7 Apr 2018

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr

Submitted by ebertus

Zur "Erklärung 2018" hat Maja Wiens in der FC nun einen weiteren dieser dort beinahe schon inflationär erscheinenden Texte zu den sogenannten Neuen Rechten abgeliefert. Hier meine spontanen Gedanken zur Causa Kampagnenjournalismus.

Vorbemerkung: Maja Wiens ist den länger dabei seienden termiten nicht vollkommen unbekannt, war sie relativ zu Begin 2014/15 hier sogar an einigen Diskussionen beteiligt. Und es war nach meiner Erinnerung im Frühjahr 2015, als sich Marie und meine Wenigkeit mit Maja zu einem gemütlichen Frühstück in einer Szene-Location am Prenzelberg trafen. Danach war uns, war der Marie und mir klar, dass das wohl nichts wird ... Ideologisch sehr selektiv gefestigt ist eben ganz das Gegenteil von einem alles und immer wieder infrage stellenden Freigeist.

Und nun, diese Tage kommt mir beim zufälligen Reinschauen dieser Blogtext beim Freitag unter; von der Moderation empfohlen wie beinahe alle dieser Art Texte, das versteht sich von selbst. Das könnte identisch auch im ND, in der taz, der JW oder der FR zu lesen sein. Neue Linke haben ihre neue, primäre Aufgabe gefunden: Neue Rechte entlarven, wieder und wieder ...

Für mich als alten Linken war es immer klar, ist der Kapitalismus, ist Neoimperialismus und Neokolonialismus der Feind, den es zu bekämpfen gilt. Die neuen Linken dagegen, sie haben ihren Frieden mit dem Kapital gemacht. Klar, dass die FC-Magda unter dem Blogtext von Maja Wiens gleich als erste kommentiert und applaudiert, da nehmen sich beide wohl nichts, weder in der Historie noch in der ideologisch gefestigten Formiertheit.

Insofern mag ich weder diese Erklärung 2018 unterzeichnen, noch die von Maja Wiens propagierte Gegenerklärung.

In beiden Fällen, aus eher negativer wie eher positiver Sicht werden die Flüchtlinge einfach so, als nun mal hier seiend dargestellt. Kein Wort dazu, dass die hehre westliche Wertegemeinschft die Länder des Nahen und Mittleren Ostens und weite Teile von Afrika bereits seit langen Jahren und nach wie vor anhaltend mit Krieg, Zerstörung und (neo)kolonialer Ausbeutung überzieht; nicht bald nach Kriegsende und als eine Art Blaupause zu verstehen war es 1953 der Putsch gegen Mohammad Mosaddegh, den demokratisch gewählten Präsidenten des Iran. Erst in den letzten Jahren, nachdem Russland registriert hat irgendwann auch d'ran zu sein, erst jetzt wird dem Neoimperialismus der USA und ihrer Vasallen ein konsequenter Widerstand entgegengesetzt.

Kein Thema für die neue Linke um Maja Wiens, denn sie, die guten Linken haben jetzt neue Aufgaben zugewiesen bekommen.

Was mir -vielleicht nicht nur mir- bei diesem Kampagnenjournalismus gegen die Rechtsabbieger der Erklärung 2018 auffällt, dass ist die nahezu völlige Abwesenheit eines sonst durchaus gängigen Vorwurfs des Antisemitismus. Neue Rechte und Antisemitismus, das wird doch sonst synonym verwendet, gehört zusammen wie Ar... auf Eimer, oder?

Maja Wiens geht noch einen Schritt weiter, versteigt sich in Sachen Antisemitismus gar in eine abstrakte, gruppenspezifische Zuweisung. Nein, nicht gegenüber den Rechtsabbiegern; viel schlimmer:

"Ja, manche, nicht wenige, von den Angekommenen machen es uns nicht leicht, manche machen es uns sogar sehr schwer. Antisemitismus und patriarchalische Vorstellungen sind unter ihnen verbreitet."

Ob das politisch korrekt ist, gerade noch so durchgehen kann, das scheint mir zweifelhaft. Es liegt aber zumindest auf der Linie von Josef Schuster und damit auch auf der von von H.M. Broder; der die Liste der Erstunterzeichner gar anführt. Vielleicht mag es auch an Broder, dem Ersten unter den Ersten liegen, dass diese Erklärung nicht in die antisemitische Ecke gestellt wird. Selbst die Anetta, deren Kahane-Stiftung hält sich dahingehend und weitestgehend zurück. Dort wurden jetzt wohl alle bisherigen Unterzeichner gescannt und analysiert. Der Begriff vom Antisemitismus fällt auch dort nur einmal, eher raunend: Ein Unterzeichner der Erklärung war mal bei einer  Teheraner Konferenz dabei, per se ein antisemitischer Akt ...

Ja, da sei der Broder vor, er sich auf seinen Guten Achsen schon in dritter Folge über die Kritiker der Erklärung amüsiert.


Btw. und ebenfalls schon mal aufgefallen? Diese Art Kampagnenjournalismus beschreibt ausschließlich und jeweils sehr selektiv die Symtome. Wenn es denn -sei hier mal unterstellt- wirklich so viele alte und neue Rechtsabbieger gibt, dann wäre es doch mehr als angebracht, ganz seriös und möglichst ergebnisoffen über die Gründe für eben diesen rise of the right hierzulande, in der EU, insgesamt in Europa zu reden. Derartige belastbare Analysen sucht man jedoch vergebens. 

Kommentare

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NDR Kultur: Martenstein Kolumne

Martenstein über Antifa-Kämpfer

 

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Ich les immer neue "Linke" ? Die sind doch gar nicht links. Das sind übers Stöckchen springende, opportune Rechte, die Blöd-Rechte, bzw. zu political incorrecte Rechte entlarven wollen, weil die dabei sind die Fassaden der potemkinschen Dörfer einzureißen. Als wenn es da noch einer Entlarvung bedürfe. Der Zweck des Unterfanges bliebt bis auf weiters wohl rein therapeutisch und damit auf den "Denunzianten" selbst bezogen. Er mochte sich entschulden, Zeugniss ablegen, dass er nicht blöd ist, vergebens wie ihm selber nicht auffallen will.

