22 Apr 2018

„Dem Wahren, Schönen, Guten!“

Submitted by fahrwax

Ausstellung Schwick `80

 

Helmut „Schwick“ Schwickerath, Pensionär, Kunsterzieher, Künstler und Journalist in Trier, nimmt seinen 80. Geburtstag zum Anlass, einen Rückblick auf seine Aktivitäten der letzten 60 Jahre vorzunehmen.
 

 

 

 

In der Galerie netzwerk in der Neustraße 10 stellt er Zeichnungen, Radierungen, Kollagen, Acrylmalerei, Plakate, Objekte, Installationen und Dokumentarfotos aus. Natürlich ist auch sein bundesweit bekannter Marx-Altar mit der heiligen Unterhose des Trierer Philosophen dabei (in einer erweiterten Fassung).

All diesen sehr verschiedenen Artefakten ist eines gemeinsam: Sie sind immer entstanden in Bezug zu und Auseinandersetzung mit ganz konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen. Insofern vermeidet er also die „... Subsumtion des Künstlers unter die lokale und nationale Borniertheit, die rein aus der Teilung der Arbeit hervorgeht, und die Subsumption des Individuums unter diese bestimmte Kunst, so dass es ausschließlich Maler, Bildhauer usw. ist, und schon der Name die Borniertheit seiner geschäftlichen Entwicklung und seiner Abhängigkeit von der Teilung der Arbeit hinlänglich ausdrückt.“ (Karl Marx: Die deutsche Ideologie (1845/46)

Das Zitat macht hoffentlich deutlich, dass „das Wahre, Schöne und Gute“, dem die Ausstellung angeblich gewidmet ist, reine Ironie ist. Oder um es mit den leicht abgewandelten Worten von Nestroy zu sagen: „Dass Wahre, Schöne und Gute, diese drei; aber das Wichtigste von ihnen ist das Bargeld.“

Was das Letztere angeht: Die Ausstellung profitiert (!) nicht vom Geldsegen, der wg. Marx aus dem Mainzer Olymp auf Künstler, Kleinkünstler und Konzeptkünstler herniedergeht. Sie wird privat finanziert. Die Einkünfte aus dem Verkauf von Artefakten (z.B. dem wunderbaren „Marx-Scheißerchen“) gehen an die „Freundschaftsgesellschaft BRD -Kuba e.V.“

 

Die Ausstellung gliedert sich in drei Themenbereiche.

 

Abt. 1: Ekklesiastik & Dogmatik.

Da der Autor in seinen ersten 20 Lebensjahren einer harten katholischen Erziehung ausgesetzt war, nutzt er diese Erfahrung zu grimmigen oder auch lustig anmutenden Objekten und Zeichnungen. So wird z.B. das Geheimnis von Weihnacht und Ostern auf verblüffende Weise aufgeklärt. Oder die Relikte und Dokumente der großartigen Ausstellung „Konstantin – Kunst und Provokation“, die dem Versuch der Heiligsprechung Konstantins durch die Großausstellungen erfolgreich Widerstand leisten konnte.

Auch der Marx-Altar ist letzten Endes ein Projekt der Entdogmatisierung sowohl des Marxismus als auch des katholischen Reliquienkults.

 

Abt. II: Sur-Realistik

Das Handwerk des akademischen Zeichnens hat „Schwick“ an der Kunstschule in Sevilla gelernt. Das war die Basis, um seinem Vorbild Max Ernst nachzueifern, wie man an den Kollage-Serien erkennen kann. Aber auch die Bildvorlagen zu den Multivisionsaufführungen von Michael Kiesslings „Beatles-Revue“ und „Modern Times“ zeigen die Tendenz zum magischen Realismus und Surrealismus.

 

Abt. III: Publizistik

Die „kleine andere trierer zeitung“, abgekürzt KATZ, war das krallenbewehrte Monsterchen, das die Trierer Kommunalpolitik und Kultur von den 1970er Jahren bis 2007 liebevoll begleitet hat. Schwick war ab 1982 dabei. Erstmals wird das Stadtmagazin vollständig einer interessierten Öffentlichkeit vorgelegt. Es ist die unentbehrliche Quelle für die Erforschung der Entstehung und Ausprägung der „anderen“ Kultur in Trier. Dazu Originalzeichnungen und Entwürfe für Titelbilder.

