem know how entspricht), liegt überwiegend nicht in den Händen der abhängig Beschäftigten. Falls es zu einem Crash kommt (also einem ausgelösten über die Börsen), dann läge es an der Politik, diesen Buchwertverlust genau jene treffen zu lassen, die als Vermögende oder Kapitalanlagegesellschaften in allen ihren Varianten auftreten. Das wäre übrigens der Kern des neoliberalen Paradigmas, dass die Risiken diejenigen tragen sollten, die Risikopapiere halten. Dann ließe sich die Krise "einhegen" und übrigens ein endgültiger Schnitt machen, was die ganze private Bankenwelt und die Finanzwirtschaft insgesamt betrifft.

Dumm nur, dass in Pensionsfonds (vor allem in den USA und England) viele Millionen ihre Renten gebunkert haben, sodass es hier ein zusätzliches Problem gibt. Aber das ist ein weites Thema mit vielen Ansätzen, nicht umsonst liegt sich die Ökonomenzunft in den Haaren (in Deutschland eher nicht, da offensichtlich fehlende Kompetenz oder Einheitsbrei). Selbst der IWF kritisiert ja die deutsche Politik aufgrund ihrer simplen Logik von Schulden und Kreditwirtschaft.

Was die Krisenländer betrifft: "Lybien, Afghanen, Moldawiern, Griechen, Serben, Bosniern, Mazedoniern, Albanern, Bulgaren (Irakern, Syrern) ect. Von vielen afrikanischen Ländern braucht man gar nicht reden." müsste man den aktuellen Zustand dieser Länder mit einem vermuteten positiveren Zeitraum vergleichen, wobei dann weniger das BIP und eher der allgemeine Lebensstandard, bzw, die Freiräume zum Leben heranzuziehen wären.

Jugoslawien vor der Zerlegung wäre da wohl zu nehmen und da dürften Serben, Bosnier und Mazedonier wohl bessere Zeiten mit verbinden, wie es auch von vielen (was ein beständigeres Leben betrifft) ehemaligen aus der DDR empfunden wird.

Griechenland ist ein Sonderfall, denn der Pseudoaufschwung war auf Kredit aufgebaut, denn der materielle Wohlstand (der tatsächlich konsumiert werden konnte), lief überwiegend über westliche Kreditierung. Zudem, was unbestreitbar ist, wird das Land von einer Oberschicht ausgebeutet und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Irak, Lybien und jetzt Syrien sind meines Erachtens ein weitgehendes Ergebnis verfehlter westlicher Politik, die ohne Überlegung einer Folgestruktur erst einmal die bis dahin stabilen, wenn auch undemokratischen Systeme zerstört hat. Was über viele Jahre kein Problem war, mit den Machthabern gute Geschäfte zu machen und zu wissen, das die Menschen nach westlichen Standards keine politische Beteiligung hatten und auch ohne Gerichtsverfahren verschwinden konnten, spielte da keine große Rolle. Dann aber tauchte das "Gutmenschentum" auf, jedenfalls wurde es so gelabelt und den Menschenrechten musste mit Gewalt nachgekommen werden, obwohl das nur dummen Linken verkauft werden konnte. Ja, einwandfrei, hier ist ist es wesentlich schlechter geworden als vorher!

Und Afrika? Abgesehen von den üblichen und teils auch berechtigten Vorwürfen gegenüber den alten Kolonialmächten, den daraus bis heute noch bestehenden Strukturen der Oligarchie, also den geschäftlichen Beziehungen mit der jeweiligen Oberschicht, den einseitigen und dominierenden Handelsverträgen, die keine Einfuhrzölle gestatten wollen, die notwendig wären, um eigene Industrien aufzubauen (wie es die alten Industrieländer alle gemacht haben!), befindet sich Afrika in einer besonderen Situation als Kontinent vielfältigster tribaler Kulturen mit vielen Sprachen und rein agrarischen Strukturen.

Und jetzt kommt dazu, wie es zuerst in allen aufstrebenden Ländern war, mehr oder weniger hohe Geburtenrate bei sinkender Geburtensterblichkeit, geringere Todesrate durch Krankeiten und ein längeres Leben. Natürlich ist das zu begrüßen, aber ich vermute mal, dass Afrika nicht die Voraussetzungen hat wie China, über eine riesige Zahl von Menschen ein politisches Einheitssystem zu setzen, um genau das gleiche alte chinesische Problem des Bevölkerungswachstums zu stabilisieren. Zudem kommt folgendes bekanntes Phänomen hinzu (was ich gut nach empfinden kann, da ich ebenso handeln würde), diejenigen Menschen in Afrika, die eine gute Ausbildung erlangen können, bleiben nicht im Land, sondern gehen dahin, wo die Lebensverhältnisse einfach besser sind. Es sei denn im eigenen Land wäre für die Familie in absehbarer Zeit ein gutes Leben möglich, dass nicht bei kleinen Anlässen wieder ins Chaos gestürzt wird. Institutionelle Erfahrungen müssen erst erworben werden und das dauert eben. Afrika wird also noch zu einem größeren Problem werden, so oder so. Aber vielleicht sind die Afrikaner auch klüger und schlagen einen anderen Weg ein, der unserem nicht entspricht. Nur, die Konsumwelt ist überaus attraktiv!

Wenn allerdings die Welt insgesamt betrachtet wird, also quantitativ, dann dürfte allein der Wohlstandsfortschritt mehrerer 100 Millionen Chinesen den Absturz in anderen Regionen kompensieren. Aber diese Statistik hilft jenen auch nichts!

Was den Mann mit dem "Biber auf dem Kopf" betrifft, ja, das ist eine unkalkulierbare US-Größe, die aber die Zerrissenheit der USA repräsentiert. Was aus diesem Hirn noch entspringt und wie viel Raum diesem Chaoten gegeben wird, hängt auch von widerstandsfähigen europäischen Staaten (Politikern) ab, die immer noch am Rockzipfel der USA hängen "wollen", sowohl ideologisch als auch geostrategisch, insbesondere der NATO: nur, wo sind die?

Und die in Deutschland nach oben gespülten Politiker repräsentieren ziemlich gut den Durchschnitt der satten Wohlstandsbürger, die eher für das weiter so, als für neue und notwendige Strukturänderungen zu haben sind. Und das liegt nicht nur am Bildungsmangel!

LG Paul

Antwort auf pleifel  zum Kommentar Pfeife rauchen,
 

Ich fange nur einmal mit Afrika an: Der Kolonialismus hat ja nicht nur massenhaft geraubt, gemordet und Menschen versklavt - wenn man sich alleine die triumphalistischen Photos der Kolinialherren anschaut, kann einem wirklich schlecht werden, sondern selbst regulatorische Mechanismen der Konfliktlösung und Jurisdiktion zerschlagen. Alleine die Grenzziehungen, die völlig an der ethnisch-sozialen Struktur vorbeigingen, waren brutale Eingriffe in das Sozialleben, aber auch wirtschaftliche Leben des Kontinents.

Das Problem nach der Dekolonialisierung war, dass die Afrikaner gezwungen waren, um überhaupt als politische Subjekte international sich vertreten zu können, im Nachhinein koloniale Eingriffe positiv sanktionieren mussten: Sie konnten sich nur als "Nationalstaaten" vertreten, die just dadurch diese kolonialen Grenzziehungen im Nachhinein zementierten. Auch mussten sie hierfür zwangsläufig diejenigen 'Eliten' zu nationalen erheben, die sich zufällig aus koloniale Züchtung von Handlangern des europäischen Kolonialismus kristallisiert hatten. Diese waren aber tribalistische, doch so eingesetzt und gewählt, dass sie in ihrer spezifischen Funktion selten als Repräsentanten fungieren konnten. (Die Engländer hatten jahrhundertelange Erfahrung im perfiden divide-et-impera-Spiel und es war nie ihre Absicht, durch ihre Kolonialstruktur Gebilde zu schaffen, die zur kollektiven Selbstrepräsentation fähig gewesen wären.) Dass weiterhin internationale Organisationen, westliche Konzerne und dominante westliche Regierungen immer wieder Verträge so mit diesen Ländern schlossen, dass deren kontraktive Modalitäten völlig an unten entwickelten Konfliktlösungsstrategien vorbeigingen, hat diese Fremdheit immer wieder zementiert. Zudem wurden dadurch immer zwischentribalistische Konfliktszenarien geschaffen, die den ehemaligen Kolonialmächten dann den Anlass für vermeintlich konfliktlösende Interventionen verschufen, die die Probleme erneut verschärften.

Erst jetzt ist die African League seit etwas mehr als einem Jahrzehnt dabei, eigene institutionelle Rahmen zu schaffen und die eigene Sozial- und Rechtsgeschichte so aufzuarbeiten, dass sie überhaupt institutionalisierbar und damit auch nach außen vertretbar ist. Vorbild einerseits, Abgrenzungsobjekt im Vergleich andererseits ist hierfür die EU. (Dass aber offenbar bereits die Angleichung west- und osteuropäischer Maßstäbe in Europa sich als derart schwierig erweist, hat auch hier zu Ernüchterung gegenüber Europa geführt.)

Das Problem generell - und hier scheint mir auch Deine eher euro- wenn nicht sogar germano-zentristische Sichtweise kennzeichnend für das, was auch in unseren Medien sichtbar wird, ist die Erachtung der europäischen Ideengeschichte als universal gültig, die dann aber noch unter Ausblendung der extraterroterialen Folgen europäischer Poltik erfolgte. Wir sind geneigt, die Aufklärung dahingehend zu fetischisieren, dass wir ihren Rechtsbegriff für einen anthropologisch bedingten und verallgemeinerbaren halten. Entwickelt hat er sich schließlich aus dem Naturrecht, das auf west-römisch-christlich sekularisierten Vorstellungen beruht und grundlegend dualistisch strukturiert ist. Beispiel: Wir unterschieden zwischen kirchlichem und säkularem Recht (schon im Mittelalter), zwischen Privatrecht und öffentlichem Recht, zudem auch Staatsrecht gehört. Meine Tochter hat z.B. über den Iran gearbeitet, eine Jahrtausende alte Kultur, die - auch schon vorislamisch - eine Dreiteilung der Rechtsbereiche kennt. Hier gibt es Privatrecht, das den Staat viel rigoroser ausschließt als unseres. Dann gibt es ein öffentliches Recht, dass staatlichen Autoritäten Dinge erlaubt, die wir als repressiv empfinden. Aber es gibt einen dritten einen Zwischenbereich, der Gegenstand härtester Auseinandersetzungen ist zwischen staatlichen Autoritäten und Bürgern, die reichlich anarchisch-frech geführt werden. Diesen drei Rechtsbereichen entsprechen übrigens auch stadtarchitektonisch unterschiedliche Bereiche alter persischer Städte: Traditionell gehört der Basar dazu. In heutiger Zeit ist aber auch das Internet ein solcher Zwischenbereich. Junge Perser kämpfen hier offen in Tweets und Blogs gegen Vertreter der Autoritäten, teilweise in tradierten Textformen, die mehrere tausend Jahre zurückgehen. Meine Tochter lernt gerade Farsi - und ihre Lehrerin, eine junge Frau aus Teheran, regt sich immer fürchterlich auf, wenn hier in der Presse über den repressiven Iran gewettert wird (als sei der identisch mit dem Wächterrat, über den sich die Iraner selbst laut und unmissverständlich selbst Luft machen), aber die eigentlich relevanten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen gar nicht wahrgenommen werden von westlichen Beobachtern, weil die auf ihr duales Wahrnehmungsraster fixiert sind.

Das heißt: Es ist überall auf der Welt eine Menge an sozialpolitisch aktivierbarem Handlungspotenzial erhalten geblieben, auch in konstruktiver Hinsicht, in dessen Wirksamwerdung westlich dominierte Akteure und Organisationen immer wieder reinhauen (aus hegemonialen, oft geschäftlichen Motivationen, teilweise aber auch aus blanker Dummheit) ohne sie zu begreifen, andererseits hat aber die Adaption westlicher Denkmuster bei einem Teil der Bevölkerung die kolonialen Konflikte als Binnenkonflikte in diese Gesellschaften injiziert. Thinktanks und Netzwerke fachen das daraus resultierend Konfliktpotenzial gerne auch immer wieder an - was die Wut gegen den Westen erhöht.

Vor allem hat sich aber auch in den Gesellschaften (wie hier auch) durch diese nichtreflektierte und von machtpolitischem Missbrauch durchzogene Mischlage eine entwurzelte prekarisierte Schicht gebildet, die - wie die nationalistische Rechte hier - immer wieder zur Eskalation aufgeladen werden kann; die also nirgendwo mehr richtig sozialisiert ist. Es sind - sozusagen - 'freie Radikale' in unbestimmter Menge, die jederzeit zu suizidalen Zerstörungstaten aufgestachelt werden können. (Mit der Instrumentalisierung des IS hat auch hier der Westen ein übles Instrument seiner Machtpolitik gemacht, die jederzeit auf uns zurückschlagen können.)

Fakt ist, dass eine Befriedung der Welt unter hegemonialer Durchsetzung westlicher Primate nicht mehr möglich ist - und dasss Europäer (die USA halte ich hier für unbelehrbar, zumindest solange sie noch von dieser reaktionären weißen Oberschicht dominiiert ist) - wie alle anderen lernen müssen, durch unterschiedliche kulturelle Brillen zu gucken, d.h. neu zu verstehen, statt immer nur unbedacht von oben herab zu be- und verurteilen.