Diese Leute, "Links-Liberale", haben nicht begriffen, dass der humanistische Liberalismus gescheitert ist, auf ganzer Linie, und dass wir uns akut den sozialen Verhältnissen der Ära 1848-1917 annäherne. Man könnte zwar sagen , dass es zum einen einen rechten Liberalismus als Umverteilungsideologie gibt, und eine linken, der nach Befreiung von der Herrschaft strebt. Aber auch das ist ja nur gesellschaftliche Praxis im ersten Fall und bestenfalls visionäre Theorie und soziales Traumziel im zweiten, das aber mit allem Mitteln negiert oder bekämpft wird... An sich kann man auch sagen, dass Anhänger des Liberalismus nicht links sein können, wenn man sich mal genau anschaut , was der Liberalismus anrichtet und seit der Aufklärung angerichtet hat. Das aber machen diese Leute prinzipiell nicht.

Um es kurz zu halten, ergibt sich daraus der Schluss, dass es sich um einen Gehorsam, einen Glauben handelt und diese Sorte Artikel sind die dazu passende Andacht, die zur kollektiven Ignoranz aufruft. "Lieber Gott, lass mich nicht Schuld sein, wenn die Kacke wieder am Dampfen ist ... und wenn, dann stehe ich hier gerne auf meinem pflichtbewussten Posten ... ". Und so nimmt das banal Böse seinen Lauf.

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Antwort auf iDog  zum Kommentar "Neue Linke"
 

Politischer Kompass

Quelle: The Political Compass

Links und Freiheit ist in DE politisch gäääähnende Leeere.

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Statt tausend Wörtern
 

... da kann man bald die unter Hälfte abschaffen, oder?

... und die CSU ist, echt mal, mehr links als die CDU ? wow!

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Antwort auf iDog  zum Kommentar The Political Compass
 

Das S bedeutet Sozial und schon FJS hatte gesagt: «Rechts von der CSU ist in Bayern kein Platz.»

Damit hatte er natürlich die CDU gemeint.

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Antwort auf iDog  zum Kommentar "Neue Linke"
 

"Postkapitalismus", sowohl die Umverteilung als auch die Befreiung von Herrschaft. Und logisch müsste letzteres zuerst erreicht werden. Mir wird zuviel polarisiert, wo doch zumeist der Weg in der Mitte liegt. Und da es bei den "Gutwilligen" unterschiedliche Vorstellungen über den Weg dahin gibt, sind sie angreifbar vor allen von denen, die allenfalls Modifikationen des jetzigen zulassen wollen.

"An sich kann man auch sagen, dass Anhänger des Liberalismus nicht links sein können, wenn man sich mal genau anschaut, was der Liberalismus anrichtet und seit der Aufklärung angerichtet hat."

Das ist mir zu radikal, hier wird "das Kind mit dem Bade ausgeschüttet), denn der Liberalismus ist nicht mit der extremen Version des Libertären zu verwechseln, der "radikalen Situierung des Individuums als schlechthin einziger Instanz der Bestimmung von Freiheit." und eine bloße Reduzierung auf den ökonomischen Teil vornimmt.

"Die Legitimation gesellschaftlicher und staatlicher Ordnung durch vertragstheoretische Überlegungen, die Pflege eines naturrechtlichen Vokabulars das vom Individuum als eigentlicher Bezugsgröße sozialer Interaktion ausgeht, gehört zu den Grundbausteinen des L. Einhegung staatlicher Macht gegenüber dem Individuum, Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive und Judikative, Kodifizierung individueller Freiheitsrechte gehören zu liberalen Politikentwürfen. In seinen normativen Begründungen der Toleranz, des Pluralismus, des allgemeinen Räsonnements im Raum der Öffentlichkeit und der Unantastbarkeit individueller Freiheitsrechte durch den Staat macht der L. den Kern der Selbstbeschreibung westlicher, liberal-demokratischer Systeme aus. Zum L. als Philosophie- und Systembegriff gehört eine ökonomische Bedeutungsebene, die den Begriff der individuellen Freiheit an individuelles Eigentum bindet. Danach entfaltet sich ökonomisch eine Gesellschaft am besten, wenn dem individuellen Besitzstreben möglichst wenig staatliche Schranken gesetzt werden. Diese ökonomischen Aspekte des L. können mit seinen anderen politischen Setzungen in Konflikt geraten. (...)" (Aus Metzler Lexikon der Philosophie).

Es gilt also die negativen Elemente, die sich nun historisch gezeigt haben, zu korrigieren.

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Antwort auf pleifel  zum Kommentar Beides gehört zum Vorlauf des
 

Das «Naturrecht» ist ein alter Hut aus dem 19. jahrhundert. Inzwischen geben sogar Winkeladvokaten zu, daß sie das Recht verbiegen, verhunzen und verschlimmbessern können – «gut gemeint»  natürlich. enlightened

Also nicht aller Quatsch, der in Lexika steht, ist heute noch relevant.

Der Liberalismus in Folge der Aufklärung hat sich freiheitliche Rechte gegen die feudale Klasse der Obrigkeit erstritten. Nur ist die Freiheit der Andersdenkenden die Begrenzung meiner eigenen Freiheit. Dieser Grundsatz ging dem «liberalen» Großbürgertum am Arsch vorbei; heute gibt es kein Großbürgertum mehr, sondern nur noch ein Feld- Wald- und Wiesenbürgertum für alle. Die Abzocker sind die Reichen, die sich der «Funktionseliten» als nützliche Idioten bedienen.

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Aber Hallo!
 

dass der ganze Liberalismus in seinen verschiedensten Ausprägungen seine Legitimation verliert, weil er sich auf das Naturrecht berufen hat, in einer Zeit, als das religiöse christliche Paradigma noch vorherrschend war? Die privatrechtliche Moderne wäre aber ohne den konzeptionellen Rahmen des Naturrechts nicht enstanden. Und wenn man Naturrecht über das Vertragsrecht hinaus als eine Größe betrachtet, also die Unantastabarkeit des Lebenden, dann sehe ich da keinen Widerspruch.