 

Die Ausstellung dauert vom

4.Mai bis 31.Mai 2018

 

Öffnungszeiten:

Täglich von 10 bis 19 Uhr. Sonntags von 11 bis 14 Uhr

 

 

Eröffnung am 3. Mai um 19 Uhr

Preview für PressevertreterInnen ab 1. Mai.
 

Kommentare

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"Kulturarbeiterin Jenni von Ostfalen spricht mit Helmut Schwickerath über sein sakrales Meisterwerk „Marx-Altar mit heiliger Unterhose“.

Sie stellen in Trier mal wieder Ihren Marx-Altar aus, diesmal in der galerie netzwerk in der Neustraße 10. Was gibt’s denn Neues von der Heiligen Unterhose?

S.: Nur Erfreuliches! Es hat keinen neuen Mottenbefall gegeben; das Beinkleid ist voll funktionsfähig. Auch die gefahrvolle Reise nach Dresden hat es gut überstanden. Über 75.000 Besucher haben die Hose von November 2016 bis Juni 2017 im Deutschen Hygienemuseum bewundern können.

Im Hygienemuseum – das ist ja geil!

S.: Schämen Sie sich! Das war eine unkeusche Sonderausstellung zum Thema „Scham – 100 Gründe rot zu werden“,kuratiert von Daniel Tyradellis Es war noch ein zweites Exponat aus Trier zu sehen: Die römische Venusfigur aus St. Mathias, die von fanatisierten Pilgern wegen ihrer Nackheit durch Steinwürfe so verstümmelt wurde, dass man sie kaum noch erkennen kann.

Da sollten sich die Pilger mal schämen! Aber eine Unterhose verdeckt doch die Teilchen, deretwegen man sich schämen könnte. Wie geht das denn zusammen?

S.: Der Marx-Altar wurde in Dresden präsentiert mit einem Zitat von Marx, das neben dem Schrein rot von der Wand leuchtete. Er definiert darin die Scham als „...eine Art Zorn, der in sich gekehrte. Und wenn eine ganze Nation sich wirklich schämte, so wäre sie der Löwe, der sich zum Sprunge in sich zurückzieht. Ich gebe zu, sogar die Scham ist in Deutschland noch nicht vorhanden; im Gegentheil, diese Elenden sind noch Patrioten.“

Aua! Und ausgerechnet in Dresden! Das ist ja ein Fall fürs Heimatministerium...

S.: ...und für das chinesische Außenministerium! Wir hatten den Altar 2012 im Schaufenster des Zupport neben dem Karl Marx Haus ausgestellt. Ich habe mehrfach erlebt, wie sich chinesische Besucher beim Anblick des Beinkleides mit allen Anzeichen der Scham von dannen machten. Ein Trierer Fremdenführer wurde vom chinesischen Gruppenbetreuer aufgefordert, seine Landsleute nie mehr auf den Altar aufmerksam zu machen.

Na, für unsere chinesischen Besucher gibt’s ja bald den RiesenMarx mit wehendem Mantel. Der ist jugendfrei.

S.: Für das in Trier vorherrschende ästhetische Empfinden wäre der rote Marx-Gartenzwerg die bessere Lösung gewesen! Denn was passiert, wenn der chinesische Riese seinen Mantel wie einen Trenchcoat aufschlägt? Dann schreien alle wieder: „Me too!“"

Quelle: https://www.facebook.com/heiligeunterhose

Auf die erweiterte Fassung der geheiligten Reliquie bin ich sowas von gespannt.......