Was aber die gesamte Rechte ebenso macht wie die Neoliberalen, ist die komplette Verweigerung eines multiperspektivischen Blickwinkels. Die neoliberale Variante des westlichen Suprematismus unter dem Blickwinkel, dass eh alle werden wollen wie sie (während ihre Verbindung zur eigenen Bevölkerung bröckelt), die Rechte, weil sie ein irreales Bild der eigenen Kollektivexistenz verabsolutiert (das noch nicht einmal stimmt.) Da beide aber suprematistisch denken und nationalistisch, indem sie den nur durch nationalstaatliche Machtinstrumente zu gewährleistenden Primat der eigenen privilegierten ökonomischen Existenz für selbstverständlich halten, ist es der gleiche alte Kaffee nur in unterschiedlich angepinselten Tassen.

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" Jede existierende Friedensdemo ist eine, der eigene Stadtrat, der Landtag, die täglichen Protestbriefe, die man nach Berlin schicken kann, jedes Gespräch mit Bekannten, Kollegen, Nachbarn: Erzeugung einer kritischen Protestmasche, so gewaltig wie möglich, ist das Primäre, alles andere hilft uns nicht weiter."

- Prinzipiell richtig und es gibt ja schon Linke und Rechte, die konkrete Forderungen stellen. Z. B. nach einem Ende der propagierten Feindschaft zu Russland und Nicht-Einmischung in die Belange anderer Staaten.

Es gibt auch Aufklärungsarbeit, die in diesem Zusammenhang von Vertretern von "Internationalisten" und "Pragmatikern" (um Heinz Anregung zur Vermeidung der Begriffe "Linke" und "Rechte" umzusetzen) zwar (zu) selten gemeinsam, aber oft immerhin parallel betrieben wird. Z. B. über die wahren Hintergründe der "Kriege für Demokratie und Menschenrechte", die großen Gefahren von Überwachungstechniken und Datenmißbrauch, die Machtverhältnisse bezüglich der Großmedien, die Gefahren einer EU-"Vertiefung" und der Bargeldabschaffung sowie noch ein paar mehr.

Der gravierende Unterschied ist immer noch, daß Neue Rechte (aber auch immer mehr eigentlich Linke) die forcierte Massenimmigration im Kontext mit der unipolaren Weltordnung der multinationalen Konzerne und der damit verknüpften Rest-Macht des mit ihnen kooperierenden militärisch-industriellen Komplexes betrachten.

Internationalisten dagegen möchten (obwohl sogar ihnen das anhand der Realität täglich  schwerer fallen muß) darin weiterhin eine Chance "für die Menschheit" und die sehnlichst erwartete Revolution sehen. 

Dabei bleiben die meisten die Antwort auf die Frage schuldig, was sich für welche Menschen auf der Welt denn ökonomisch oder emanzipatorisch zum Besseren verändern soll wenn in Deutschland Verhältnisse wie in Somalia herrschen.

Abgesehen von Forderungen wie "no borders, no nations" und "Grenzen bitte offenhalten", denen sich Rechte natürlich nicht anschließen werden (da stehen wir im Ernstfall tatsächlich auf gegenüberliegenden Seiten von Barrikaden), sollen denn an "Stadträte und Politiker" u. a. darüberhinaus konkret gestellt werden ? - "Weltrevolution jetzt!", "Stürmt die Börsen und die Anwesen der Reichen!" oder was wird da angedacht?

Wenn´s auf "Seid alle bitte lieb und solidarisch miteinander" heruntergebrochen wird, wär´s doch tatsächlich sinnvoll, u a. bezüglich der Glaubwürdigkeit und Realisierbarkeit der eigenen Ideen, damit erstmal HIER anzufangen. Dabei sollten (bzw., wenn´s ernstgement ist, müßten) dann, auch wieder hinsichtlich Glaubwürdigkeit und Realisierbarkeit, die nicht nur potentiell sondern zum Teil schon akut gewaltbereitesten Anwesenden nicht länger ignoriert, sondern gezielt adressiert werden. Sonst ist die ganze Idee ("internationale Solidarität und konsensuelle Problemlösungsstrategien auf nternationaler Ebene") von vorne herein desavouiert.

- Ich habe mir Mühe gegeben, meine Gedanken möglichst wenig konfrontativ auszudrücken.

 

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Mit welcher Forderung?
 

Die mehr als 600 Millionen Menschen, die zur Zeit weltweit nomadisiert wurden, sind nicht unterwegs, weil irgendwer eine Willkommens-Rhetorik abgesondert wird, sondern weil ihre Gesellschaften volkswirtschaftlich, durch Krieg und durch Monokulturen, Klimawandel und die Umweltgifte unserer kapitalistischen Lebensweise schlicht zerstört wurden. Sie sind das Produkt einer globalen Raubwirtschaftsform, die immer noch schlimmer wird. In zehn Jahren sind es Milliarden, die herumströmen werden - und sie gehen dahin, wo es noch am längsten etwas zu beißen gibt, bis es überall gleich trostlos ist.

Guck Dir einfach mal an, wie viele Millionen Hektar jedes Jahr durch Monokultur, Rodung und Vergiftung veröden - und dann guck Dir die Entwicklung der Weltbevölkerung an. Wasser wird Mangelware - und Menschen werden dafür millionenfach morden.

Das ist eine Realität. Und es ist auch eine schlichte Realität, dass sich nirgendwo junge Menschen, die noch Kraft im Leib haben, kampflos ins Krepieren ergeben werden. Sie werden sich zur Wehr setzen und alles versuchen, irgendwo leben zu können. Ganz egoistisch.

Die Forderung nach Solidarität ist folglich keine sentimentale, sondern eine analytisch reflektierte und pragmatische. Es ist einfach faktisch so, dass wir entweder dafür kämpfen, dass global Menschen existieren können oder überall die Hölle ausbricht. Wenn wir unsere Wirtschaftsweise nicht an die Lebenserfordernisse anderer Menschen, deren Rohstoffe und Märkte wir an uns reißen, anpassen, werden die Folgen dieser Form des Wirtschaftens irgendwann nicht nur die politisch schwachen Länder, sondern auch die des reichen Nordens erfassen.

Bereits in Griechenland haben 40% der KInder keine Krankenversicherung mehr. Ein Drittel sitzt morgens hungrig im Unterricht. Und das ist EU-Europa. In Moldawien ist die Durchschnittsrente 50 Euro pro Monat. Kinder sind weggezogen aus den Dörfern. Dort leben teilweise 10 Leute im Durchschnitt von 75 Jahren, jeder mit 50 Euro Rente und 80jährige pflanzen sich noch ein paar Kohlköpfe und Stangenbohnen hinters zerfallene Haus.

In zahlreichen afrikanischen Ländern leben die Leute von 2-3 Euro am Tag, während die Trinkwasserreservoirs täglich schrumpfen. In Lybien ist die durchschnittliche Lebenserwartung seit der Ermordung Gaddafis um 20 Jahre gesunken - das entspricht der Sterberate der Sowjetunion zur Zeit des Hitlerkriegs. Hauptgrund: Völlige Zerstörung der Infrastruktur und Volkswirtschaft. Nur räuberische Kriegsökonomie und illegaler Rohstoffverkauf an Banden funktioniert noch. Wie soll da einer, der nicht morden will, nicht auswandern wollen? Und es verschlimmert sich immer weiter -- jährlich. Stell Dir vor, die USA zerlegen jetzt noch den Iran: Ein 80 Millionen starkes Volk, das im Durchschnitt 26 Jahre ist (ergo: in zehn Jahren über 90 Millionen umfassen wird.) Wenn die daraus ein Drittweltland machen - durch Krieg: Dann gute Nacht.

Es lässt sich einfach nicht bewerkstelligen, dass 90% der Erde höllisch werden, aber 10% der Menschheit, die das verursacht haben, in einer heilen Welt der Gartenzweige leben. Das ist unrealistisch - und es ist ziemlich dumm zu meinen, das könne funktionieren.

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Aha: Diese Leute dürfen also "ganz egioistisch" andere Länder erobern und deren bisherige Bewohner - darauf läuft´s dann hinaus - versklaven oder töten?

Und diese bisherigen Bewohner müssen das aus Gründen "rerbter Schuld" lächelnd akzeptieren, bzw. sollen sich lieber gleich selbst töten, zumindest aber alles aufgeben, was sie und/oder ihre Vorfahren aufgebaut haben?

Und das nennt sich dann "Humanismus" und "Solidarität"?

Was haben die jetzt schon armen Kinder und Alten in Europa dir getan, die dabei zu den allerersten Opfern gehören werden? Wer von denen hat woanders Brandrodung betrieben oder Kriege angezettelt? Was können diese Leute für die extrem hohen Geburtenraten in anderen Ländern?

So eine Gedankenwelt ist einfach nur...bizarr.

Bevor ich mich nun kontemplativ mit meiner bevorstehenden Erschießung (denn ich werde unser Haus NICHT widerstandslos räumen) und dem anempfohlenen, prophylaktischen Selbstmord-Gedanken beschäftige, möchte ich abschließend noch sagen, daß ich niemanden "in den Rücken" schießen werde, denn das würde ja Gewalt gegen Leute bedeuten, die vor mir davonrennen.

Allerdings würde ich im Ernstfall sehr wohl (vorausgesetzt, ich hätte was, mit dem das geht) auf Leute schießen, die mich, meine Familie, meine Nachbarn oder den darüberhinausgehenden, persönlichen Bezugsrahmen (inklusive der von manchen so verpönten Nation und deren Staatsgrenzen) ANGREIFT, um sich meines/unseres Lebens, meiner/unserer Kultur und meines/unseres  Besitzes zu bemächtigungen bzw. selbige zu zerstören.

Wenn alle Leute, die ebenso handeln würden, sollten sie durch Angriffe dazu gezwungen sein, dadurch "Faschisten" werden, dann mein Beileid, unter so vielen "Faschisten" (ca 99,9 % der Weltbevölkerung) leben zu müssen. Mit deren "Solidarität" würde ich bei Thesen, die auf "Eroberern ist nachzugeben, da niemand ein Recht auf einen eigenen Platz hat" allerdings nicht rechnen. Weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene.

Wünsche dir trotzdem ein friedliches und erfreuliches Leben.

 

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar "Ganz egoistisch"
 

Du hast wirklich einfach nur einen Knall, Raphaela. Araber, die hier leben, versklaven Dich also? Die Jungs sind im Schnitt unter 30 - die wollen von Dir gar nichts. Für die bist Du eine Greisin, die sie im Traum nicht anpacken würden. Würdest Du sie dazu auffordern, wären sie höchst unglücklich. Glaub mir, ich habe mit 40 solcher Jungs beruflich zu tun. Für die bin ich allenfalls eine Art Mama-Instanz, aber sonst gar nichts.

Man ist also frei in einem ethnisch homogenen Käfig und "versklavt", wenn man mit Menschen anderer Ethnie zusammen lebt? Ich würde Dir wirklich mal raten, auf Kakaoplantagen die Schokoladenriegel, die Du in Deinem Leben verputzt hast, abzuarbeiten unter den Bedingungen, unter denen der Kakao gewonnen wurde.

Dann weißt Du vielleicht, wie sklavenhafte Arbeitsbedingungen sind. Man merkt aber an dem, was Du von Dir gibst, wie Deutschland das Land der Massenmörder von Auschwitz und Buchenwald werden konnte.

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar "Ganz egoistisch"
 

"Aha: Diese Leute dürfen also "ganz egioistisch" andere Länder erobern und deren bisherige Bewohner - darauf läuft´s dann hinaus - versklaven oder töten?"

Wer erobert wo andere Länder?
Und es läuft aufs versklaven und töten hinaus?

Diese Denkstruktur ist Gottseidank für 99,9 % der Weltbevölkerung nicht reprtäsentativ.

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Antwort auf Ludwig  zum Kommentar Meinst du das wirklich, Raphaela?
 

...lesen bildet. Hab ich zweimal gemacht. Erobern, versklaven, töten sind dort maßgebliche Handlungsanweisungen.

Die Diskussion war insofern sehr gut, daß Leute wie ich jetzt wissen, woran sie sind, keine unbegründeten Illusionen mehr hegen und keine Lebenszeit mit sinnlosen Kommunikationsversuchen mehr verschwenden. - Danke dafür und passt auf euch auf.

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Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Koran
 

denn wenn Zahlen in den Raum geschmissen und unpassende Kriegsvergleiche gezogen werden, als Deutschland auf einer verkleinerten Restgröße etwa 12,5 Millionen Ostflüchtlinge deutscher Herkunft aufnehmen musste, dann kann ich nur denn Kopf schütteln. Denn hier wurde niemand gefragt und zuständig waren auch noch die Besatzungsmächte!

Deutschland ist als eine Gesellschaft mit über 80 Millionen Einwohnern eine organisierte Struktur gemeinschaftlicher Leistungserbringung (Pflichten und Sozialleistungen), die von den hier lebenden erbracht werden. Da die zur Verfügung stehenden Mittel aus den Steuern, Sozialabgaben, Gebühren usw. über den Staat (Länder, Gemeinden) wieder in den Kreislauf zurückfließen (sollten), wie es auch bei der solidarischen Rentenkasse und Krankenversicherung der Fall ist, liegt es wohl in der Selbstbestimmung der Mehrheit des Volkes, wie aus diesem Kreislauf Mittel entnommen werden und auf externe "Faktoren" verteilt werden.

Ich benutze hier mal das Wort Faktoren, da das Geld (Kapital) ja auch in anderen Senken verschwindet, die nicht der Gesellschaft allgemein mehr zur Verfügung stehen (bzw. dem einzelnen entzogen werden), weil die Eigentumsverhältnisse entsprechend sind.