Allein, um sich mit dem Begriff "Naturrecht" und allen seinen Bedeutungen adäquat auseinanderzusetzen, bedarf es natürlich mehr als eines Zitats. Zumal Natur aus neuzeitlicher Erkenntnis völlig neue Bedeutungen (Erklärungen) erhalten hat. "Naturrecht" wäre also zuerst einmal auf einen gemeinsamen Begriff zu bringen, um überhaupt sinnvoll diskutieren zu können!

Aber für mich wieder eine Bestätigung (nicht aller Quatsch, der in Lexika steht), wie (vor-) schnell sich verfestigte Meinungen ergeben können. Jeder befindet sich aber in einem Lernmodus, der bei Offenheit nie abgeschlossen ist.

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Antwort auf pleifel  zum Kommentar Du bist also der Ansicht,
 

«» daß du mir mit deiner Formulierung etwas im Mund verdrehen willst, das ich so weder geschrieben, noch gemeint habe.

Lediglich auf den veralteten Begriff des Naturrechtes habe ich hingewiesen, der heute noch in Lexika herumgeistert. Das einzige «Naturrecht», das wirkt, ist vom Krokodil gefressen zu werden. Jegliche Rechtssetzung ist ein soziales und politisches Konstrukt seit es im Altertum organisiertes Zusammenleben von Menschen gab.

Wenn heute etwas mit der Natur rechtlich zu regeln ist, fällt das unter Ökologie.

PS: Zum Naturrecht von Willem Zwoo gehörte sicherlich auch seine majestätische Gnade der Göttlichkeit ...

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Unterstellungen
 

dass wir die Sache unterschiedlich beurteilen. Ein kurzer Einstieg in das Gebiet hat mir schnell klar gemacht, dass ausgehend von Aristoteles und später zu Thomas (und darüber hinaus) das Thema wesentlich komplexer ist als ich angenommen hatte.

"Unterstellung" ist wohl unpassend, aber falsche "Auslese" lasse ich gelten.

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Antwort auf pleifel  zum Kommentar Beides gehört zum Vorlauf des
 

"Das ist mir zu radikal, hier wird "das Kind mit dem Bade ausgeschüttet"

Lieber Pleifel. Der Liberalismus ist kein Kind, sondern ein Greis kurz vor dem Ableben, wenn er nicht schon tot ist.

Zu deimen Zitat hat Heinz schon geantwortet. Ich habe mich ausführlich mit der Philosophie und daher auch Geschichte des Liberalismus auseinandnergestzt und sage : Dein Zitat ist lediglich der liberalismuskonforme theoretische Überbau (in pseudokomplexer lexikalischer Kurzform), die besagte Ideologie, die glauben macht.

Aus philsophischem Blickwinkel aber bin ich nicht bereit eine Idee als Realität anzuerkennen. Ich sehe nur die Praxis als Realität. Und da weisen leider alle Quellen darauf hin, dass von der Idee, nämlich über den humanistischen Liberalismus eine egalitärerer und freiere Gesellschaft zu fördern, nichts als hohle Worte gelieben sind... nichts als symbolische Rechte, die gänzlich einflussfrei bleiben (zB. Wahlrecht) und die werden zusehens und offiziell und meistens gegen den Willen der Bevölkerung zu Gunste angeblicher Sicherheit, die immer die der Eliten ist, abgeschafft .... und das ist es auch schon. Nix Liberalismus, also. Nur warme Luft und das war es schon von Anfang an , wenn Du mal einen Blick in ein paar ältere Werke werfen würdest zB. Bentham. Der Liberalismus ähnelt in soferen dem christlichen Glauben - alle Aufklärer waren Deisten, als dass er zur Unterwerfung auffordert und alles Erstrebenswerte im Leben auf eine unbestimmte Zukunft projiziert .... diese Zukunft ist jetzt spätestens da ! Und es ist heute so, dass der selbe Liberalismus sogar die wenigen Errungenschafften, die er im sozialem Bereich zulassen musste (wegen revolutionärer Radikalität der Sozialisten und Kommunisten ehe diese dann assimiliert und daher handzahm wurden) ... wieder abgebaut werden oder schon wurden - selbstverständlich unter lautem Geschrei, das selbstverständlich keinerlei Folgen hat. 

 

Hier, um meine Aussage zu stützen, ein Zitat von Wallerstein (aus seinem Buch: The end of the world as we know it (2001). Wallerstein ist (mit einigen anderen) die erste Referenz zur Analyse des Weltsystems Kapitalismus, du wirst ihn kennen, nehme ich an.

 

"It is widely thought that the collapse of the Communisms in 1989 marks a great triumph of liberalism. I see it rather as marking the definitive collapse of liberalism as the defining geoculture of our world- system. Liberalism essentially promised that gradual reform would ameliorate the inequalities of the world-system and reduce the acute polarization. The illusion that this was possible within the framework of the modern world-system has in fact been a great stabilizing

ele­ment, in that it legitimated the states in the eyes of their populations and promised them a heaven on earth in the foreseeable future."

 

und überstezt: 

Es wird allgemein angenommen, dass der Zusammenbruch der Kommunismen 1989 einen großen Triumph des Liberalismus markiert. Ich sehe es eher als den endgültigen Zusammenbruch des Liberalismus als die bestimmende Geocultur unseres Weltsystems. Der Liberalismus versprach im Wesentlichen, dass eine allmähliche Reform die Ungleichheiten des Weltsystems verbessern und die akute Polarisierung reduzieren würde. Die Illusion, dies sei im Rahmen des modernen Weltsystems möglich, war in der Tat ein großes stabilisierendes Element, indem es die Staaten in den Augen ihrer Bevölkerungen legitimierte und ihnen in absehbarer Zeit einen Himmel auf Erden versprach.

 

Und um falschen Vermutungen vorzubeugen: es geht natürlich immer noch um Demokratie und Befreiung von der Herrschaft, linke Werte, aber das ist eben nicht mit Liberalismus zu haben, der eine Form des Idealismus ist, wie er mit den Konformisten der Philsosophie wie Hegel, Kant, Fichte, und Konsorten seinen Höhepunkt erreichte.