Hier die bereits bekannte bisherige Fassung des heiligen Gemächtschutzes:

 

Wie zumeist ist die Unterscheidung zwischen Fake und gasförmigen Fakten ein schwieriges, entbehrungsreiches Unterfangen:

"Ernst Hanrath vom „Kuratorium zur Förderung der Freude unter den Menschen“ aus Bruch bestreitet die von uns bewiesene Herkunft der Marx'schen Unterhose. Er schreibt:
„Die von Ihnen ausgestellte Unterhose stammt nicht von Karl Marx, sondern von seinem Vetter Jean Jacques Marx (1812 ­ 1880). Dieser trug sie bei einer Demonstration gegen das preußische Königtum 1848 ­ er wurde verhaftet, konnte aber unter Zurücklassung des Beinkleides entfliehen. Die Unterhose wurde mit preußischer Sorgfalt von der Polizei aufbewahrt. 1890 wurde sie im Rahmen der Sozialistengesetze auf Spuren des Sozialismus untersucht. Beim Institut für Stoffkunde an der TH Aachen stellte man fest, dass der Stoff 1844 bei Schoeller in Düren gewebt und an den Schneidermeister Hilarius Pirmenich in Kordel verkauft worden war. In den Wirren des 2. Weltkrieges verschwand das Beinkleid 1944, tauchte aber dann 1947 auf dem Schwarzmarkt auf, wo sie von Isolde Schwickerath gegen ein Kilo Butter erworben wurde. Den Weg, den die Hose in Ihrer Familie nahm, kennen Sie sicher besser als ich.“

Die „Brotherhood of the Holy Longjohn“ weist diese Darstellung zurück und beharrt auf der historisch bewiesenen Provenienz aus der Hinterlassenschaft von Lenchen Demuth."

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Denke gern zurück an die nette Gesprächsrunde im letzten Sommer in seinem Garten.

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Antwort auf ebertus  zum Kommentar Grüße an den Jubilar
 

aber die kommenden Gesprächsrunden werden sicherlich noooooch intensiver - ich verwechsle das liebend gern mit "Leben".

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Auch unser Eddie hat damals weder Zeit noch Mühe gescheut um den Debilfundamentalisten das Licht anzuknipsen:

"Ein Kunstobjekt im Außenbereich der Tuchfabrik führte drei Tage lang zu blutigen Verletzungen der religiösen Gefühle von katholischen Debilfundamentalisten. Edward Naujok hatte einen Misthaufen in Form des Hl. Rockes aufgeschichtet und mit Oblaten und Heiligenbildchen zwecks Kompostierung versehen. Diverse Polizeistreifen wurden in Marsch gesetzt, mussten aber unverrichteter Dinge wieder abziehen, weil eine städtische Genehmigung vorlag. Am zweiten Tag wurde sie widerrufen, am dritten Tag wurde das Kunstwerk abgeräumt. Die Tugend der christlichen Nächstenliebe äußerte sich in folgendem anonymen Schreiben:
„Ihr verdammtes gottloses Gesindel, glaubt ja nicht dass Gott sich alles gefallen lässt. Wir werden Euch bekämpfen jeden einzelnen bis ihr alle da seid, wo ihr hingehört nämlich in der Hölle. Wir kennen Euch alle Ihr entgeht uns nicht.“

Quelle: http://marx-altar.de/reaktionen.html

Eddie damals im unmittelbaren Kontakt mit den bewaffneten Armen (ich bitte um Beachtung der Doppeldeutigkeit!) der Fundamentalisten:

 

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"Die Echtheit der „Heiligen Unterhose“ wurde – im Unterschied zum „Heiligen Rock“ – auch bislang von keinem renommierten Kunsthistoriker der Welt infrage gestellt."

Korrekt, da sich kein renommierter Kunsthistoriker je mit dieser Unterhose beschäftigt hat.

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Antwort auf pleifel  zum Kommentar Kunst, Reliquie oder was?
 

verfügt über gaaanz andere Kriterien zu ihrem persönlichen Broterwerb.

Hitler's Adolf wurde 1933 Ehrenbürger der Stadt Trier und war das bis zum 2. September 2010......

(sagt Wikipedia)

Trittsichere Kanditaten stehen da ihrer Natur einfach nicht zur Debatte.

Das Thema >>Glaubwürdigkeit<< handelt Schwick hier auch ganz persönlich in aller Prägnanz ab:

 

Kunst lässt dem Menschen halt einen Interprerationsspielraum - Historiker & Politik haben da ganz andere Aufgaben.....