Was geht oder nicht geht steht also erst einmal nicht aufgrund der tatsächlichen Möglichkeiten im Vordergrund, sondern die reine Finanzierbarkeit und aus welchen Quellen das geschehen soll. Wobei es natürlich auch nicht unerheblich ist, was mit dem Thema Integration, Integrationsfähigkeit, Multikulturalismus, Kultur usw. zu tun hat. Wenn nun Linke dahingehend präziser argumentieren wollen, sind es gerade die anderen Linken, die das für abwegig halten.

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Koran
 

von der nur noch 30% der Schüler deutsche Großeltern hatten. In meinem jetzigen Deutsch-LK gilt das nur von drei von 20 Schülern. Und das ist der netteste Haufen, den ich in vierundzwanzig Berufsjahren hatte. Übrigens haben wir auch seit zwei Jahren drei Flüchtlingsklassen - und trotzdem ist bisher weder Mord, Totschlag noch ein Sexualdelikt bei uns vorgekommen.

In den 70er Jahren war übrigens die Quote von Opfern von Gewaltverbrechen mit Todesfolge in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie heute. Von den 50ern und 60ern gar nicht zu reden. Kinder, die damals aufwuchsen waren reichlich gefährdet von einer erwachsenen Männerklientel, die die Unsitte des Mordens und Vergewaltigens so über mehr als fünf Jahre exzessiv an Slawen, Juden und Romas ausgetobt hatten, dass sie sich zu Hause auch nicht mehr abgewöhnen konnten, damit weiterzumachen. Vom körperverletzenden Prügeln von Kindern ganz zu schweigen.

Die Verhältnisse in Kinder- und Jugendheimen damals, die Du bei Ulrike Meinhoff (noch vor ihrer RAF-Zeit) nachlesen kannst, waren ziemlich repräsentativ für große Teile der verrotteten Nachkriegsgesellschaft. Dein faschistoider Dünkel ist von daher nur eines: durchgeknallt, hassverzerrt, meinschenfeindlich - und das alles sowas von.

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bin ich eher bei Dir!

Nur sprichst Du primär von Deinem (beruflichen) Umfeld. Mein Umfeld sieht da möglicherweise etwas anders, wesentlich differenzierter aus; sowohl das Vermögen zur verbalen Artikulation (formales Bildungsnievau), als auch im Hinblick auf die vertretenen Inhalte.

Insofern mag nicht jeder, nicht jede in der Lage sein, die Inhalte hier adäquat, politisch korrekt niederzuschreiben, aber der Rückzug in die heimelige, selektive, (auch) berufsbedingte Echokammer scheint mir -für alle Seiten- nicht wirklich zielführend.

Was da draußen gesellschaftspolitisch passiert, das hat qualitative, in jedem Falle quantitative Ausprägungen und realpolitische Auswirkungen; welche auch bei allem Wohlwollen nicht negiert werden sollten. Denn der nächste Schritt, in Sachen einer Einhegung unbotmäßiger Meinungen kann nur kontraproduktiv wirken; so oder so ...

Btw. "Bambule" von Ulrike Meinhof habe ich damals gelesen, gesehen, ist aus meiner Sicht nur partiell vergleichbar.

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Mit welcher Forderung?
 

Raphaela,

du schreibst von Masseneinwanderung (was rechtlich gar nicht möglich ist, wenn man von EU-Arbeitsimmigranten absieht), verkennst aber völlig die Dimension.
Wenn ein Staat wie die Bundesrepublik, welcher von der internationalen Arbeitsteilung und anderen Verflechtungen stark profitiert, schon ein Problem damit hat, auch nur 5 % der Bevölkerung zusätzlich abzupuffern.
Wie es damals war, als 15 Mio aufgenommen werden mussten, Deutschland aber (angeblich) am Boden war, will ich mir gar nicht vorstellen. Die Märchenargumente, welche dann geäussert werden, kenne ich. Eine Nachricht (ohne Informationsgehalt) ist mir darum nicht wichtig.

Der größte Teil der "Zuwanderung" geschieht über EU-Immigranten und aus diesem Personenkreis rekrutiert sich auch der, welche die "dreckigsten" und undankbarsten Arbeiten in diesem Lande verrichten.

Flüchtlinge nach der Genfer Konvention und Asylberechtigte sind per se keine "Zuwanderer" in dem Sinne, wie sie dem Einfaltspinsel "Deutscher Michel" verkauft werden.
Aber dieser arbeitet sich lieber an Scheinproblemen ab, welche aufgrund der Deutschmichelsen Zauberkraft, alles auf einen Nenner bringen zu können, sofort gelöst wären, wenn denn endlich ihm das Ruder überlassen würde.

Mit Wahnparolen lassen sich zwar Bierzelte füllen und johlender Applaus provozieren, haltbare Lösungen werden aber nicht erarbeitet. Ich sage bewusst erarbeitet, weil die KENNTNISLOSEN überhaupt noch nicht begriffen haben, dass dies ein anstrengender Prozess ist.

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Schade.
 

" Das ist aber kontraproduktiv - ob das die identitäre antideutsche Pseudolinke tut oder die jetzt aufgeregt nationalistisch sich definierenden Leute. "

- Ich sehe bei den Neuen Rechten keinen Nationalismus, auch bei mir nicht. Nationalismus bedeutet ja "Wir sind besser als alle anderen" . Patriotismus (auch Verfassungspatriotismus) dagegen heißt "wir gehen unseren eigenen Weg, der zu uns passt" sowie "Wir wollen das Eigene schützen unter Achtung des Eigenen anderer".

" Denn beide Haltungen bestätigen die neoliberale Logik des Brachialkapitalismus als "alternativlos", wie er sich selbst gerne sieht. Fakt ist aber, erstens, dass Nationalismus wie Globalismus Produkte des gleichen politisch-ökonomischen Prozesses sind - und es den Widerspruch zwischen "Globalismus" und "Nationalismus" einfach faktisch nicht gibt - solange jemand auf kapitalistischer Basis in seinem Denken verhaften bleibt. "

- Ich übersetze deinen "Nationalismus" mal mit (pragmatischem) "Patriotismus" und widerspreche dieser Theorie.

" Die sogenannten "Globalisten" sind ebenso nationalistisch wie die national argumentierende Rechte zwangsläufig globalistisch ist,"

- Nein: Die Globalisten können ihr Kapital jederzeit verlagern und haben i. d. R. verschiedene Wohnsitze auf der ganzen Welt. Sie sind daher ganz bestimmt keine Patrioten oder Nationalisten.

"...weil die Krise des globalen Kapitalismus längst soweit ist, dass in dem fragilen Gesamtsystem einzelne Spieler ihre relative Stabilität - wie wir sehen - durch kriegerische Zerlegung aller potenziellen Konkurrenten noch ein wenig aufrechterhalten wollen. Dafür müssen sie aber zwangsläufig auch nationalistisch sein, da militärische Handlungssubjekte für westliches Kapital nun einmal nationalstaatlich organisiert ist. Die EU ist da auch nichts anderes als die Verlängerung des nationalstaatlich durchgesetzten Interesse vor allem des deutschen Kapitals."

- Da ist was dran, aber die (treffend so bezeichneten) Spieler (Globalisten) brauchen für ihren Lebensmittelpunkt/als Basis keine Nationalstaaten, sie können ihre Imperien auch von irgendwelchen Schiffen führen und ihr Kapital ebenfalls offshore nutzen, lagern, umverteilen. Was sie bekanntlich auch tun.

" Dass aber die Krisendynamik des globalen Kapitalismus, der alle seinen natinalstaatlich organisierten Säulen miteinschließt, auf einen riesigen Crash hinausläuft, ist aber einfach objektiv gegeben. "

- Ein weiterer Crash ist zyklisch überfällig und vorhersehbar.

" Dieser Crash kann in einer unkontrollierten Kriegsdynamik zum großen kriegerischen und in einer Konfliktspirale dann sogar nuklearem Showdown eskalieren - dann wäre dies das Ende der Menschheit. "

- Das war bisher die "klassische" Variante, die aber glücklicherweise dank veränderter, globaler Machtverhältnisse aktuell unwahrscheinlicher geworden ist. Stattdessen befinden wir uns seit einigen Jahren in einem WWIII der asymmetrisch-ökonomischen Art, in dem die realen Kampfhandlungen auf regionaler Stellvertreterebene stattfinden.

" Oder er kann zu einem Weltwirtschaftscrash werden, gegen den die Krise von 1929 nur ein zartes Hüsterchen war. Dann wird es gleichfalls dramatisch, weil angesichts des im Vergleich zu damals drastisch geschrumpften Subsistenzvermögens der viel stärker urbanisierten Menschen heute sich dann Leute wirklich wegen Nahrungsresten an die Gurgel gehen werden. "

- Dieses Szenario ist leider sehr wahrscheinlich. Die Chancen für friedliche Kooperation zur Organisation des dann unter Katastrophenbedingungen stattfindenden Alltags wird nochmal erheblich erschwert durch die Heterogenisierung der (insbesondere) urbanen Bevölkerung sowie das damit (nicht mehr leugbar) erhöhte, importierte Gewaltpotential und die damit einhergehende Schwächung von Solidarisierungseffekkten.

Der identitäre Diskurs ist also eine Verdummungsstrategie,.... sondern weil es eine objektive politisch-ökonomische Krise gibt.

- Zustimmung, allerdings von einem anderen Blickwinkel aus: Die Aufsplitterung der Gesellschaft in immer kleinere und immer schärfer voneinander sich abtrennende Minderheiten, die die Globalisten gegeneinander antreten lassen, ist in der Tat eine ausgeklügelte divide-et-impera-Strategie. Die Identitätspolitik der Neuen Rechten ist eine Reaktion darauf und will versprengte Gruppen wieder zusammenfassen (und zwar nicht nur "arische Weiße") um das, was die Globalisten zerstören, zu bewahren. In erster Linie die Nationalstaaten, denn es gibt für sie aktuell keine realistischen Alternativen.

"Wer sie wahrnimmt, sieht, dass der Kaptialismus gerade sich gerade in gigantischem Ausmaß selbst zerstört - aber alles andere mit ihm eben gleich mit. Die faktische Fragmentierung von Produktionsprozessen durch die Globalisierung ist so weit fortgeschritten, dass in dem Moment, wo er zusammenbricht, auch die Versorgungsketten der Ernährung und Erhaltung eines Großteils der Menschheit kollabieren. Es ist nicht mehr damit getan, dass die Arbeiter die Fabriken übernehmen - egal wie gerne man Herwegh-Nostalgik anschalten möchte."

- Problem erkannt, aber Lösungsweg verweigert: MEHR Fragmentierung und Globalisierung verschlimmern die Problematik. Regionalisierung und Inkludierung statt Fragmentierung sind die erfolgversprechenderen Ansätze.

" Und natürlich ist das Dilemma nur international zu lösen. "

- Bezüglich der grundsätzlichen Ausrichtung unbedingt: Den größten Teil der globalen Probleme haben die Globalisten verursacht und mitverursacht (die Kriege aus ökonomischen und geopolitischen Gründen hast du  ja schon angesprochen). Daher ist es wichtig, ihnen (z. B. inform des mit ihnen verbandelten MIK) die letzten Zähne zu ziehen und die schon bestehende, multipolare Weltordnung vom "Baby-Status" auf sichere Füße zu stellen.

" Denn es mag ja in noch relativ stabilen Zeiten, wie Raphaela den Anschein hat, die Familie einem näher scheinen als die Nachbarn"

- Die Familie IST einem i. d. R. näher als jede andere Gruppe. Das merkt man besonders in persönlichen und allgemeinen Krisenzeiten. Solidarität innerhalb von homogenen Kleingruppen ist das evolutionäre Überlebensmodell von Menschen gewesen und ist es immer noch. Keine Utopie ("internationale Solidarität mit Fremden") ist stärker als die Natur.

" Wenn sich dazu abermillionen Afrikaner endgültig verdammt sehen, die bei ihren europäischen Nachbarn noch voll Vorratskammern vermuten, werden sie zu Berserkern und werden die "Festung Europa" mit einem Furor stürmen, den keine EU-Armee mehr aufhalten wird. "

- Guck dir mal Videos von Grenzstürmungen bei Ceuta etc an, dann siehst du, daß das jetzt schon passiert. - Was nicht heißt, daß man in Europa einfach aufgeben und alles zum Plündern freigeben sollte (noch dürfte: Einige fühlen sich dem, was Vorfahren und emanzipatorische Vordenker und -kämpfer erreicht haben, verpflichtet). Und es ist NICHT Schuld oder Verantwortung der Bewohner anderer Staaten und Kontinente, wenn Afrikaner ihre Geburtenregelung nicht in den Griff bekommen. Da kannst du gerne dominante Ausprägungen des Islam, Evangelikale ound den Papst für mitverantwortlich machen (die alle da, wo sie in Afrika Einfluß haben, Geburtenkontrolle nach Kräften verhindern), aber nicht die Europäer im Ganzen (zumindest nicht die  säkularen).