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Antwort auf iDog  zum Kommentar der Greis im Bad
 

Ausführungen. Englische Texte brauchst Du für mich nicht übersetzen, da Fachvokabular für mich kein Problem darstellt.

Es war schon lange das Bestreben denkender Menschen, die Dinge auf einen Grund zu stellen, der als "Anker" der Existenz betrachtet werden kann. Noch heute lässt sich beobachten, wie wichtig vielen Menschen die Sicherheit überschaubarer Verhältnisse ist, die praktisch der Ersatz für die verloren gegangenen Konstanten sind.

Die Idee, den Menschen und/ oder seine Lebensverhältnisse irgendwie zu "erden", ist auch nicht durch die Rechtsphilosophie überzeugend beendet worden, außer die Vernunft relativiert zu haben. Sodass von allen Sicherheiten wenig übrig geblieben ist und sich vieles im Fluss befindet (was einerseits gut und richtig ist), aber auch das zu einer immanenten, pragmatischen Angelegenheit gemacht hat. Das überzeugt und befriedigt halt nicht jeden.

Im Zusammenhang mit dem Liberalismus wäre zu klären, welche Wertigkeit das Individuum in der Gesellschaft heute real erfährt und wie sich diese mit der Wertung (Gewichtung) der sozialen Gemeinschaft positioniert. Die Inhalte des Liberalismus sind auf die positiven Aspekte zu untersuchen, die wünschenswert sind, erhalten und ggf. modifiziert zu werden.

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Antwort auf pleifel  zum Kommentar Danke für deine
 

"Es war schon lange das Bestreben denkender Menschen, die Dinge auf einen Grund zu stellen"

Das trifft aber nicht auf die Praxis der Kapitalakkumualtion zu, mit der mehr oder weniger gezwungen alle beschäftigt sind. 

"Noch heute lässt sich beobachten, wie wichtig vielen Menschen die Sicherheit überschaubarer Verhältnisse ist, die praktisch der Ersatz für die verloren gegangenen Konstanten sind."

Was sollen das denn für Konstanten sein? Wenn, dann sind die aber zunehmend "dynamischer" geworden und unterschreiten heute bereits den Zeitraum einer Generation. Wieviel dieser Konstanten hast Du selber durchlebt? Und waren es nicht nur eingebildetet oder ausgedachtet ... und die einzige Kosntante, die Herrschaft des Kapitalmarktes, ist für die meisten eher destruktive Konstante als "die Sicherheit überschaubarer Verhältnisse". 

Solltes Du aber die Ambitionen antisystemischer Bewegungen meinen, die sich ihre humanitär begründetet Freiheit von der destruktive Konstante erkämpfen wollen, dann muss man leider sagen, dass auch die trotz mildernder Teilerfolge am Ende sind. Dieses Ende ist das den Kapitalismus stützdende Staatskonzept. Ein Zeichen dafür, dass der Kapitalismus endet, ist der schwindende Glaube an Nationalstaaten. Es bilden sich zunehmend ausserstaatliche Organisationen und Gemeinschaften, die sich genau damit vor dem Debakel schützen wollen. Erst damit haben wir dann ein Bemühen um "überschaubare Verhältnisse", nämlich als ander Ordnung , die aus dem kommeneden Chaos führen soll.

Antwort auf iDog  zum Kommentar Antwort auf [comment:parent
 

habe gestern zufällig eine sendung über konfuzius gesehen. wußte gar nicht, dass sein werk über 400 jahre fast vergessen war - aus heutiger sicht jedoch über 2000 jahre überlebt und immer noch lesebar ist ... und sich die chinesische führung offensiv in der bildungspolitik dazu bekennt und ihren zunehmenden wohlstand DARAUF begründet

das ist spannend im globalen kampf an so verschiedenen fronten ... und man "könnte" die weisheiten von ethik und empathie, von charakterbildung , respekt und die fokusierung auf WIRKLICHE TÄTIGKEITEN als wertmaßstab einer sinnvollen konstante betrachten - damit wären ja die politisch-ideologisch-medialen plappereien, die in der realität NICHT bzw. nur als karrikatur zu finden sind - der bedeutungslosigkeit/dummheit preisgegeben

"Wer alles glaubt, was er liest, sollte besser aufhören zu lesen". Zitat Konfuzius

ja, du hat recht: die erkenntnis für die wege (ins glück der menschen) sind klar und das kapitalistische mantra zerbröckelt und nimmt gleichzeitig an aggressivität zu - leider geht es wohl nicht anders ... ist ja klassenkampf ... nur die "klassen"-zimmer sind nicht mehr einfach auffindbar für die verwirrten ... bis sie begreifen, dass dieses IHRE verwirrung ist und sie sich auf eigenverantwortung für ihr denken und handeln besinnen und aufhören, sich unter vermeintlichlichen herrschafts- und führerattitüten zu versammeln ... auch die werden immer bröckliger und es kann nur die emanzipierte freiheit des einzelnen ihre aufgabe sein, die auf HARMONIE mit der umwelt überprüft werden muß und nicht mit den dicken hosen der rattenfänger ...

könnte dies nicht die grundlage einer funktionierenden "konstante" für menschliches zusammenleben sein - die besinnung und pflege menschlicher werte? seltsamer weise haben genau die quantenphysiker diese vermutung belegt und eine ungenutzte reserve von 70% der schöpferkraft des menschen berechnet, wenn sich diese nicht allein auf den technisch-materiellen bereich bezieht

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Antwort auf marie  zum Kommentar "konstanten"
 

Konstanten im Sinne statischer Kontinuität gibt es nicht.

Nimm als Beispiel das Heizsystem der DDR. Die Wohnungen in den Neubauten hatten eine Zenztralheizung bekommen. Die konnte auch mit einem Stellrad am Heizkörper geregelt werden, Thermostaten gab es aber (noch) nicht. Die Folge war, daß viele Menschen die Zimmertemperatur mit dem Fenster regelten. Das hat sich geändert, seit die Wohnungsinhaber für ihre Heizrechnung die Verantwortung selbst übernehmen mußten.