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Antwort auf fahrwax  zum Kommentar Die Zeitschreibung der Historiker
 

Bin zum Thema Glaubwürdigkeit gerade an einem kleinen Blogtext - stay tuned ...

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Am 1.5. sendet der SWR 3 was über Schwick in der Landesschau 18.45 Uhr - 19.45 Uhr Fernseher anschalten!

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lässt sich dorten ansehen:

https://www.swr.de/landesschau-rp/touristisch-und-verlogen-marx-ausstellung-in-der-kritik/-/id=122144/did=21381536/nid=122144/bnjz5g/index.html#utm_source=Facebook&utm_medium=referral&utm_campaign=SWR%2Ede%20like

Erläuterungen zum Altar und zum Titel der Ausstellung:

Dem Wahren, Schönen, Guten!

Der von Helmut und Gepa Schwickerath gestaltete Flügelaltar zeigt im Mittelteil die Reliquie und auf dem linken Flügel Lenchen Demuth – die Haushälterin der Familie Marx und Mutter eines Sohnes von ihm. Rechts ist die linke Politikerin und Autorin Sahra Wagenknecht als Evangelistin dargestellt. Der Adler trägt in seinen Krallen ein Buch (Das Kapital?) als Symbol.
Über ihnen schwebt in der göttlichen Dreiecksform Karl Marx als Gottvater. In einem Reliquienkasten stößt eine rote Faust durch ein Sammelsurium von Mohnkapseln und christlichem Devotionalkitsch nach oben. Sie verbildlicht eine der bekanntesten Aussagen von Karl Marx: „Die Religion ist das Opium des Volkes.“
Der zitierte Wahlspruch eines unpolitischen Bürgertums ziert seit dem 19. Jahrhundert den Giebel der Alten Oper in Frankfurt. Er steht für eine Auffassung von KUNST, die das „Schöne an sich“ darstellen soll. Ein Frankfurter hat das seinerzeit so kommentiert: „Dem Wahre, Scheene, Guude – die Berjerschaft muss bluude.“
 
Zu sehen in der Ausstellung: DEM WAHREN,SCHÖNEN, GUTEN! . 4. Mai – 31. Mai 2018 . Galerie Netzwerk . Neustr. 10 . Trier

 

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Antwort auf fahrwax  zum Kommentar Die Sendung mit Schwick:
 

Mit 80 noch so fit zu sein, körperlich, wie auch von der mentalen, der gesellschaftskritischen Verfassung her.

Klar, inhaltlich und was diesen aufgesetzten Hype betrifft, da gehe ich mit Helmut konform. Und dass die (neoliberal gewendete) SPD dieses Marx-Haus in Trier betreibt, das ist schon ein Treppenwitz der Geschichte.

Dennoch, denke gern zurück an den Tag in Trier im letzten Jahr.

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Wir freuen uns mitteilen zu dürfen, dass die ersten Scheisserchen die Produktionsstätte verlassen haben. Exklusiv erhältlich in der Ausstellung DEM WAHREN, SCHÖNEN UND GUTEN!
https://www.facebook.com/events/222293635186205/

 

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ist ebenso wie ihr Herausgeber Schwick ein unverzichtbares Relikt aus dem kritischen Segment der Trierer Stadtgeschichte.

 

 

Und noch eine Sequenz aus der unvergesslichen Heldenmacher Ausstellung in Kyllburg mit erheblichen Bezügen zu der noch immer amtierenden deutschen Chef-Kriegstreiberin die das unbedingte Vertrauen des Militärisch-Industriellen-Komplexes mit vollen Bezügen genießt:

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Alle Rechte am Bild sind fest in den Händen von Annamalt!

Bereits am gestrigen Abend erreichte uns die obige Information unmittelbar aus Schwicks' Mund .

Ich entdecke in ihr auch den naheliegenden, reinigungstechnischen Zusammenhang, das mindestens zwei der bisherigen 800 Besucher wirklich keine sehr Sauberen waren, sondern Darsteller eines fiesen schaustellerischen Gewerbes ........