" Wenn global nicht mehr nur 60 Millionen, sondern Milliarden auf Wanderschaft sind, ist dies schlichtweg technisch nicht mehr möglich - da kann man sich noch so sehr in Ressentiments steigern. "

- Aha. Also lieber gleich Selbstmord begehen oder lieber noch ein bißchen abwarten, ob die Eroberer sich vielleicht "gnädig" erweisen und die Einheimischen nach ihren Bedingungen am Leben lassen, wenn sie sich unterwerfen und ihnen (weiter) dienen? - Sorry, in meinen Augen ist das (nicht persönich gemeint, aber auf die entsprechende Haltung) Zynismus und eine Art von Selbstzerstörungs-Masochismus. - Klassische Auswirkungen eines über Jahrzehnte indoktrinierten Schuldkults ("Wir sind alle schuldig, also haben wir den Opfertod verdient")

" Was ist also los? Man merkt an dem Unwillen unserer Funktionäre in Berlin, überhaupt eine Regierung zu bilden, dass vielen von ihnen das Ausmaß der Krise, zumindest dämmert. Poltisch handeln kann keiner von denen mehr wirklich"

- Zustimmung. Die sitzen aus verschiedenen Gründen in der Sackgasse. Nicht zuletzt, weil "the wind of change" ihnen täglich massiver in´s Gesicht bläst.

" Die völkische wie die genderistisch-grün-bourgoise Schreiklientel laufen als Cheer Leaders der politischen Eskalation hinterher und feuern sie an., was das Dümmste ist, was man machen kann. "

- Falls mit "völkisch" Neue Rechte gemeint sind: Wir laufen der Eskalation nicht hinterher sondern möchten sie - im Gegensatz zu den anderen von dir Genannten - gerne verhindern.

" Werners romantisch-revolutionäre Begeisterung für alternative Modellprojekte ist da schon konstruktiver, aber bleibt auch - mit Verlaub - naiv. Einen Krebspatienten heilt man nicht mehr mit Fußpilzpflaster. "

- M. E. sind solche Modelle aussichtsreicher und praktikabler als weiterhin auf Internationalismus-Utopien zu setzen.

"...dass wir es global zurückbauen und gleichzeitig, mit vereinten Kräften, verhindern, dass irgendein Teil der Welt in komplette Agonie fällt. Und dann gilt es in vernetzten Trial and Error-Verfahren - in internationaler Kooperation - eine stabile und nachhaltige multizentrische Ökonomie aufzubauen, die auch ökologisch nachhaltig ist."

- Versucht die Linke das nicht seit mittlerweile 100 Jahren? Und wie sollen Leute, die prinzipiell selbstmordbereit sind und ebenso bereit, die in Europa erreichte Emanzipation und Aufklärung gleich mitaufzugeben, irgendwen auf der Welt von ihren Vorstellungen überzeugen können? So nach dem Motto "Unsere Ideen sind so gut, daß wir uns für sie jetzt auslöschen lassen"? Statt potentielles Vorbild emanzipatorischer Lebensmodelle Vorbild in kollektivem Selbstmord? - Wen soll sowas überzeugen? 

" Dafür braucht es ein gemeinsames lautes NEIN gegenüber dem jetzigen Konfrontationsmodus, verbunden mit dem Eingeständnis, dass es aller vereinten Kräfte bedarf, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Und das kann nur SOLIDARISCH funktionieren: national wie global. Nicht weil solidarische Identitätsetiketten schicker sind als irgendwelche anderen: sondern weil es faktisch nur so gehen kann."

- Vielleicht wär´s eine gute, regionale Vorübung, bevor man an das globale "Wir" appelliert, sich erstmal am "Konfrontationsmodus" der Eroberungs-Vorhut abzuarbeiten und diesen jungen Herren "Solidarität" mit hiesigen Schwächeren beizubringen? - Wenn das funktioniert hat kann man dann mal weiter sehen und eventuell ist auch die "globale Gemeinschaft" nach diesem Kunststück bereiter, solche, dann ja sehr erfolgreichen, Protagonisten überhaupt erstmal ernstzunehmen.

" Der ganze identitäre Mist ist per se eine Konfrontationslogik. Eine solche kann sich nur muskulär durchsetzen. "

- Seltsam: Ich lese, höre und sehe gar keine "muskuläre Konfrontationslogik" von Rechten gegen Linke oder Migranten, sondern der Begriff (weniger das "-logik", umso mehr das "muskulär") scheint bisher fast nur auf die Aktivitäten der Eroberungsvorhut im öffentlichen Raum (aber nicht nur da) zuzutreffen.

"Ein auf Muskularität basierendes Verständnis aber hilft nur denen, die durch Verfügung von Kapital und militärischer Macht über hegemoniale Eskalationsdominanz verfügen. "

- Oh ja: Wenn auch Messer, Schlagringe und Gürtelpeitschen" (sowie die Fähigkeit, schnell große Kampfgruppen, z. B. gegen Polizisen, zusammenbringen zu können) als "militärische Macht" zählen, dann brauchen bestimmte Personenkreise gar kein Kapital, um ihre "Eskalationsdominanz" ausleben zu können (schöner Begriff übrigens, danke!)

" Wenn dir eine Kanone gegenübersteht, nützt es dir wenig, den Revolver zu zücken. In den 30ern glaubten die Kommunisten, Revolution predigen zu können, ohne über die notwendigen Reserven zu verfügen. "

- Wenn dir als schwächerer Mensch eine Überzahl vitaler, junger und gewaltaffiner Männer gegenübersteht, nützt es dir auch wenig, auf den Rechtsstaat zu vertrauen. Der wiederum immer noch zuverlässig dafür  sorgt, daß die Einheimischen unbewaffnet sind und bleiben.

" Das ging nur bei dem schwachen zaristischen Establishment auf - unter hohem Blutvergießen. "

- Aha: Die Zuwanderer als ersehntes, schlagkräftiges, neues "revolutionäres Subjekt" mit dem eeeeendlich "der Kapitalismus" besiegt werden kann. Verstehe.

" An anderen Stellen, an denen es wankte, behauptete sich das Kapital im zweifelsfall mit Hife des Faschismus.

- Aktuell in der Ukraine.

" Heute werden wir paralysiert durch ein umfassend vermachtetes Kommunikationssystem, das jeder bedient und aufrechterhält, der identitär argumentiert."

- Ach? Seit wann haben AfD oder die Identitären denn Einfluß auf Großmedien? - Diese Gruppe/n also bitte raushalten aus den "identitär Argumentierendebn", die  dort und darüber tatsächlich ihre Machtinteressen um-/durchsetzen. Dann stimmt´s.

"Aber alle diese identitären Facetten halten das globale kapitalistische Gesamtintegral intakt, damit aber eine Maschine in Gang, die sich selbst und uns alle aufzufressen droht wie die Maschine den Komandanten in Kafkas Strafkolonie. Es sind alles nur unterschiedliche Designs für diese Logik:

https://www.youtube.com/watch?v=-flKGPW9QCw

- Videogucken kann ich grade nicht (bin nicht alleine), denke aber, die Intention ach so verstanden zu haben: Sofortige internationale Solidarisierung mit anschließender Revolution zum Sturz "des" Kapitalismus...Siehe oben.

" Diese ganzen Scheingefechte sind kontraproduktiv, falsch, stützen das Falsche. Marx und Rosa Luxemburgs "Die Akkumulation des Kapitalis" zu lesen hilft verstehen, aber schon Kurzs rein negative Dialektik ist für die Tonne. Wir sind etwas, können uns nicht verneinen. Aber wir müssen begreifen, dass Existenz nur noch als solidarische möglich ist oder wir uns gleich begraben können. "

- Mit anderen Worten: Utopie sofort oder kollektiver Selbstmord (der Europäer natürlich)...Und dann wundert ihr (Vertreter einer solchen Haltung) euch, daß solche Kumbaya-sozialistischen "Lösungsvorschläge" immer weniger Anhänger finden? 

 

Nachtrag: Ich mag DICH, als Menschen, immer noch SEHR gerne, Anja. Genau wie viele, mir persönlich auch sehr liebe, weitere (in meinen Augen: echte) Linke. Im Gegensatz zu einigen darunter können die meisten Neuen Rechten zwischen Personen und Ideen/Ideologien bzw. politischen Positionen differenzieren.                              Uns blieb ja anfangs auch gar nichts anderes übrig, da wir so wenige waren, was im Nachhinein betrachtet, auf dieser Ebene (nicht der politischer Entscheidungen) einen Vorteil darstellt. Daher gilt nicht nur  für mich, daß egal wie konfrontativ Diskussionen ausgefochten werden, die menschlich-persönliche Ebene  davon nicht tangiert sein muß oder sollte.

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Auch nur kurz:
 

Deine ganze auf Ressentiment aufgebaute Märchenkonstruktion von Welt beruht auf Verweigerung jeden Wissens, wie der globale Kapitalismus faktisch funktioniert. Der Nahe Osten ist ebenso wie Afrika so, wie er ist, weil er nach den Bedürfnissen des europäischen Kapitalismus seit dem 16. Jahrhundert geformt wurde, bis zur Pressung der Menschen dort in Kriege, die von den kapitalistischen Zentren ausgingen, als diese einander an die Gurgel griffen - bereits ab dem 1. Weltkrieg. Und das Deutschland, das Du als "Vaterland" zu verteidigen meinst, ist in keiner Weise von dieser globalkapitalistischen Produktionsweise abstrahierbar. Das war Deutschland lediglich weitgehend bis zur französischen Invasion des Rheinlands vor 1794.

Auf nationaler Ebene lässt sich das schlichtweg nicht revidieren. Wenn Du Politik auf der Basis der Einbildung machen willst, dies sei anders, bis Du gleichfalls Gefolgsfrau des globalistischen Kapitalismus - und zwar seiner offen faschistischen Variante. Denn Selbstversorgung auf der Grundlagung von Subsistenzwirtschaft im eigenen Garten funktioniert erstens nicht für 80 Millionen auf diesem Territorium, zweitens sind die anderen Teile der Welt in dem Zustand, in dem sie durch die vom globalen Norden ausgehenden imperialen Wirtschaftsweise halt gebracht wurden. Und die Menschen dort werden, wenn dieser integrale globale Gesamtkapitalismus kollabiert, auch nicht bereitwillig in der Wüste, zu der der Norden ihre Länder gemacht hat, kollektiv krepieren, nur weil Du das willst. Und glaube mir: Wenn ganze Milliarden auf Wanderschaft gehen, kannst Du so lange mit Ballerbüchse Seit' an Seit' mit der Wikingjugend trainiert haben --- Ihr werdet sie schlicht nicht aufhalten können. Selbst wenn ihr von 500 Millionen, die mit ihrer ganzen Kraft durchs Mittelmeer ziehen, werden 250 Millionen durchkommen. Und dann noch einmal 250 Millionen von der nächsten Welle usw.

Es ist also schlicht faktisch so, dass wir es entweder global zu einer Solidarlogik bringen oder alle dran glauben werden. Fakt. Und glaube mir: Wenn Du wirklich zu denen gehören willst, die Flüchtlingen in den Rücken schießen, legen Leute wie ich gegen Leute wie Dich das Gewehr an. Vorher werde ich nicht schießen- aber wenn es sein muss, weil der nächste braune Zivilisationsbruch hier ansteht, durchaus. Denn was der bedeutet, weiß ich von denen, die in meiner Familie zwischen 1933 und 1945 als Nazigegner Verhaftungen, Folter und Exil erlitten. Nur über meine Leiche!

Die Vorstellung, Probleme, die global erzeugt wurden, könnten nur für eine exklusive Minderheit exklusiv auf Kosten des Rests gelöst werden, nennt man Faschismus. Wo der am Ende landet, ist historisch bekannt. Und mit einer Würdigung der eigenen Herkunftsgesellschaft hat er auch nichts gemein: Denn es ist keine Zuneigung zum vermeintlich eigenen, die sich in dieser Geisteshaltung ausdrückt, sondern allein das Ressentiment gegen andere: Dieses aber zur herrschenden Logik machen zu wollen, ist die schlimmste Entstellung, die man auch der eigenen Gesellschaft antun kann. Sie wird nämlich dann zur Negation von allem, was Humanität ausmacht.

Es gibt kein Exklusivrecht irgendeiner Gruppe von Menschen auf ein Territorium. Eigentum ist ein juristisches Konstrukt eben jenes Kapitalismus, der von allem Anfang auf Kolonialismus und Imperialismus beruhte. Deutsche heute waren selbst bis zu Beginn der Industrialisierung eine Mischpokenmixtur aus Kelten (40%), Germanen (10%), Juden (10%), Slawen (30%) und 10% Einsprengseln von Mongolen, Tartaren und allen MInderheiten des römischen Imperiums, die hier mal in den letzten 2000 Jahren durchströmten und ihre Gene hinterließen. 90% der Menschheitsgeschichte lebten Menschen als Nomaden, zwar tribalistisch verfasst, aber diese Stämme brachen immer mal wieder auf, verzweigten sich, vermischten sich und orientierten sich um.

Nationalstaaten aber sind erst Konstrukte der letzten 300 Jahre in einem winzigen Teil der Welt, der schon damals andere Teile gewaltsam aufmischte. (Die Deutschen allerdings lange als Söldner der Engländer oder Franzosen - bis sie 1885 auch mit dem Kolonialismus anfingen.)

Es gibt ergo schlichtweg KEIN NATURRECHT irgendeiner Gruppe von Menschen auf ein Territorium - sondern es war immer eine Frage des Kräfteverhältnisses, solange Politik muskulär war. Und Nationalismus ist sui generis muskulär. Wenn man bei dieser Logik bleiben will, kann man sich als Europäer selbst bereits ein Grab schaufeln (wenn es nicht lange vorher knallt): Denn wir sind ein winziger alternder Teil der Weltbevölkerung. Gegen 8,5 Millioarden des Rests der Menschheit haben Europäer keine Chance, ihr Exklusivrecht beizubehalten.