Allein mit technischer Information kann nicht jedes Problem gelöst werden. In unseren Schulen wird aber nur noch technische Information, separiertes Wissen, vermittelt. Die Konstanten, die du meinst, sind Prinzipien, die nicht mit Wissen vermittelt werden, sondern als Qualität durch Erziehung – die findet aber nur im Elternhaus statt. Bei der Erziehung gibt es darum keine negative Rückkopplung, wie bei einer Heizung mit dem Thermostaten.

Eine gesellschaftliche Veränderung wird damit unwahrscheinlich. In China wird die Gesellschaft von der Parteiführung zum Gehorsam gezwungen. Das kann positiv sein, hat aber Risiken und Nebenwirkungen.

Da lob ich mir die Unsicherheit in einer Demokratur, in der die Parteienoligarchie ihre «Dinger dreht,» der Einzelne aber auch sein Ding in Eigenverantwortung drehen darf.

Die ideologischen Klassenkämpfe suggerieren, es gäbe keine Alternative zu Kapitalismus und Sozialismus/Marxismus.

Das ist falsch!

In einer unsicheren Welt mit sehr vielen unterschiedlichen Staats- und Regierungs-Formen gibt es ein mehr oder weniger friedliches Zusammenleben nur, wenn beständig Kompromisse vereinbart werden – das ist aber ein wesentliches Element der Demokratie. Das aber ist die Strategie des Buddha:

«Hast du die Wahl zwischen zwei Wegen, wähle den mittleren.»

Das ist nicht immer einfach und sehr oft der schwerere, steilere Weg.

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Antwort auf Heinz  zum Kommentar Unsicherheit
 

Nimm als Beispiel das Heizsystem der DDR. Die Wohnungen in den Neubauten hatten eine Zentralheizung bekommen. Die konnte auch mit einem Stellrad am Heizkörper geregelt werden, Thermostaten gab es aber (noch) nicht.

Als Bewohner eines DDR-Plattenbaus weiß ich, dass es schon in den 60-er Jahren genügend Thermostaten aus DDR-Produktion gab. Freilich spiegelte der Fernwärme-Preis nicht die realen Kosten wider. So werden aus einer pauschalen Falschaussage ganze Ammenmärchen gestrickt. Die DDR-Thermostaten werden heute noch fleißig bei Ebay gehandelt.

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Antwort auf hadie  zum Kommentar Falschaussage
 

Danke Hadie,

dann hat sich das Verhalten in den Plattenbauwohnungen nicht wegen der fehlenden Thermostaten verändert, sondern als der Fernwärmepreis gestiegen ist und Messzähler an den Heizkörpern angebracht wurden.

Kern meiner Idee war das unbeständige und umweltabhängige menschliche Verhalten; schönes Beispiel für die Eigenverantwortung.

 

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Antwort auf iDog  zum Kommentar Antwort auf [comment:parent
 

rein ökonomischer Ebene. Die Durchökonomisierung der Welt, auch in mehr und mehr soziale Lebensbereiche, hat sicher einen wichtigen Anteil bei der Auflösung überschaubarer Verhältnisse (Konstanten). Aber in der Moderne sind die traditionellen Sicherheiten verloren gegangen, die sich über die Religion, einheitliches Weltbild und festgefügten Lebensweisen ergeben hatten.

Was ist an dessen Stelle getreten? Eine Vielzahl von Angeboten, die sich auf dem Markt der Meinungen ergeben und die keine dauerhafte Verankerung mehr ermöglichen. Dieser "Verlust" wird versucht über neue, flexible Sichtweisen zu kompensieren, was sich z.B. über intensives Konsumverhalten zeigt, die bei bestimmten Markenartikeln sogar zur Identitätsbildung beitragen. Es werden aber auch einfache Schwarz -Weiß Bilder gebraucht, wie sie sich in der Abgrenzung zu den "Fremden", artikuliert. So kommt es zu dem Zulauf bei den Rechten, die mit einfachen Bildern und Worten operieren können, was sich logisch aus den "Nichtinhalten" ergibt.

Die Standpunkte (Überzeugungen, Konstanten, Sicherheiten usw.) sind in der jeweiligen Gegenwart bestimmend für eigene Handlungen. Es ist also die jeweils vorliegende Überzeugung die als richtige erachtet wird und nichts anderes zählt! In den Jahren darauf (es gibt nur die fehlerhafte Rekonstruktion der eigenen Vergangenheit aus dem Gedächtnis in der neuen Gegenwart) hat sich der Horizont erweitert (hoffentlich) und es wird erkannt, dass alte Vorstellungen zu einseitig oder gar falsch waren. Es handelt sich also keineswegs um "Einbildungen", jedenfalls dann nicht, wenn es sich um die Dinge dreht, die eigener Vernunftarbeit zuzuordnen sind. Unvollständigkeit ist dabei jederzeit zu bedenken, denn das ergibt sich einfach aus dem Verhältnis "Mensch zur Welt". Mit anderen Worten, der Mensch kann niemals das Ganze erfassen (da er dann aus dieser Welt heraustreten müsste), nähert sich aber infinitesimal dieser Erkenntnisgrenze, ohne bestimmen zu können, wo diese genau ist.

Noch etwas zum Naturrecht:

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist eine Wertigkeit mit eingeflossen, die aus dem Naturrecht abgeleitet wurde (aufruht), denn im Gegensatz zum positiven Recht  (also dem vom Menschen gesetzten Recht), geht es bei diesen 30 Artikeln nicht um ein "gewährtes Recht", sondern um die "Gewährleistung" dieser Ansprüche, die sich aus einer überpositiven Größe darstellt (dieser Anker, der individuell, religiös, naturalistisch oder auch rein pragmatisch betrachtet werden kann), erfüllt auch den "Ewigkeitscharakter" einiger Artikel im GG, die zukünftig der menschlichen Willkür entzogen werden sollen.

Die Präambel beginnt demgemäß so: "Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet, (...)"

und im Artikel 1: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen."

Naturrechtsgedanken (als natürliches Sittengesetz, Aristoteles dazu in seiner Ethik) wirken heute zudem vermittelnd in Bereichen wie Bioethik und medizinethischen Bereichen, die die Definition von Leben und Tod betreffen. Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt, der völlig außerhalb religiöser oder deistischer Weltbilder wirksam ist.

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Antwort auf pleifel  zum Kommentar Du argumentierst auf
 

"Es handelt sich also keineswegs um "Einbildungen", jedenfalls dann nicht, wenn es sich um die Dinge dreht, die eigener Vernunftarbeit zuzuordnen sind."

Leider orientiert sich die "eigene Vernunftarbeit" in den meisten Fällen an Denkfiguren, die ausschließlich an der herrschenden Ideologie orientiert sind oder an einem herrschaftskonformen Diskurs dazu. 

Die einzige Konstante des kapitaistischen Konsens ist das Kapital/Geld und seine Akkumulation. Vormoderne Zeiten, also territorial gesehen die Zeit vor der Urbanisierung eines Territoriums durch den Kapitalismus, der was zB Kern-Europa angeht bei nur 5% der Bevölkerung in der Landwirtschaft als abgeschlossen angesehen werden muss, genau so wie in allen Kapitalischen Kernländern, taugen wenig als Bezugspunkt für gesellschaftliche Konstanten. Zumindest nicht in einer sich akut entwickelnden Transformation des globalen Systems. Faktisch gibt es im Moment keine Konstante ausser der ökonomischen, die immer auch die soziale ist, oder es sind eben eingeblidetete, wie Deine Beispiele aus dem Konsum-Mythos ja zeigen. Ein paradigmatischer Aspekt des Kapitalismus ist es, keine andere Konstante zu bieten als die Konkurrenz um Profite und um die Teilhabe an Profiten. Und dieser Aspekt ist ja gerade der Hauptkritikpunkt aller antisystemischen Bewegungen, welche aber nicht geschafft haben ihm etwas entscheidendes entgegenzusetzen. Es bleibt also die Einbildung, dass sich mit der Zeit schon alles zum Guten wenden wird, wenn wir nur munter weiter dem Fortschritt der Akkumulation zuarbeiten oder weiter um persönliche Vorteile kämpfen. Das trifft selbst auf den Widerstand zu, der eben nicht radiakl genug ist, sondern sich in systemkonformem Reformismus im wahrsten Sinne des Wortes erschöpft. Aber jeder auch erst erfolgreiche Widerstand macht die Rechnung ohne den Wirt. Letztendlich sind alle eingebunden in das globale System und seine einzige Konstante. Damit erklärt sich nicht nur der Niedergang des Liberalismus, der Sozialdemokratie, der Linken Parteien und daher indirekt der Auftrieb bei den Rechten etc. pp , sondern auch , dass sich der Widerstand heute, seit Deleuze und Guattari, auf micro resistance beruft. Dabei wird gerne übersehen, dass es ebenso viele Mikrofaschismen gibt.

Tradition ist eine Mythos der Konservativen und gehört in deren politische Agenda der Verlangsamung von gesellschaftlichen Transformationen, besonders wenn sie antisystemisch sind. Ansonsten wird sie heute meistens zu kommerziellen Zwecken entfremdet. 

Die Menschenrechte sind wie ein Brief an den Weihnachtsmann. Nichts als Papier und graue Theorie. In Ihnen verdeutlicht sich am allerbesten die Niederlage der antikapitalistischen Bewegungen seit der Französischen Revolution. Man lese Artikel 17 : " Recht auf Eigentum", zuerst, nämlich 1789, der schnell noch hinzugefügte 17. Artikel der ersten Menscherechtscharta, die damit zu einer die Kapitalherrschaft konsolidierenden wurde. Auch heute ist der Artikel 17 der Artikel, der alle anderen 29 zur wirkungslosen Makulatur werden lässt. Und damit hat sich die fr. Revolution zu einer bourgoisen, elitären und kapitalistischen gemausert .... die anderen Artikel sind also eigentlich nur nützliche Deko, um den Massen Hoffung ins Hirn zu scheißen.

Und wenn man das weiter denkt wird daraus die Frage nach der Gewalt, denn das praktizierte "Naturrecht" bliebt bislang und nach wie vor das "Recht" des Stärkeren, und zwar mindestens solange bis das kapitalistische System an sein natürliches Ende gelagt ist, das Recht auf Eigentum nicht mehr mit Gewalt verteidigt wird oder werden kann. Dass es diese Ende geben wird, ist indess sicher. Die Gründe dafür dürften soweit offensichtlich sein.

 

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Antwort auf iDog  zum Kommentar Die universelle Konstante
 

....im herrschenden, globalen Klassenkampf von Oben gegen Unten findet sich in der persönlichen Orientierung an gaaanz Unten - wo den auch sonst?

Jedenfalls nicht in den kleinbürgerlichen Illusionen der gerade noch privilegierten Freischwimmer die um ihren Status bangend die angebetete Obrigkeit um Reförmchen anbetteln. Die schauen lieber nicht nach unten, damit sie nicht sehen müssen in wessen trüber Suppe sie kraulen - sondern sonnen sich stattdessen erleuchtet und bevorzugt (noch!) im lieblichen Licht bezahlbarerer Nebellampen.

Gute Freunde sind keine Kumpane der regierenden Barbarei, die können Unten von Oben locker unterscheiden, weil sie einen festen Standpunkt haben - statt der kleinbürgerlichen Wurzel im eigenen Popo.

Selbstbewusste & glaubwürdige Klassenstandpunkte finden sich zuhauf in filmischen Ausschnitten aus "Losgelöst von allen Wurzeln".

Nur so als kleine, herzerfrischende Zwischenmahlzeit......

Bild des Benutzers pleifel

Antwort auf iDog  zum Kommentar Die universelle Konstante
 

Freitag "Verzettelung" der linken Protestbewegungen (aller Organisationsformen) genannt, die dadurch weder die notwenige Größe (Aufmerksamkeit, Kraft), folglich auch keine Erfolge aufweisen können und die sind nicht nur des Erfolges wegen notwendig, sondern auch der Stärkung (Solidarisierung, Erfahrung) in den Bewegungen selbst.