Wenn Du solche exzeptionellen Konstruktionen für Dich willst, dann bewerbe Dich bei der USArmee: Denn die sind die einzigen, die noch ihren Suprematismus andern aufzwingen können - noch, wohlgemerkt, nicht mehr lange.

 

Und noch einmal, Raphaela: Mit Zuneigung hat das nichts zu tun: Es geht um die Frage, was die Logik des eigenen Handelns ist. Jede Logik, die in Barbarei und Massenmord endet, muss bekämpft werden zur Verhinderung eben dieses Blutvergießens - und wenn meine eigenen Kinder ihr nachhingen (was sie zum Glück nicht tun). Dies gilt für alle massenmörderischen Konstruktionen, für die der brachialkapitalistischen US-Hegemonie, aber auch jeder deutschen Refaschisierung. Beides ist ein No-Go.

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Werte Raphaela,
 

Anja, 

wenn ich das richtig verstehe, herrschte bis zum Beginn der Indusrialisierung, weitestgehend eitel Sonnenschein auf der Welt, auf jeden Fall aber in den Ländern, die zu dieser Zeit (und auch früher) von Europäern unter ihre Kolonialherrschaft gezwungen wurden. Du blendest dabei aus, daß Sklaverei kein Monopol von Europäern war sondern auch in Afrika schon im Mittelalter dort praktiziertes "Geschäfts"modell und über (mindestens) Jahrhunderte in den dortigen Feudal- und Stammesherrschaften  genauso tradiert wie in Europa.

"Selbstversorgung" ist ein gutes Stichwort: Bevölkerungen, die sich mit eigenen Ressourcen im eigenen Staat selbst versorgen können sind eine der wichtigsten Voraussetzungen für friedliche Zustände und gegen Ausbeutung der Ressourcen ANDERER. - Wie kann man die weitere Zersiedlung eines eh schon extrem stark besiedelten Landes fordern und gleichzeitig (berechtigterweise) das Ende der Ausbeutung (durch Ressourcenraub) anderer Länder fordern? Siehst du den Widerspruch nicht, der darin steckt?

Auf (euphemistisch gesagt) "Unfreundlichkeiten" der einen oder anderen Art gehe ich nicht weiter ein, muß daraus aber schließen, daß von Leuten gewisser Haltungen allen, die sich ihr nicht anschließen möchten, weiterhin die "Alternativen" Selbstmord oder "Erschießen" durch ein Bündnis von Internationalisen und ihren "zu Schützenden" angeboten wird.

- Damit ist dann zumindest schon mal die "Weltrettungsstrategie" bekannt, die so ein Bündnis umsetzen möchte, fehlen nur - immer noch - die konkreten Forderungen. Oder gilt diese "Auswahlalternative" auch für Bewohner anderer Länder, die dem "Irrtum" anhängen, sie hätten ein Recht, die Geschicke ihrer Gesellschaften und Staaten selbst zu bestimmen? - Dann sind ja u. a. viele syrische Soldaten völlig umsonst gestorben bei der Verteidigung "ihres" Landes gegen "Zuwanderungswillige"...Den Begriff "Logik" sollte man m. E. allerdings besser vermeiden, wenn man ein Plädoyer für das "Recht des Stärkeren" mit "internationaler Solidarität" und "Menschenrechten" verkleiden möchte.

 

Eine konkrete Frage habe ich noch: Wirst du auf mich schießen, wenn ich mich weigere, unser Haus zu verlassen, um es einem Dutzend Zuwanderern zu überlassen? - Das wäre nämlich die Konsequenz. - Zumindest wenn ich solange deinem Rat nicht folge und dann noch nicht Selbstmord begangen haben sollte.

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Liebe (ernstgemeint)
 

Zum Beispiel in Deutschland nicht. Selbst die landwirtschaftlichen Erträge, die wir haben, haben wir auf der Grundlage von importierten Rohstoffen - etwa wie Phosphor. Öl haben wir auch nicht genug, Metalle nicht, selbst Sand nicht, um zu bauen. Die Diversifikation hat dazu geführt, dass faktisch kaum noch autonom existenzfähige Staaten existieren.

Das rohstoffarme Europa war schon im 15. Jahrhundert auf Importe angewiesen: deshalb der Kolonialismus. Guck Dir alleine die Zahlen des Völkermords auf dem amerikanischen Kontinent an. Das englische Königreich hat in Afrika 100 Millionen Tote verursacht, in Indien und Bengalen 40 Millionen. Die Franzosen liegen etwas dahinter. Die Deutschen haben 1885 mit den Kolonien angefangen, aber 500 000 Hereros in Namibia und 300 000 Nama in Tansania umgebracht. Dazu kommen die 65 Millionen Tote zweier Weltkriege.

Insgesamt hat Europa durch seine Produktionsweise durch Roden von Wäldern, Kanalisieren von Flüssen, Trockenlegen von Sumpfgebieten, durch seine Importbedürfnisse und die steigende Ausfuhr seiner Abfälle und durch expansiv gewachsene Monokulturen, die es anderen Ländern aufzwang, eine Fläche veröden lassen, die mehr als das Hundertfache des gesamten europäischen Territoriums ist.

Was glaubst Du, was Deutschland in Mali macht? Es beschützt den französischen Raub von Uranium dort. Was macht die deutsche Marine vor der afrikanischen Ostküste? Rat mal?

Die Leute, die der Möglichkeiten ihrer Landstriche beraubt wurden, durch das, was Du in Deinem Leben konsumiert hast, werden schlichtweg nicht dort bleiben, wenn sie dort nicht mehr leben können, es Europäern aber noch gut geht, nur weil es Dir nicht gefällt. Fakt.

Und wie lange kannst Du in Deinem Haus leben, wenn Du nicht mehr rausgehst, weil sie in Deinem Garten kampieren? Schießt Du dann auf sie? Wenn ja, würde ich Ihnen helfen zurückzuschießen. Denn die Aggression geht dann von Dir aus.

Zu meinen, Du könntest durch ahistorisch konstruierte Geschichtsnarrative eine Berechtigung dafür basteln, dass andere sich gefälligst ins Massensterben zu ergeben hätten, ist einfach zynisch. Sie werdens nicht tun. Punkt. Und dann kommen sie in jährlich hundertfachen Millionen hierher.

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"Europa (...) die es anderen Ländern aufzwang, eine Fläche veröden lassen, die mehr als das Hundertfache des gesamten europäischen Territoriums ist."

Von wie viel Erden reden wir jetzt?

Und hast Du auch gegengerechnet, wie viel Leben die westlichen Erfindungen insbesondere die Medizin (und Hygiene) gerettet hat? Zu vergessen ist es nicht, wenngleich auch keine Absolution.

Antwort auf pleifel  zum Kommentar Ja, die Statistik
 

für die der kolonialistische Schlächter Robert Koch zwangsversklavte Afrikaner zu lebendigen Versuchskaninchen hat machen lassen, die zu Zehntausenden für die großartige europäische Forschung elendig krepieren durften, wesungeacht westliche Pharmakonzerne die Afrikaner immer noch voll ablatzen lassen und durch Erpressungen heute noch Generika verhindern?

(naja - wir müssen ja dafür sorgen, dass die Kredite, die sie durch den IWF erhalten, immer noch zum Profit "unserer" Konzerne dienen, nicht wahr?)

Dienten nicht auch schon die britischen Völkermorde, wie der Opa jenes werten Premier Chamberlain des Münchener Abkommens festhielt, heren höheren Zielen, die diese noch halb tierischen Afrikaner einfach nicht genügend schätzen konnten, um freudig für europäische Kolonialherren in den Tod zu ziehen, singend, mit Kind und Kegel? Denn der Herr hat einen zagen Diskussionsversuch um koloniale Massaker der Briten durch einen irischen Abgeordneten im House of Commons mit der Bemerkung abgeschmettert: "You can't make an omelett without scrambling eggs!" abgeschmettert.

Oja, villeicht darf auf diese Weise auch der teutsche Herrenmensch wieder stolz auf seine hegemonialen Fehlversuche sein, da doch auch Menschenversuche in teutschen Konzentrationslager, wie an KZ-Häftlingen in Druckkammern zu testen, wann die menschliche Lunge platzt, erst die triumphalen Erfolge der Weltraumfahrt in der Nachkriegszeit ermöglicht hat. Tja, liebe Russen, was beschwert Ihr Euch dann über die 28 Millionen Opfer, die "unser" völkermörderischer Krieg im Osten unter Euch verursacht hat? Wäre denn ohne die Erbeutung "unseres" gloriosen Beitrags zum wissenschaftlichen Fortschritt Eure Laika der erste Hund im Weltraum geworden? Natürlich soll das jetzt nicht Adolf Hitler und Adolf Eichmann rechtfertigen - aber so ein bisschen stolz auf unsere großen progressiven Fortschritte darf man doch wohl noch mal sein, oder?

Weißt Du, Pleifel, wenn ich die inhumanen Implikationen solcher Bemerkungen bedenke, dann merke ich doch mit Erschrecken, wie wenig tief die 1968er Revolte im Denken Spuren hinterlassen hat. Joseph Fischer ließ es mich schon erahnen, als er die Frechheit besaß, ausgerechnet die Serben mit deutschen Nazis zu vergleichen (nachdem der Nazismus 12% von ihnen hingemetzelt hat) Die Frisuren haben sich geändert, der Bekleidungsstil, der Musikgeschmack - aber unter den Hirnplatten ist doch der gute alte deutsche Herrenmensch in so manchen Post-68ern lebendiger geblieben, als ich - zumindest bis 1999 - gehofft habe.

PS. Hundertfach Europa: Ich meinte das kolonialistische Westeuropa, nicht geographisch ganz Europa bis zum Ural.

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"Weißt Du, Pleifel, wenn ich die inhumanen Implikationen solcher Bemerkungen bedenke, dann merke ich doch mit Erschrecken, wie wenig tief die 1968er Revolte im Denken Spuren hinterlassen hat." Ich kann mir zwar denken, was gemeint ist ...

Horrorkabinette lassen sich immer eröffnen, die gab es bereits vor dem Mittelalter. Es finden sich immer genügend Argumente, wenn man seine Perspektive untermauern will.

Was die Russen als Beispiel betrifft, wäre ich der letzte, der diese aktuelle Konfrontation unterstützen würde. Es gibt zwar zu kritisierende Elemente russischer Außenpolitik wie die Krim, aber unter Abwägung aller mir wesentlichen Elemente halte ich das zumindest für legitim. Inwieweit die NATO ansonsten noch ihre Finger ausstrecken würde, wäre für mich nur eine zeitliche Frage. Dies und weitere Punkte, da liegst Du bei mir daneben, was Russland betrifft.

Im Übrigen habe ich weder mit Fischer, noch mit Schröder und sonstigen Ex-Größen der SPD etwas am Hut. Es bedurfte in Europa noch nicht der Kolonialisierung, um die eigene Bevölkerung in Religionskriegen und sonstigen Schlachtereien zu dezimieren. Südamerika war da mit seinen alten Hochkulturen auch nicht zimperlich. Asien dürfte sich da auch nicht verstecken müssen. Sprechen wir also eher von naturalistischen Eigenschaften der Menschen, deren Entwicklung möglicherweise evolutionär aus dem Ruder gelaufen ist, denn wir sind mit unseren kulturellen Fähigkeiten einfach über ein natürliches Limit des Gleichgewichts der Ökologie hinausgewachsen, der die eigenen Grundlagen zerstören kann (und natürlich sich selbst).

Im Übrigen möchte ich mal darauf hinweisen, dass deine Argumentationen genau in dem Kontext angesiedelt sind, was den Gedanken der europäischen Aufklärung entspricht, nämlich Freiheit, Gleichheit (in der Verschiedenheit!) und Geschwisterlichkeit (um es neutraler, gendergemäßer zu formulieren). Deine Konzeption, die durchaus in der kantischen Version einer Weltregierung einzuordnen wäre, um die kriegerischen und zerstörerischen Elemente unter einen legalen Hut zu bringen, sind europäisches Denken, das auf griechischer Grundlage steht. Und das paulinisch gewendete Urchristentum basiert auf genau diesen griechischen Elementen, die nötig waren, um aus dem einfachen Arbeiterjesus einen Christus zu machen. Hier bereits ist die Grundlage einer kontingenten Entwicklung des Christentums gegeben.

Und aus diesem Hintergrund heraus ist unser Denken strukturiert, insoweit lässt sich diese Haut auch nicht abstreifen! Und woher stammt wohl der Begriff und die Entwicklung von Multikulturalismus? Jedenfalls nicht als unpolitischer Begriff globaler Lebensweisen. Es ist das Produkt westlicher Entwicklung. Ohne allgemein anerkannte universale Werte ist Multikulturalismus ein überstülpender westlicher Gedankengang, der nichts oder wenig mit den Vorstellungen anderer Kulturen zu tun hat. Wenn wir diesen Anspruch in Europa forcieren wollen, müssen wir auch über die Bedingungen sprechen, die erfüllt sein müssen, um diesem Postulat zu entsprechen. Wer das nicht will, weil damit wieder Prozeduren (Pflichten usw.) verbunden sind, argumentiert nicht ehrlich, ist sich der Zusammenhänge nicht klar und bleibt an der Oberfläche.

Es wäre schön (ich bemühe mich darum) nicht ganz soweit auszutexten, damit die Kommentare keine Beitragslänge annehmen.

Antwort auf pleifel  zum Kommentar Etwas genauer bitte,
 

Du wirst mir sicher eine detaillierte Darstellung der großen Leistungen anderer Hochkulturen bieten, um in einem fairen Abgleich zu einem sachlich fundierten Urteil darüber zu gelangen, ob die europäische Kultur sich berechtigt über alle anderen stellt? Oder reicht dafür Dein kulturelles Wissen gar nicht? Wie wär's dann aber, sich den Dünkel zu klemmen.

Denn in klarem Deutsch sagt Dein Post oben aus: Also, ich kann zwar nicht jedes Blutvergießen aus europäischer Suprematie gutheißen, aber irgendwie sind wir ja doch die Größten. Die Behauptung aber, lieber Pleifel, steht auf ganz, ganz schwachen Beinen.

Die ersten Hochkulturen waren in Mesopotanien, Ägypten, China, Indien - nicht in Europa. Übrigens stammt auch aus diesem nicht-europäischen Raums das Christentum, das wesentlich reicher und ausgefeilter ist, als seine weströmische und reformatorische Variante. Zu den ältesten christlichen Kulturen gehörten übrigens in Europa ausschließlich die Griechen, älter aber noch ist das Christentum in Ägypten, Syrien und Äthopien.

Wie sah es mit Rom aus? Seine kulturelle Blüte entfaltete Rom zwischen dem zweiten vorchristlichen und dem Ende des zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Durch Europa etwa? Bereits die griechische Hochkultur verdankt sich entscheidend der Begegnung mit den Persern unter Alexander dem Großen, der von seiner Expansion (ja, militärisch war Europa immer gut dabei) die entscheidenden Impulse für Griechenland mitbrachte. Auch Rom gelangte erst durch Einnahme dieses von Griechen und Persern bereits bestellten Raum zu kultureller Blüte und seinen entscheidenden zivilisatorischen Leistungen - besonders im Bereits des Rechts, der Philosophie, der Architektur und der Alphabetisierung (die auch die Griechen erst durch Begegnung mit nordafrikanischen und asiatischen Hochkulturen entwickelten.)

Noch schlimmer wurde es in Europa zu der Zeit, als die barbarischen Germanen, beginnend mit der Eroberung Roms durch Theoderich nahezu alle kulturellen Errungenschaften der Römer so weit aus dem europäischen Gedächtnis strichen, dass nur mehr das Vulgarecht und ein dogmatisch im Vergleich zu Ostrom primitiv reduziertes Christentum übrig blieb. Die volle Erbschaft seines eigenen antiken Erbes erlangten die Europäer erst wieder, als sie ihm im damals schon arabisch beherrschten Orient und in Byzanz wiederbegegneten - von der Mitte des 11. bis zum 13. Jahrhundert. Zum Danke schlugen sie arabische Stätten rund um Jerusalem, schlimmer aber noch Byzanz viermal kurz und klein. 

Ich könnte jetzt noch die Bedeutung orientalischer Schriften, inklusive derer des später geborenen Maimonides auf die europäischen Aufklärer erläutern - aber will Dich, angesichts Deiner Bemerkungen über überbordende Textlänge, nicht überstrapazieren. Nur Deine überhöhte Vorstellung von der geistigen Leistung Europas im Vergleich zu anderen beruht schlichtweg auf mangelnder Kenntnis der anderen. Nur in einem war Europa immer spitze: In der kriegerischen Zerstörung aller möglichen Konkurrenten. 

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Ich nehme an,
 

was ich nicht geschrieben habe: "Denn in klarem Deutsch sagt Dein Post oben aus: Also, ich kann zwar nicht jedes Blutvergießen aus europäischer Suprematie gutheißen, aber irgendwie sind wir ja doch die Größten.", aber das lässt sich wohl beim Texten nicht immer vermeiden.

Und daher folgt auch diese unzutreffende Annahme: "Nur Deine überhöhte Vorstellung von der geistigen Leistung Europas im Vergleich zu anderen beruht schlichtweg auf mangelnder Kenntnis der anderen.", lässt sich so kombinieren. Unbenommen der Tatsache, dass das Maß des Wissens allein deshalb schon nicht zu bestimmen ist, weil es aufgrund der Überlieferungen jeweiliger Traditionen eh immer durch die Filter der Schreiber gegangen ist.

Zudem, warum sollte es nun wichtig gewesen sein, eine Liste außereuropäischer Hochkulturen zu bringen, die ihren Bestand auch nur wesentlich der Arbeit von Sklaven, Kriegen und Beutezügen verdankt haben. Aber wie Heinz richtig sagte: "Das ist allerdings ein Spiel, daß unendlich gespielt werden kann.", sodass ich von meiner Seite keine Vertiefung brauche.

Antwort auf pleifel  zum Kommentar Lese nicht aus meinem Text heraus,
 

meine Schlussfolgerungen sind die logische Extraktion von dem, was da steht. Aber sei's drum. Alleine Multikulturalismus ist keineswegs eine Folge der Aufklärug, sondern allenfalls des dialektisch in ihr implizierten Ethnizismus des Denkens, das von ihrem Beginn an rassistisch war.  Von Lessing ist nichts dergleichen überliefert, bei Kant kenne ich auch keine rassistischen Kommentare, sehr wohl aber bei allen französischen Aufklärern, am schlimmsten bei Voltaire. (Allerdings wird dies mit dem französischen Kolonialismus zusammenhängen - auch Napoleon war hier aktiv.)

Zivilisatorische Überlegenheitsansprüche gab es sehr wohl bei Nicht-Europäern auch, aber keineswegs ethnisch basierte Konstruktionen. Diese hat lediglich Europa entwickelt, allerdings haben sie - als einmal geschichtsmächtig gewordene Konstruktionen - dann auch Eingang gefunden in das Denken anderer Völker (etwa Japanern in den 30ern). Heute tauchen sie bei hinduistischen Fanatikern auf - und auch im Iran sollen Leute angeblich bei den Demonstrationen gerufen haben, sie seien doch keine Araber, sondern Arier.

Ideologische Gründe für Suprematie fluktuieren halt, sie sind nicht an Ort und Zeit gebunden. Aber dass Menschen, die in einem politischen Gebilde leben, gleicher "Ethnie" (falls es dergleichen überhaupt gibt) sein müssten, ist eher eine skurrile Ausnahmeerscheinung unter den ideologischen Konstruktionen der Menschheitsgeschichte, die üble Folgen hatte.

Von einer "Weltregierung" dagegen habe ich nie geredet. Da ich für Basisdemokratie bin, halte ich davon wenig. Sehr wohl aber von einem globalen Rat, auf dem wirklich demokratische Vertretungen Bedürfnisse verschiedener Gesellschaften miteinander ins Benehmen setzen.

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Nun,
 

"Aber dass Menschen, die in einem politischen Gebilde leben, gleicher "Ethnie" (falls es dergleichen überhaupt gibt) sein müssten, ist eher eine skurrile Ausnahmeerscheinung unter den ideologischen Konstruktionen der Menschheitsgeschichte, die üble Folgen hatte."

Wer das fordert hat vergessen, wie sehr die deutsche Ethnie in der Vorstellung eine Fiktion aus abstrusen Abstammungslehren ist, die für ideologische Zwecke missbraucht wurde und mit Identität, Volk, Nation, Rasse, Blut und Boden und dann auch noch mit Heimat verquickt wurde. Eine Differenzierung fällt dann schwer, und wer dann noch wagt von Heimat zu sprechen, hat schlechte Karten auf der Hand, da dieser Begriff sogleich in die Nähe von Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit gerückt wird.

Die mit der Globalisierung einhergehende Vereinheitlichung der Denkinhalte ist eine Begleiterscheinung der systemischen Effektivität und Effizienz, die mit ihrer gewaltigen Dominanz noch in jeden Lebensbezug einzudringen vermag, weil es die menschlichen Bedürfnisse auch real befriedigen kann. Das geschieht in unterschiedlicher Stärke und zeitlichem Verlauf, wird aber (und ist es bereits) dank der Kommunikationsmittel noch in jede Ecke der Erde vordringen. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen und eine Mehrheit würde dem auch nicht folgen wollen, selbst das Prekariat nicht und die Mittellosen in den ärmeren Regionen.

Das ist für Linke eine dicke Nuss und mit herkömmlichen Methoden scheint mir trotz bester Theorienkompetenz kein Kraut gewachsen. Lösungen die mir einfallen erfordern immer die Vielen und die sind aufgrund unterschiedlichster Gründe einfach schlecht unter einen Deckel zu kriegen. (Obwohl ich doch annehme, dass sich die wichtigsten Gründe schnell ermitteln ließen). Insoweit lassen sich schöne Lösungen erarbeiten, die aber an der Mauer der individuellen Interessen scheitern.

Da bleibt mir dann nur die Schlussfolgerung, wenn aufgrund politischer Gesetzgebungen eine ständige Verschlechterung der abhängigen Beschäftigten durchgezogen wurde (vor allem nach 1989), dann ließe sich das Rad auch wieder in die andere Richtung drehen: denn die Politik ist alles andere als machtlos. Denn eine kontinuierliche gesellschaftliche Veränderung hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit kann nach einer längeren Zeit und im Rückblick der erreichten Ergebnisse wie das Resultat einer Revolution aussehen. Für letzteres bin ich aufgrund unkalkulierbarer Ergebnisse eher nicht zu haben.

Die Textbreite bekommt langsam die Schwindsucht. :-)

Antwort auf pleifel  zum Kommentar Hier stimme ich zu:
 

als Ort, an dem man zu Hause ist, hat doch mit Ethnie nichts zu tun. Kölsch ist meine Heimatstadt, aber die teile ich doch mit dort geborenen und aufgewachsenen Deutschtürken. Es gibt unzählige Städte, die schon immer multiethnisch waren. Sind die deshalb nicht Heimat für die, die da leben?

Es gibt das Buch eines Kölner Ratsheren aus dem frühen 16. Jahrhundert, gefunden in den 1920ern. Er nennt Köln sogar sein "Vaterland". Preußen hätte er nie dafür gehalten. D.h. Zuhausesein, politische Verfassung dieses Zuhause und die Frage seiner ethnischen Zusammensetzung sind völlig verschiedene Paare Schuhe.

Aber einen Lebensstil selbstverständlich zu erachten, der auf Hegemonie gegenüber anderen Teilen der Welt beruht, dann aber, wenn die Leute dort nicht mehr leben können, deren Flucht als Angriff auf die eigene Existenz zu werten, ist schlichtweg Rassismus.

Richtig - die Kommentare bekommen Schlangenform.

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Heimat,
 

das sehen wir so, ist aber keine Allgemeinsicht, da im Zusammenhang mit der Einwanderung aus außereuropäischen Kulturen genau diese Heimat (was auch immer darunter verstanden/ gefühlt wird) als bedroht angesehen wird.

Antwort auf pleifel  zum Kommentar Was die Ethnie betrifft,
 

Frag mal unter meinen Schülern, ob sich die Bevölkerung dieses Landes ethnisch definieren lässt. Bei uns sind 50% der Abiturienten von anderer als deutscher Herkunft (obgleich 80% einen deutschen Pass haben) und kaum einer der autochton-deutschen Schüler hat damit irgendein Problem.

Vor allem aber kapiert durchaus eine Mehrheit, dass sich Migration kaum steuern lässt, wenn wir weiterhin dem transatlantischen Despoten gestatten, die Gegenden in unserer Nachbarschaft zu zerlegen und ihre Infrastruktur zu zerstören. Verzweifelte Menschen halten keine Zäune ab. Die Logik, dass die eigene Politik auf gemeinschaftliche Sicherheit mit anderen ausgerichtet sein muss, wenn man die eigene Sicherheit auch in Hinblick auf Steuerung von Einwanderungsprozessen garantiert sehen will, versteht durchaus eine Mehrheit der Menschen in diesem Land. Deshalb wollen laut einer aktuellen Umfrage der Körberstiftung nur noch 9% militärisch an die USA gebunden sein, während 88% das rein europäisch geregelt sehen wollen.

Anders als die Destruktionskraft der US-Kriegspolitik im Nahen Osten versteht jedoch den Zusammenhang von neoliberalen Konzernermächtigungsabkommen und Nomadisierung bisher nur eine Minderheit. Kein Wunder, nachdem eine über zwanzigjährige pro-neoliberale Gehirnwäsche für eine Wirtschaftspolitik, der Deutschland seine relative Privilegierung verdankt, das Wissen um eine andere Wirtschaftspolitik als die aktuelle erodiert ist. (Selbst über den Keynesianismus.)

Fazit: Solange von hier aus mit dazu beigetragen wird, dass woanders die Leute nicht mehr leben können, wird man hier akzeptieren müssen, dass sie genau in dieser Menge sich auf den Weg machen.

Wer diese Situation ändern will, muss gegen Ramstein, NATO, Konzernermächtigungsabkommen und neoliberalen Raubbau kämpfen - das ist eine völlig legitime Form des Kampf gegen eine falsche, nämlich Menschen überhaupt in Flucht zwingende, "Flüchtlingspolitik".

Wer allerdings meint, gegen den Zuzug von Menschen bei Beibehaltung der Erzeugung der Gründe für ihre Flucht 'kämpfen' zu müssen, wer also ergo sich zu einer zweiten Schinderfront gegen sie zusammenrottet, die nach der ersten Schinderfront der Angreifer der Herkunftsländer dieser Menschen diese erneut hier massakriert sehen will, der ist ein Faschist und damit selbst für jeden Bürger, der auf der Basis der allgemeinen Menschenrechte steht, ein legitimes Ziel des Kampfes gegen Unmenschlichkeit.