Am dringlichsten wäre mir aktuell das gemeinsame Vorgehen gegen die Atomwaffen, zumal in Büchel und darüber hinaus die Unterzeichnung auf den Verzicht auf Atomwaffen. Das ist für mich so offensichtlich, dass ich nur einen Grund erkennen kann, warum das nicht gelingt: nämlich die "linke Krankheit" ideologischen Ballastes, der eher trennt als zusammenführt. Das hatte ich (wir?) des Öfteren behandelt.

Den Menschenrechten liegt ein postuliertes "natürliches Sittengesetz" zugrunde, das bereits aus der menschlichen Natur heraus, also als Erkenntnis der Vernunft über die Gerechtigkeit, die notwendig ist und erst das friedliche Zusammenleben in größeren menschlichen Strukturen ermöglicht. Dazu sind von den großen Philosophen seit der Antike (aber auch in China usw.) tiefschürfende Gedanken formuliert worden und letztlich in eine Organisation wie die UNO und in die Formulierung der Menschenrechte eingegangen sind.

Die Gründe dafür, warum der Text mehr Text geblieben ist und die Wirklichkeit anders aussieht, liegt also nicht an fehlenden Erkenntnissen (oder falschen Idealen), sondern ist Gründen geschuldet, die Du auch in deinem Kommentar genannt hast.

Tradition sehe ich etwas anders als Du, wenn diese nicht der Abgrenzung dient, sondern eine Ausdrucksform verschiedenartiger Kulturen ist, die jeweils ihre eigenen Werte mitbringt und analog wie eine Wiese betrachtet werden kann, mit der Vielfalt ihrer Pflanzen. Und wie im Vergleich sollte Tradition auch nicht als eine starre Kulturform verstanden werden, sondern als eine lebendige Gesellschaft, die unterscheiden kann zwischen dem Erhaltenswerten und dabei die Offenheit für neue Entwicklungen (Gedanken) mitbringt. Das scheint nur wenigen Gesellschaften zu gelingen und deshalb gerät auch der Konservatismus in die Kritik, da dieser damit gleichgesetzt wird. Das setzt aber auch voraus, dass man in der Lage ist, diese Balance zu halten und das erfordert Gesellschaftsformen, die diese Voraussetzungen bieten.

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Antwort auf pleifel  zum Kommentar Danke für deine
 

"Englische Texte brauchst Du für mich nicht übersetzen"

Hab ich auch nicht , aber  es sind nicht alle so gut in Englisch wie DU :-))

Antwort auf iDog  zum Kommentar "Neue Linke"
 

kann ich mich voll anschließen - zumal ich in neoliberalen strategiepapieren gelesen habe, dass es eine einsicht und korrektur zum antisemitismus, der im holocaust endete, gegeben hat und als zu korrigierender fehler angemerkt wurde. das hat mir vieles in der gegenwart erklärt ...

man könnte ja sagen: immerhin hat nun der rassismus/antisemitismus die höchste priorität im ideologischen feindbild erhalten - doch wenn es nur so wäre ... die bilder wurden nur taktisch ausgetauscht und konnten nach 9/11 und gegenwärtig gegen wahlweise moslems oder russen eingetauscht werden ... natürlich nicht gegen russen a la jelzin und auch mit den moslems wird differenziert umgegangen ... israel hat jedoch einen freibrief bekommen

du hast recht, alle koordinaten sind verschoben worden - soweit, dass schon allein die feststellung als gefahr betrachtet wird - jede kritik und hinterfragung noch wesentlich mehr (habe gestern zufällig kornblum und röttgen in der müchener runde gesehen, welche faktenbefreiten und ekligen zuweisungen da in richtung rußland abgelassen wurden, unterscheiden sich in keiner weise von den schuldunterstellungen gegen juden im dritten reich)

eine diskussion ist in dieser hetzatmosphäre nicht mehr möglich - die wurden auch gleich an bartsch in dieser runde auf ihre wirkung hin ausprobiert ...

doch was willst du dazu noch sagen? argumente = total sinnlos ... sich als raubtierfutter verweigern ... sollen sie sich doch gegenseitig auffressen

hatte denn hannah ahrendt ein mittel gegen das banale böse genannt? - ich glaube, sie konnte es auch nur beschreiben ... und selbst erleben (danach)

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Antwort auf marie  zum Kommentar toll analysiert
 

... ist an sich oder sollte theoretisch ja die Tatsache sein es als solches erkannt zu haben. Obwohl Hannah Arendt sehr angefeindet wurde hält ihre Analyse aber stand- freilich nur in systemkritischen Kreisen.

Jetzt kann man sich fragen ob es erstaunlich ist, dass sich trotzdem nichts ändert - also nicht dagegen unternommen wird, oder dass sich gerade deswegen nichts ändert... müßig. Ganz offensichtlich werden von der ihre Previlegien verteidigenden konservativen Seite nach wie vor die selben Strategien benutzt wie in der letzten Phase. Man boosted die radikale Rechte und alle haben das Gefühl mit einem blauen Auge davon zukommen solange noch moderate, "liberale" Sklaverei herrschen kann. Viele sehen aber nicht, dass auch das 3. Reich eine Veranstaltung des Liberealismus war. Den herrschenden Kräften, oder dem "wallersteinschen" Weltsystem Kapitalismus ist es völlig egal wie die Kapitalakkumulation vorangetrieben wird, und wenn es industrielle Menschenvernichtung ist. Es gehorchen also alle immer noch weitgehend gemäß ihres Glaubens an die großen ideologischen Versprechen und dessen Maxime "alles wird gut", christlich eben. Das wiederum liegt daran, dass die wenigsten verstehen (wollen), dass der Zug Kapitalismus abgefahren ist, dass es da nichts mehr zu retten gibt - auch wenn die Agonie noch 100 Jahre dauern sollte. Andernfalls würde sicher manch einer ein rasches, wenn auch turbulentes Ende dem gefährlichen Dahinsiechen des Sytems vorziehen, das wohlmöglich den ganzen Rest mit in den Orkus reißen könnte. 

Die Fragmentierug der Weltordnug und deren Ausweglosigkeit, selbst für ein super flexibles System wie der Kapitalismus es ist, wird aber immer deutlicher sichtbar... wenn man hinschaut anstatt zu beten.