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Ich vermute doch mal, das sind zumindest die meisten AfD-Wähler und eine mir unbekannte Größe konservativer Wähler, die sich in der Mitte sehen. Nicht umsonst ist die AfD in Bayern so stark vertreten und wird wahrscheinlich aufgrund des Alleinvertretungsanspruchs der CSU durch verschärfte Rechtspositionen (Orban lässt grüßen) minimiert werden.

So wie Du es argumentiert hast, kann ich nur zustimmen. Jedenfalls mit der Annahme: "Wer allerdings meint, gegen den Zuzug von Menschen bei Beibehaltung der Erzeugung der Gründe für ihre Flucht 'kämpfen' zu müssen, (...)".

Die interne fatale, entsolidarisierende und prekarisierende Politik in Deutschland hat mit Einleitung durch die Rot-Grüne-Koalition allerdings tiefe Einschnitte im Sozialgefüge verursacht und es ergibt sich dadurch eine zweifache Front, an der linke Politik ansetzen muss. Allein aus dem Tafelumfeld kann man entnehmen, wie die schon vor den Flüchtlingen wachsende Zahl einheimischer Bürger nicht mehr ausreichend mit erforderlichen Lebensmitteln versorgt werden konnte. Eine Arbeit übrigens, die es nicht geben dürfte, wenn sich der Staat nicht aus seiner Verantwortung geschlichen hätte. Nun laufen natürlich viele Flüchtlinge diese Stellen an, da sie auch Berechtigungsscheine bekommen haben.

Die Folge ist ein noch weniger für mehr und die Denke geht dann leider vielfach in die falsche Richtung, was die Ursachen betrifft. Und das hängt mit deiner formulierten "Gehirnwäsche" zusammen. Aber wer sieht sich vor Ort auch schon in der Lage, durch eigene politische Aktivitäten seine Lage zu verbessern. So wird der Andere, der Fremde zum Konkurrenten. Solange das keine Konsequenzen für die Politik hat, liegt das durchaus im gewünschten Rahmen: Entsolidarisierung!

Was sind übrigens deine Fächer?

Antwort auf pleifel  zum Kommentar Wer das so sieht?
 

Deutsch und Englisch - und Geschichte habe ich jahrelang fachfremd im Rahmen eines bilingualen Geschichtsunterrichts in der Mittelstufe unterrichtet - da nur ein weiterer Geschichtskollege die Doppelkombination hatte und ich, mit einem Mann, der Historiker ist, innerhalb der Germanistik fächerübergreifende Themen immer sehr gern unterrichtet habe.

Deutsch und Geschichte wäre sicher meine bevorzugte Studienwahl gewesen, wenn nicht Mitte der 80er Geschichte in NRW "Sperrfach" gewesen wäre, d.h. mit diesem Fach durfte man sich noch nicht einmal um Lehrerstellen bewerben, falls man alle Examina mit "sehr gut" abgeschlossen hatte. Das wäre die sichere Arbeitslosigkeit gewesen.

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Antwort auf pleifel  zum Kommentar Wer das so sieht?
 

sind eine Frage der kapitalistischen Fressordnung und damit fächerübergreifend geregelt.

Wer bereit ist Menschen zu verzehren, fragt nicht nach ihrer Herkunft sondern frisst.

Gegessen wird was auf den Tisch kommt - so wie der Strom aus der Steckdose kommt?

"Konsequenzen für die Politik" sind ein kannibalistischer Leckerbissen von Selberfressern.

Mit schönen Grüßen auch sicherlich vom lieben OBERHAM und fäkal kann unmöglich das sein, was sich selber frisst.

(auch wenn's so schmeckt)

Und ich werde jede Verurteilung des Bürgertums unterlassen, sobald es seine Fressgewohnheiten korrigiert - versprochen.

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Antwort auf fahrwax  zum Kommentar Entsolidarisierung & Prekarisierung
 

und gesunden Appetit in diesem Jahr. Die Atome unserer Vorfahren und auch die eigenen dürften unerkannt, aber wohl bekömmlich durch unsere Organe laufen. So gesehen ist die menschliche Verbindung eine sehr tiefgehende (zu Staub ...) und die Klopperei eine recht dümmliche Angelegenheit.

Eine sehr nahe stehende Person hat mir heute noch in einem Gespräch geflüstert, es handele sich eh um eine unbewusst gesteuerte männliche "Schwanzpolitik". Da kann man schon ins Grübeln kommen.

Vielleicht ließen sich da ja Preise vergeben: daran würde sich der Trump gewiss beteiligen wollen, allemal um es dem anderen Bruder im Geiste, Kim Jon Un mal so richtig zu zeigen, bei den roten Knöpfen der Atomwaffen waren die beiden ja bereits angekommen.

Möchte ihm jemand den Vorschlag twittern?

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Antwort auf pleifel  zum Kommentar Dir auch einen ständigen
 

ob das Wohlmeinende fäkal-, anal-, oder schwanzgesteuert verständlich sein soll?

Sollte es jedenfalls bürgerlich gemeint sein, müsste ich zunächst bei Amazon nach (für mich bezahlbaren!) passenden Adaptern forschen.....

Ein fröhliches Neujahr wünsche ich dir schon aber auch.

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Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Liebe (ernstgemeint)
 

Erkennbar hast du Anja`s schlichte Schilderung der Fakten zum gegenwärtigen Entwicklungsstand globaler, gegenseitiger Ausbeutung nicht verstanden.

Deine "konkrete Frage" basiert auf der Verwechselung von Ursache & Wirkung.

Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Schade.
 

"Diese ganzen Scheingefechte sind kontraproduktiv, falsch, stützen das Falsche. Marx und Rosa Luxemburgs "Die Akkumulation des Kapitalis" zu lesen hilft verstehen, aber schon Kurzs rein negative Dialektik ist für die Tonne. Wir sind etwas, können uns nicht verneinen. Aber wir müssen begreifen, dass Existenz nur noch als solidarische möglich ist oder wir uns gleich begraben können."

Es ist grundsätzlich nicht falsch, Marx und Luxemburg zu lesen.
Nur sollte man dies nicht wie ein Theologiestudent machen, welcher weiß, wem er nun Folge zu leisten hat. Warum das so ist, werden die meisten ihr ganzes Leben lang nicht verstehen, obwohl es strukturell kluge Köpfe wären. Der erste Ex-Papst dürfte in seinem Fachgebiet innerhalb dessen Logik/Logos durchaus ein gewisse Koriphäe gewesen sein. Sobald ich aber darüberhinaus auf die Realität blicke, ist er für mich eine "hohle Nuss" mit einem (theologisch) verdorbenem Charakter.

Am besten gefällt mir bei Marx die Einleitung der Hegelschen Rechtsphilosophie. Denn damit weiß jemand, um was es eigentlich geht. Und die charakterliche Positionierung steht auch fest.
Die weiterführenden philosophischen und gesellschaftskritischen Werke sind dann ganz in Ordnung, wenn man sie auf Marx wichtigsten erkenntnistheoretischen Begriff, um zwar den der "Praxis" zurückführt.

Wenn man dann sich vor Augen führt, dass die (Arbeits-)Werttheorie ca. 150 Jahre auf den Buckel hat, zumindest von Kurz dann aber "bis auf die 14. Stelle hinter dem Komma" fetistisch überinterpretiert wird, dann frage ich mich, was man denn überhaupt von Marx verstanden hat. Warum hat sich der real existierende Sozialismus am Arbeitswert und nicht an den Quellen des gesellschaftlichen Reichtums orientiert, wie sie Marx in seiner Kritik des Gothaer Programms benannte? (Arbeit,Rohstoffe, Boden)
So sind Getreidekäufe vom Klassenfeind völlig logisch, weil das Arbeitskraft-/Wertkonto am besten geschützt war.

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Hallo Ebertus,
 

finde ich Deinen Diskursansatz absolut wichtig.

Schreibe doch dazu und anstelle eines Kommentars gleich mal einen Blogtext. Das Thema -so meine ich- wird in 2018 erst richtig Fahrt aufnehmen. Ausschließeritis und die oft eingeforderte Distanzeritis wird da nicht mehr reichen; gehen die sogenannten Querfronten viel zu tief, als dass die (bürgerliche linke) Lagerbildung das noch einfangen kann.

Wir, die Guten und Ihr, die Bösen ist genau der nun spiegelbildlich zelebrierte Rassismus.

Für die Termiten wünsche ich mir genau dies eben nicht, diese Lagerbildung nebst Kampagnenjournalismus. Wer das mag, und gar in einem positiven, von mir unterstützten Sinne, der sollte es so tun wie unser Costa Esmeralda.

Hier dagegen sei diesseits einer offensichtlich strafrechtlichen Relevanz der sachliche Diskurs angesagt.

Antwort auf ebertus  zum Kommentar Inhaltlich @Alphabetta
 

bekomme ich bereits bei dieser ahistorischen Verwendung des Wortes "Querfront" ein Hörnchen. "Querfront" war die Bezeichnung für einen Putschversuch General von Schleichers, der sich durch die taktische Integration plebiszitärer rechter Kräfte, nämlich des Strasser-Flügels der NSDAP und rechter Flügel des ADGB (Vorgänger des DGB), für eine autokratische Diktatur der Barone (preußische Juncker und Ruhrbarone) sichern wollte. Da waren überhaupt keine Linken beteiligt - und es ging auch schief. Der nächste Schritt, der folgte, war der Brief von 20 Industriellen an Hindenburg, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen - was der bekanntlichermaßen auch tat.

Wenn irgendein geschichtsvergessener Linker so dämlich ist, diesen Terminus in leitmedialem Sinne zu verwenden, transportiert er damit das Geschichtsverständnis der konservativen Geschichtsrevisionisten, die so tun, als hätten gemeinschaftlich die 'extremen linken und rechten Ränder' der Weimarer Republik den Nazismus aus der Taufe gehoben. Diese konservative Sicht der Adenauer-Ära hatte die Funktion, die DDR einseitig zu dämonisieren, während verschleiert werden sollte, dass die alten Naziverbrecher und die konservativen Helfer des Nazismus in der Bundesrepublik wieder in Amt und Würden waren - mit freundlicher Unterstützung der USamerikanischen Besatzungsmacht.

Keine Frage - Anarchisten wie Kommunisten haben riesige Fehler gemacht. Aber es waren am wenigsten sie, die die Nazis hervorgebracht haben. Sie selbst waren Spaltprodukte der Kumpanei der SPD mit dem kaiserlichen Machtapparat zur Zeit der Unterstützung der Kriegskredite und der rechten Freikorps unter Ebert. Doch selbst sie haben den Nazismus nicht aus der Taufe gehoben noch zur Macht gebracht: Das waren Junker, Kapital und der preußische Militärappart in Verbindung mit mörderischen Hooligans. Berechtigter Weise hat die heutige SPD Marc Kling mit seinem großartigen Satirestück "Wer hat uns verraten" in Beziehung zu Eberts SPD gesetzt (ein Song, in dem aber auch die neuerdings aus Dummheit Obskurantismus zuneigenden Protestmilieus durch die flapsige Nennung der Freimaurer veralbert werden).

https://www.youtube.com/watch?v=BZGnb2d3BkA

Auch die Grünen kriegen bei ihm angemessen das Fett weg:

https://www.youtube.com/watch?v=SRZ7C01mDRI

 

Sein kaltschnäuziger Humor geht mit der Diffamierungskiste ebenso souverän um wie mit der Dummheit vieler sich für Diffamierung auch bereitwillig anbietenden Obskurantisten.

Man kann nur mit Leuten sinnvoll Widerstand organisieren, die bereit sind, ihren Kopf anzuschalten. Hysterische Empörung ist keine Widerstandstugend. Sie bringt schlicht nicht nur nichts, sondern nützt herrschender Macht.

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Als historisch gebildeter Mensch,
 

...zu diesem geschichtlichen Diskurs. - Allerdings ändern Worte in veränderten Kontexten mitunter ihre Bedeutung und es waren eindeutig Antideutsche (die sich ja immer noch selbst als Linke  bezeichnen), die den Begriff "Querfront", im von dir aufgezeigten, historischen Kontext als Diffamierung adressiert, verwendet haben.

Ziel war die Zerschlagung einer neuen Friedensbewegung (was sie ja leider weitestgehend erreicht haben) durch die Verwendung des Begriffs in abwertend-diffamierender (und falscher) Auslegung (bzw. Behauptung).

So wie Antideutsche viele Begriffe in ihrem Sinne umgedeutet haben, tun das inzwischen auch andere, politische Gruppen. In diesem Sinne haben die Neuen Rechten den Begriff aufgegriffen und umgedeutet. Inzwischen steht er daher für viele nicht mehr im bekannten, geschichtlichen Kontext sondern hat  eine neue, positiv-hoffnungsvolle Bedeutungsänderung erfahren. - Nicht nur Linke "ermächtigen" sich Wörter um sie (in ihrem Sinn und für ihre Absichten) kontextuell zu verändern/anders zu besetzen, inzwischen "erdreisten" sich auch Neue Rechte solcher "Einbrüche" in linke Sprachdeutungshoheiten.

Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Volle Zustimmung
 

schwatzen kann jeder. Aber wer eine Chance auf selbstbestimmtes stolzes Handeln haben will, der wird sich seines Verstandes bedienen müssen und ihn auf die Erkenntnis von Wirklichkeit verwenden müssen. "Ein Begriff muss bei dem Worte sein", weiß in Goethes Faust selbst noch der tölpelhafte Schüler, der sich von Mephistopheles verladen lässt.