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Antwort auf iDog  zum Kommentar "Neue Linke"
 

Von eben diesem werden die guten neuen Linken durch seine liebevoll errichteten Dörfer geführt und müssen sich bei jedem Knarren der Dielen auf Hitler Next Door gefasst machen, dürfen dann spontan Weimar rufen, oder in Anlehnung an den guten Joschka Fischer: "Nie wieder Auschwitz"; danach und ohne jedes Schuldgefühl Jugoslawien et al. bombardieren

Damit sind sie seit einiger Zeit voll ausgelastet, kommt das banal Böse auf leisen, guten, alternativlosen Pfoten.

 

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die M. Wiens meinen Kommentar wohl nicht richtig eingeordnet, habe aber keine Veranlassung gesehen, in dem Blog weiter zu kommentieren. Das läuft doch immer wieder auf die ideologischen Grenzen hinaus, die von den "guten Gutmenschen" gesetzt werden.

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Antwort auf pleifel  zum Kommentar Jedenfalls hat
 

statt lediglich nicht richtig eingeordnet.

Du antwortest auf einem Kommentar von Maja Wiens, in dem sie ganz forsch auf eine Blutsverwandschaft von Antisemitismus und Nationalismus erkennt;

und hat doch selbst -oben im Blog zitiert- den hier ankommenden Flüchtlingen pauschal Antisemitismus unterstellt. Auf die Begründung dieser Unterstellung wäre ich gespannt, müsste die gute Linke dann wohl argumentative Anleihen bei Broder, Sarrazin & Co. machen.

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Oder nicht verstanden,
 

wenn man sich nicht "korrekter" linker Kritik aussetzen will? Mir kommt es so vor, als ob sich die linke Landschaft so was an ausdifferenziert hat, dass dabei die meisten den Überblick (Durchblick) verloren haben.

Konkret: wenn ich anhand der Analyse der Migranten feststellen kann, dass der Hauptzustrom aus Ländern kommt, wo es tendenziell Israel feindliche Haltungen gibt, die aus Glaubensvorstellungen heraus bestehen oder den dortigen politischen Gegebenheiten entsprechen, dann wäre das erstmal Fakt. Aber allein das schon zu äußern, kann ausreichen, um dich zu diskreditieren, zumindest in die Defensive bringt.

Denn mit Äußerungen, die nicht dem gängigen Meinungsstandard entspricht, wird äußerst rigoros verfahren und das kann jeden treffen, egal, ob er oder sie vorher längst unter Beweis gestellt hat, was Sache ist. Du erinnerst Dich sicher noch an "Exodus" von Paul Collier und die Debatte zu einem Beitrag im Freitag. Da erlebt man "Normvorgaben", die wenn nicht eingehalten, zu "Ausgliederungen" führt. Ich halte diese Entwicklung für unakzeptabel.

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Antwort auf pleifel  zum Kommentar Was ist überhaupt noch erlaubt,
 

Nicht zuletzt deshalb hatte ich gefragt, wie Maja Wiens ihren pauschalen Antisemitismusvorwurf an die Adresse der Flüchtlinge begründen wollte.

Das Gebaren von Israel gegenüber seinen arabischen Nachbarn dürfte auch Wiens nicht meinen, nicht offen aussprechen; würde sie von interessierter Seite dann sehr schnell ebenfalls als Antisemitin erkannt.

Sarrazinesk mit irgendwelchen Genen hantieren könnte die Überbringer dieser Botschaft der Lächerlichkeit anheim stellen.

Und Du hast ja -wohl bewußt- von israelfeindlichen Haltungen geschrieben, nicht von judenfeindlichen. Das scheint mir zumindest ein ganz wesentlicher Unterschied zu sein, weil rund die Hälfte der Menschen jüdischen Glaubens nicht in Israel lebt, sich oft jedoch über "das Jüdische" von Israel vereinnahmen lassen muß. Gerade in den USA gibt es eine große Zahl oft jüngerer jüdischer Menschen, die der Politik Israels äußerst kritisch gegenüber stehen, garnicht auf die Idee kommen, dorthin auszuwandern.


Insofern und falls sie hier und wider Erwarten immer nochmal mitliest nochmal die Frage an Maja Wiens: Woher kommt der von ihr erkannte Antisemitismus der Flüchtlinge? Was genau hat ihn geprägt?

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und keiner zeiht den Broder des Antisemitismus.

Sorry, für alle hier mitlesenden, denen das Thema nicht wirklich etwas sagt, gar nahe geht.

Wie im Blog bereits erwähnt, so macht sich Broder (in Folge) nicht wenig lustig über die Kritiker seiner Erklärung 2018. Diese, seine jüngste Darbietung wird nun noch etwas konkreter, nennt Roß und Reiter, kennt keine Verwandten (mehr).

Simone Rafael, die rechte Hand der IM-Victoria raucht er gleich eingangs in der Pfeife. Und in deren Qualm erscheinen (verschwinden) dann noch Michel Friedman, Juli Zeh, Ernst Elitz und Dieter Moor. Multiple Treffer ...?

Richtig zum Schmunzeln (für Insider) wird es dann jedoch, wenn Broder sich den Clemens Heni zur Brust nimmt; Leiter und einziger Mitarbeiter in seinem Wohnzimmer-"Center" gegen Antisemitismus. Früher waren Broder und Heni dahingehend gemeinsam unterwegs, insbesondere als es gegen Wolfgang Benz ging. Heute nun ist Broder wohl eher bei Josef Schuster; während der Heni nach dieser "reflektierten Erklärung"  schon bald ein Kandidat für das Sponsering durch George Soros sein könnte. Welcher US-Thinktank ihn aktuell unterstützt, das war kürzlich an anderer Stelle zu lesen, müsste ich suchen.

Wie bereits oben im Blog geschrieben, so arbeiten sich diese Erklärungen und Aufrufe lediglich vordergründig (positiv wie negativ konnotiert) an den Flüchtlingen ab; und sind daher für mich kein ernsthafter Diskursgegenstand. Mehr jedoch, systemisch eher grundsätzliche Fragen sind von allen hier genannten Figuren (Broder eingeschlossen) wohl auch nicht zu erwarten.