Rechte sind das, was sie immer gewesen sind: die sich blind zu Kanonenfutter und Henkern machende Fußtrupp des jeweiligen nationalen Kapitals. Dafür braucht es Euch - und dafür kriegt es Euch auch immer wieder, weil Ihr schlichtweg lernunfähig seid. Denn Euer Ressentiment gegen Fremde, von denen Ihr meint, sie würden Euch die Butter vom Brot nehmen, macht Euch ebenso unfähig zum gemeinschaftlichen Kampf wie zum selbständigen Denken.

Was rechts ist und was links, ist definiert. Was Querfront ist, auch. Das hat nichts mit "Deutugshoheit" zu tun, sondern mit Kenntnis der Geschichte, deren Faktizität (von factum= perfectum von lateinisch "facere" = machen) einfach objektiv unstrittig ist. Man kann um Geschichte und die Bedeutung von Wörtern wissen oder sich als von Ressentiment selbst geistig amputierender Einfaltspinsel outen, der nicht weiß, wovon er redet.

Deine Sache. Aber Rassismus und Fremdenhass sind eben nicht Deine Sache, sondern Zynismus und Hass gegen Opfer von Krieg und Terror sind Angriffe auf die unteilbare Menschenwürde. Die sollte Dir kein Mensch, der etwas auf sich hält, durchgehen lassen.

Und noch etwas, um Dir klar zu machen, dass Du keineswegs "patriotisch" bist, sondern ganz ordinären Nationalismus verbreitet (also die Haltung des gekränkten Narzissmus einnimmst, der sich als Ich-Schwäche enthüllt, die mangelndes Selbstwertgefühl durch Dämonisierung des Anderen kompensieren muss).

Sebastian Haffner hat einmal gesagt, der Nationalismus verschandele jede Bevölkerung, aber in keinem anderen Land verzerre er die Gesichter derjenigen, die ihm verfielen, so sehr zur Fratze wie in Deutschland. Denn es gibt kein anderes Land, dessen positives Potenzial so sehr in einem absoluten Antagonismus zu seinem positiven Potenzial steht, wie in Deutschland.

In alles europäischen Verheerungen, außer in der Zeit von 1871 bis 1945, als Deutschland zum Motor und Exekutor der europäischen Selbstzerstörung wurde, umfasst die historische Erinnerung dieses Landes beide Seiten: Sie enthält das Leben in und außerhalb des Römischen Imperiums wie des Karolingerreichs, die beiden Seiten der reformatorischen Spaltung, verschiedene Fraktionen des 30jährigen Kriegs, unterschiedliche Seiten der napoleonischen Kriege und die Erinnerung beider Blockrealitäten des Kalten Kriegs. Das einzige, was dieses Land bindet, sind seine Sprache und seine Literatur, deren Stärke ihre Synthetisierungskraft ist.

Größte Schriftsteller unseres Landes waren "Ausländer". Ich unterrichte in meinen Deutschkursen derzeit junge Leute aus: Syrien, der Türkei, Afghanistan, Sri Lanka, Pakistan, Moldavien, Serbien, Montenegro, Mazedonien, Bosnien, Albanien, dem Kosovo, Griechenland, Marokko, Polen und dem Irak. Viele von ihnen waren gerade mit einem Engagement, das ich noch nie erlebt habe, bei der Besprechung von Goethes Faust dabei, dessen religiöse und philosophische Bezüge sie ungeheuer interessierten. Ich bekomme Facharbeiten von Schülern, die, weil sie die philosophischen Konzeptionen hinter der Figur des Mephistopheles reizvoll finden, Bibel, Koran und christliche Apokryphen, aber auch frühchristliche und frühislamische Dichtung untersuchen und mit Goethes Text abgleichen. Goethe übrigens hat sich intensiv mit dem Islam befasst, wie sein West-öftlicher Diwan zeigt. Friedrich der Große freute sich über die Hugenotten und rief dazu: "Und wenn sich hier Türken niederlassen, baue ich ihnen Moscheen." Und er tat's auch - wie das entsprechende (allerdings nicht als solches fungierende) Gebäude in Sanssouci beweist.

Es gibt nur eine Gruppe von Menschen, die dieses Land im Verlauf seiner Geschichte kontinuierlich entstellt, pervertiert und zerstört haben, wie deutsche Nationalisten. Zu Ihnen gehören zu wollen, ist nur eines: hochgradig verachtenswert. Die Haltung eines deutschen Nationalismus hat sich historisch ein für alle Mal diskreditiert.

  

 

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Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Weißt Du, Raphaela,
 

«Größte Schriftsteller unseres Landes waren "Ausländer".»

Goethe war freiwillig in Weimar. Schiller war schwäbischer Flüchtling erst in Baden, später in Weimar. Daher sein Hauptthema, die Freiheit, dargestellt an der Unfreiheit.

Oder nimm das kapitel bei Nietzsches Zarathustra: «Von alten und jungen Weiblein»

... Und also sprach das alte Weiblein: »Du gehst zu Frauen? Vergiß die Peitsche nicht!«
– Also sprach Zarathustra.

das ganze Generationen mißverstanden hatten, dabei hatte er diese Szene bildlich dargestellt, bevor er den Zarathustra geschrieben hatte.

Antwort auf Heinz  zum Kommentar Zur Ergänzung
 

da wo er - wie Diogenes in der Tonne - wütet, ist er ein scharfer Analyst jeder moralischen Scheinheiligkeit und spießt sie gekonnt aus. Auch ist er wachen Auges durch den Zustand innerer Agonie geschritten. Zudem, armer Kerl, einmal im Leben Geschlechtsverkehr zu haben, mit einer Prostituierten, und dann jämmerlich an Syphilis zugrunde zu gehen, ist schon hart. Aber manches in seinen gedanklichen Ausschweifungen ist dann auch nur wahnsinnig.

Ausländische Schriftsteller im Deutschen gab es weit mehr: Da sind erstmal die hochgradig produktiven Hugenotten im 18. und frühen 19. Jahrhundert, dann, im späten 19. Jahrhundert die aus Galizien und anderen Teilen Osteuropas zur deutschen Literatur beitragenden Ostjuden, in Österreich viele eigentlich muttersprachlich slawische Sprachen sprechende, aber auf Deutsch schreibende Autoren, dann so skurrile Autoren wie Galsan Tschinag (DDR), die die mongolische Steppe in deutscher Sprache erklingen lassen, und heute sowohl aus Osteuropa wie aus der Türkei stammende Epiker. Ilja Trojanows Romane oder der großartige Roman von Sasa Stanisic ("Wie der Soldat das Grammophon reparierte") sind Publikationen, ohne die wir ärmer wären.

Antwort auf alphabetta  zum Kommentar Hallo Ebertus,
 

Alles redet immer von der Technik, der "Digitalisierung" (was man besser mit struktureller Vernetzung bezeichnen sollte) usw., aber trotz aller Konkurrenz hat es der Markt immer noch nicht geschafft, erstellte Inhalte einfach zugreifbar zu machen.
Das nennt man dann Markteffizienz....

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Positive Querfronten
 

...Ebertus. 

Wenn man sich die Entwicklungen der letzten ca. 50 Jahre im Zeitraffer anschauen könnte wäre es eigentlich ein lustiger Film: Man könnte  an den Positionierungsschritten einiger besonders prominenter Protagonisten sehr gut erkennen, wie die anfangs "Antiautoritären" und "Emazipatorischen" plötzlich ihren (angeblich?) ursprünglichen Haltungen komplett entgegengesetzte Positionen einnehmen sobald sie selbst die entsprechenden Machtfunktionen eingenommen haben. - Absurdes Theater :-)

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Antwort auf Raphaela  zum Kommentar Richtig
 

... ist eine Sprachregelung, die vorgaukelt, es sei irgend wann einmal demokratisch gewesen – das war es noch nie.

Die Kategorien links/rechts, mit denen du hier so herumjonglierst, ist die Sitzordnung im Parlament; allerdings nicht die selbst bestimmte, sondern aus der Sicht des Präsidenten des Parlamentes. Wenn du schon real existierende gesellschaftliche Blöcke benennen willst, dann wähle doch oben/unten:

  • 10% zocken ab.
  • 40% verlieren weiterhin ihre Besitzstände, das ist der sogenannte Mittellstand.
  • 50% haben nichts mehr zu verlieren.
Bild des Benutzers Raphaela

Antwort auf Heinz  zum Kommentar Postdemokratisch ...
 

...Heinz: Die bisherigen Definitionen von "links" und "rechts" sind heutzutage eigentlich obsolet. Das hat sich aber noch nicht allgemein durchgesetzt, deshalb verwende ich es ebenfalls erstmal noch weiter.

Bild des Benutzers ebertus

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"gehen die sogenannten Querfronten viel zu tief, als dass die (bürgerliche linke) Lagerbildung das noch einfangen kann."

schrieb ich weiter oben. Und wen soll ich denn nun "entfreunden", bzw. von wem werde ich entfreundet? Um mal auf Fakebook/Twitter-Niveau, deren gern, bitteschön zu exekutierende Sprachvorgaben zu fallen).

Wen soll ich entfreunden? Gar im engeren Umfeld?

Nee, so wird das nix ...

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Jetzt ist der Thread von den (a-) sozialen Medien  mit heftigem Schlagabtausch zur Historie vorgedrungen. Das ist allerdings ein Spiel, daß unendlich gespielt werden kann. Darum die Fragen:

  • Weiß jemand die Lösung zur Flüchtlingskrise?
  • Weiß jemand die Lösung zur wirtschaftsliberalen Abschöpfung der Wertschöpfung?
  • Weiß jemand die Lösung, damit die Mehrheit der Hammelherde die Leute wählt, die ihr nützen?
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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Weiß jemand die Lösung?
 

weil es nicht die Lösung, die  Wahrheit gibt, sondern bestenfalls Annäherungen. Und selbst diese sind lediglich Meinungen, sind oft -bewußt wie unbewußt- von einer gewissen Interessenlage getrieben; nicht unbedingt nur einer mönetären.

Früher ..., ja früher und ohne den Zugriff auf das Internet für alle war Meinung, die Verbreitung einer Meinung nicht nur die der 200 Reichen (Paul Sethe), sondern brauchte im Einzelfall auch die Möglichkeit des Zugriffes auf eine eher nur im universitären Umfeld gegebene Wissensbasis; die man ersteinmal verstehen und dann allgemeinverständlich, lesbar aufbereiten muss. Für mich, der ich eher mit Mathematik, Physik und Logik umgehen kann, ist das oft und immer wieder faszinierend, wie Meinung im Brustton entrüsteter Überzeugung als beinahe naturwissenschaftliches Gesetz verkauft werden kann, wo es sich doch oft um schlichte, von deren Vertretern her sehr marginal hinterlegte Meinung handelt;

zu der in der Regel und ohne viel Aufwand im Internet eine mehr oder weniger deutlich abweichende, manchmal gar genau die gegenteilige Meinung aufgefunden werden kann.

Faszinierend ..., aber genau deswegen läuft die Diskreditierung anderer Meinungen heute primär über die Diffamierung der Personen; incl. deren Überbringer und ohne -nur wenn es gerade passt- auf ein formales Bildungsniveau der Meinungsträger zu achten. Ein für mich immer wieder passendes Beispiel für das Scheitern ideologisch getriebener, gefälligst zu habender herdentriebiger Meinung ist Alice Weidel; hier über den bereits weiter oben verlinkten Text von Don Alphonso  eingebracht.

Noch relativ jung, formal gebildet, Frau sowieso, auch noch gleichgeschlechtlich unterwegs - und dann das ... AfD ...

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Natürlich nicht,
 

gibt es natürlich nicht, aber es gibt Lösungen, die bisher vom Polit-Personal vermieden werden, weil deren Big-Spender sonst den Profit verlieren.

Ob das bundesdeutsche A-Sozial-Medien-Löschungs-Gesetz diese Kloake wirklich säubern kann, wage ich zu bezweifeln. Eher werden sich mehr Plattformen etablieren (z.B. auf den Inseln der Glückseligkeit) und das gesamte Feld unübersichtlicher werden.

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Weiß jemand die Lösung?
 

dem das Eigeninteresse frühzeitig (betriebsbedingt) abgeklemmt wurde.

Für deine Frage, lieber Heinz, ist nur die Endlösung vorgesehen.

Der Hammel ist ein kastriertes Hausschaf, dass zügig seine Schlachtreife - den maximalen Fleischansatz - zum Nutzen seines Eigentümers / Schlachters erzeugt.

Das der Hammel als Kastrat einen zusätzlichen eigenen Nutzen verfolgt ist ausgeschlossen - widerspräche jeder grundsätzlichen Erwägung seines Nutzers.

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Antwort auf fahrwax  zum Kommentar Hammel sind ein nutzbares Produkt
 

Jetzt hast du aber die Hammelverfassung interpretiert:

Artikel 1: Die Würde des Hammels ist verwurstbar.

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Hammelverfassung
 

„…Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wacht über die Einhaltung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland.“ (2.3.08) Das Bundesverfassungsgericht wacht demnach nicht über die Einhaltung der „Verfassung“ sondern über die Einhaltung des „Grundgesetzes“.

http://www.widerstand-ist-recht.de/verfbeschw/grundgesetz.html

Meine Meinung dazu setze ich als dir bekannt voraus, kann sie allerdings frisch bebildern:

Datt Bild sollte Allgemeingut sein / werden, quasie Common.

Datt andere "Geht stehlen nicht wählen" meint dattselbe.

Friede den Fahrrädern, Krieg den Rolls Reussen (Teutonen) könnte ich noch ergänzen.

( die können mich muscheln diese Königsmandeln, aber dabei dürfen sie unbedingt mit meinem spielerischen Zorn rechnen.....)